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WEITRAMSDORF / STUTTGART

Tambach: PETA zeigt Wildpark an

Die Tierschutzorganisation PETA hat Anzeige gegen die ihrer Meinung nach tierquälerische Greifvogelhaltung im Tierpark Tambach gestellt. Foto: Drossel

, Wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz hat die Tierschutzorganisation PETA laut eigener Pressemitteilung Anfang November Strafanzeige gegen den Wildpark Schloss Tambach erstqattet. Ein von der Tierrechtsorganisation veröffentlichtes Video zeigt, wie Greifvögel und Eulen im Wildpark Schloss Tambach und sieben weiteren Tierparks angekettet gehalten werden, um sie dem Publikum zu präsentieren. Die zuständige Staatsanwaltschaft Coburg habe laut Peta nun die Polizeiinspektion Coburg mit den Ermittlungen beauftragt und befrage derzeit einen Augenzeugen. PETA fordert in seiner Presseinformation das Ende der „Anbindehaltung“ von Greifvögeln und Eulen und spricht sich grundsätzlich gegen die Haltung von Vögeln in Gefangenschaft aus.

„Die ,Herrscher der Lüfte‘ werden in der so genannten Anbindehaltung gezwungen, einen großen Teil ihres Lebens vor sich hin zu vegetieren, um sie dem Publikum in Tierparks vorzuführen“, sagt Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Für die Greifvögel bedeutet das ein Leben voller Entbehrung und Leid. Nach unserem Ermessen ist dies nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar – die tierquälerische Haltungsform muss verboten werden.“

PETA fordert generelles Verbot der Falknerei

Bei der sogenannten falknerischen Anbindehaltung sind laut PETA die Wildvögel stunden- oder gar tagelang in Bodennähe angeleint und stark in ihrem natürlichen Flugverhalten eingeschränkt. Wenn sie versuchen, zu fliegen, würden sie von dem kurzen Lederriemen an ihren Füßen zurückgerissen. Nur während Flugshows oder wenn die Verantwortlichen ihnen „Freiflug“ gewähren, dürfen sich die Tiere kurzzeitig artgemäß bewegen. Viele von ihnen seien laut Pressemitteilung der Tierrechtsorganisation monatelang hauptsächlich angekettet. Nach PETAs Auffassung verstößt diese Haltungsform grundsätzlich gegen das Tierschutzgesetz. Demnach muss ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden. Gemäß den in Deutschland geltenden Richtlinien ist die Haltungsform zwar noch zulässig, wenn die Tiere jeden zweiten Tag kurz fliegen dürfen. [Doch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft plane bereits eine Überarbeitung der veralteten Haltungsrichtlinien von 1995. PETA fordert, die Falknerei und die damit verbundene Anbindehaltung vollständig zu untersagen.

Gefangenschaft von Greifvögeln und Eulen sei Tierquälerei

Flugshows erweckten zwar den Anschein, dass die Vögel freiwillig zu den Falknern und Falknerinnen zurückkommen. Doch diese vermeintliche Nähe sei vom Menschen erzwungen: Meist würden die Vögel bereits als Jungtiere auf den Menschen fehlgeprägt und unter Nahrungsentzug abgerichtet. Dadurch würden sie abhängig und gefügig gemacht, sodass sie immer wieder zum Falkner zurückkehren. Teilweise würden die Wildtiere auch als „Attraktion“ ausgebeutet, können vom Publikum für Selfies auf dem Arm gehalten oder sogar gestreichelt werden. Für die Wildvögel sei dieser unfreiwillige Kontakt zum Menschen mit enormem Stress verbunden. Bei Eulen, die meist nacht- oder dämmerungsaktiv sind, komme hinzu, dass die Tiere entgegen ihrem natürlichen Aktivitätsrhythmus oftmals tagsüber vorgeführt werden. PETA dazu: „In Ketten gelegte oder in Volieren eingesperrte Vögel spiegeln kein realistisches Bild der Tierwelt wider. Zoobesucherinnen und Zoobesucher lernen nichts über die Bedürfnisse der Tiere. Heimische Wildvögel lassen sich auch in freier Natur beobachten.“ (red)

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