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ROTH

„Wir wollen uns messen“

DSPO tria Dreitz Roth 2020
Wo sonst Tausende Zuschauer die Athleten feiern, auf dem Rohter Festplatz, stand Andreas Dreitz alleine vor dem Zielbogen mit der Finisher-Medaille 2020 um den Hals.

Triathlon

Am vergangenen Sonntag hätte Andreas Dreitz gerne seinen Titel bei der Challenge Roth gegen die angemeldete Weltelite verteidigt. Doch der Triathlon über die Ironman-Distanz fiel der Corona-Krise zum Opfer.

Der 31-jährige Profi vom Team Erdinger-alkoholfrei ließ sich von einem abgesagten Rennen aber nicht entmutigen und stellte sich – bereits in der vergangenen Woche – seiner eigenen Herausforderung. „Wir sind Wettkampftypen und wollen uns messen. Natürlich am liebsten in Roth gegen die Besten der Welt. Dort hätte es ein Riesentriathlonfest geben sollen. Jetzt müssen wir umdenken“, sagte Dreitz in einem Beitrag des Bayerischen Fernsehens, das den Michelauer Profi bei seinem „Privatrennen“ begleitet hatte. Dreitz stellte sich zusammen mit seinem Trainer Rainer Skutschik seine individuelle Distanz zusammen.

Vom Fichtelsee nach Roth

Den Schwimmpart absolvierte er im kalten Fichtelsee in Nordostoberfranken. Dreitz beließ es aber bei zirka 1,5 Kilometer. Sonst schwimmen die Athleten in Roth 3,8 Kilometer im Main-Donau-Kanal. „Er setzt sich Ziele“, sagte Trainer Skutschig zur persönlichen Challenge. „Das braucht Andi für den Kopf.“ Direkt am Ufer stieg er aus seinem Neoprenanzug auf seine Rennmaschine und fuhr über Bayreuth ins mittelfränkische Roth. Rund 160 Kilometer, diesmal allerdings nicht auf abgesperrter Strecke, sondern im fließenden Verkehr. Seine teure Rennmaschine stellte Dreitz bei Freunden unter, bei denen er sonst die Tage während der Challenge in Roth weilt.

Über Teile der Marathonstrecke absolvierte der 31-Jährige schließlich noch einen Trainingslauf über knapp zehn Kilometer. Auf dem Rother Festplatz, auf dem das ganz Jahr der Zielbogen steht, empfing ihn Challenge-Geschäftsführer Felix Walchshöfer mit einer Finisher-Medaille und einem Mega-Bierglas für die entsprechende Dusche. „Das war eine Super-Idee von ihm. Auch dass er uns Bescheid gab und wir ihn ein kleines bisschen feiern durften“, sagte Walchhöfer, überreichte dem Oberfranken corona-gerecht mit Mund-Nasen-Schutz die Medaille und eine Trophäe.

Am Wochenende selbst fuhren etliche verhinderte Triathlon-Wettkämpfer den Solarer Berg, den Zuschauer-Hotspot, hinauf. Die Anwohner hatten ein Banner mit der Aufschrift „Wir vermissen Euch“ über die Straße gespannt und feuerten die wenigen Radler an, die die 90-Kilometer-Runde zweimal unter die Pedale nahmen.

Am Samstag rührten die Veranstalter die Werbetrommel für den 4. Juli 2021. Mittendrin auch Andreas Dreitz. „Es ging um das Gefühl, dort zu sein. Auch für mich, bei meiner eigenen Challenge“, sagte der Sieger von 2020.

Seine Situation bezeichnet er „nicht gerade als Traum“. „Mir fehlen die Wettkämpfe und die Ziele. Man weiß nicht, wofür man trainiert. Sonst freue ich mich schon Wochen vorher auf einen Wettkampf, bereite mich akribisch darauf vor, mache mir Gedanken über die Strecke. Doch derzeit hat man keinen Anhaltspunkt. Die Planung ist schwierig“, beschreibt Dreitz sein derzeitiges Athletenleben.

Dazu kommt, dass den Profis auch die Einnahmen in Form von Prämien fehlen. „Wir werden natürlich leistungsmäßig bezahlt“, sagt der Oberfranke, der derzeit aber noch in der glücklichen Lage ist, „dass mir meine Sponsoren die Stange halten“. Wie lange die aber in Corona-Zeiten den Sport unterstützen können, wisse auch er nicht. „Wir Triathleten hoffen auf den Herbst, dass dann wieder Wettkämpfe stattfinden können.“

Wann sich der 31-Jährige für die Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifizieren kann, weiß keiner. Der für den 10. Oktober geplante Ironman ist auf den 6. Februar 2021 verschoben, ein Qualifikationsmodus offen. (us)

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Raus aus dem kalten Fichtelsee, wo Dreitz seine persönliche Herausforderung begann Fotos: pr

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