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LICHTENFELS

Eine Größe in Bayern

FCL 1950
Die Pokalsieger 1950 (stehend von links): Ziegler, Horn, R. Mohnkorn, Werthmann, Spieß, Dütsch; (dahinter): W. Werthmann, Schicker, Erhardt, Göpfert; (dahinter) Fritz Schuhmann, Rübensaal, Lindner, Böttner; (kniend, v. l.): Franz Schuhmann, Hösch und Preller.Fotos: FC Lichtenfels

Bayerischer Pokalsieger 1950, Nordbayerischer Amateurmeister 1960: Die Fußballer des FC Lichtenfels waren in der Nachkriegszeit eine große Nummer und über die Grenzen Oberfrankens bekannt. In diesem Jahr jähren sich die beiden größten Erfolge zum 70. bzw. 60. Mal. Einer, der beim Titelgewinn 1960 dabei war, ist Paul Doppel.

„Es war eine schöne und erfolgreiche Zeit. Wir waren stolz und zufrieden auf das, was wir erreicht haben“, sagt Doppel, der als junger Spieler in eine gestandene Mannschaft kam. „Ich hatte Glück, dass die erfahrenen Spieler es einem einfach gemacht haben.“ Spieler wie Hans-Karl Brütting, heutiger Kegel-Chef des SKC Staffelstein, und Franz Schuhmann hätten die Mannschaft geprägt und aufrückende Talente wie Doppel und Kurt Pfeiffer davon profitiert. Von einer Verpflichtung profitierte der FCL in besonderem Maße: Vor der Saison 1959/60 übernahm der frühere jugoslawische Nationalspieler und Profi des SV Werder Bremen Celjko Caijkovski als Spielertrainer in Lichtenfels.

FCL dominiert Nordbayern

Mit den Neuzugängen Toni Voll und Siegfried Stark war der FCL den härtesten Konkurrenten des VfB Coburg und der Würzburger Kickers überlegen und holte sich die Meisterschaft in der 1. Amateur-Liga Nordbayern. Der ganz große Wurf, der Gewinn der bayerischen Amateurmeisterschaft, blieb aus. Am 16. Juni 1960 unterlag der FC Lichtenfels im Augsburger Rosenaustadion beim Endspiel gegen den TSV Schwaben Augsburg mit 3:5.

Dabei sah es für den FCL zunächst gut aus: Aus einem 0:1-Rückstand machten die Oberfranken dank dreier Treffer von Stark eine 3:1-Führung. Dann brach Lichtenfels ein. Augsburg erzielte binnen zwölf Minuten vier Treffer und sicherte sich die bayerische Amateurmeisterschaft. Der FCL musste mit der Vizemeisterschaft Vorlieb nehmen. „Augsburg war die bessere Mannschaft und hatte spätere Profis wie Georg Lechner in seinen Reihen. Aber nach einem 3:1 hätte man nicht mehr verlieren dürfen“, blickt Doppel zurück. Der heute 79-Jährige spielte damals als linker Außenläufer und war fester Bestandteil des FC Lichtenfels. Das Endspiel in der altehrwürdigen Augsburger Rosenau war aber nicht der einzige Höhepunkt der Saison. Im DFB-Pokal warf Lichtenfels die höherklassigen Gegner VfB Helmbrechts und FC 05 Schweinfurt aus dem Wettbewerb. Der FCL war der letzte verbliebene Amateurverein in ganz Süddeutschland und wurde erst vom 1.FC Nürnberg aus dem Pokal geworfen. Vor 8500 Zuschauern siegte der „Club“ mit 5:1. Der Platz des FC Lichtenfels musste gar polizeilich gesperrt werden. „Wir haben unter anderem gegen den Weltmeister von 1954 Max Morlock gespielt. Das waren ganz tolle Erlebnisse und das größte Spiel in meiner Karriere“, sagt Doppel.

Aus dem Aufstieg in die Vertragsspieler-Liga wurde aber nichts. Zwar träumte der FCL nach den Auftaktsiegen gegen den SC Geislingen (4:1) und den FV Offenburg (4:2) schon vom Aufstieg. Nach zwei Niederlagen gegen Borussia Fulda (0:4, 0:1) war der Sprung in die damals zweithöchste Spielklasse abgehakt. Mit dem verpassten Aufstieg habe in Lichtenfels aber niemand gehadert. „Der Drang, Profi zu werden, war nicht der größte. Wir hatten alle unsere Berufe und waren in Lichtenfels verwurzelt“, sagt Doppel. Aus der 1960er Mannschaft spielte später nur Siegfried Stark beim Karlsruher SC und Bayern Hof als Profi. Auch Doppel hätte in Regensburg und Freiburg sein Hobby zum Beruf machen können – entschied sich aber dagegen. Mit Mitte 20 beendete Doppel aber seine Laufbahn, um die Prioritäten auf den Beruf und die Familie zu legen. „Ich habe zu 100 Prozent alles richtig gemacht“, sagt Doppel.

Zehn Jahre bevor Doppel mit dem FCL für Furore sorgte, holten die Fußballer den ersten Titel nach Lichtenfels. In der Liga verpasste der FCL zwar mit Rang 10 in der Landesliga die Qualifikation für die neu gegründete 2. Division. Aber im Pokal trumpften die Lichtenfelser auf. Den FC Wacker Marktredwitz schlug der FCL im oberfränkischen Finale mit 4:1 und auch der VfR Würzburg musste sich in der nächsten Runde mit 0:1 geschlagen geben. Im nordbayerischen Pokalfinale traf der FCL auf den FC Röthenbach. Weil sich beide Mannschaften mit einem torlosen Unentschieden trennten, gab es ein Wiederholungsspiel. Das entschied der FCL mit 2:0 für sich und war nordbayerischer Pokalmeister. Der Triumphzug war aber noch nicht vorbei: Am 24. Juni 1950 traf der FC Lichtenfels im bayerischen Pokalfinale in Amberg auf den MTV Ingolstadt. Durch einen 1:0-Sieg holten die Lichtenfelser den Pokal an den Obermain. Nach dem Pokalsieg 1950 etablierte sich der FCL im vorderen Mittelfeld der 1. Amateur-Liga Bayern. Einen guten Ruf hatte sich Lichtenfels aber bereits zuvor erarbeitet. „Der Verein war in der Nachkriegszeit in ganz Bayern bekannt“, sagt Doppel. Und das lag auch an einer spektakulären Verpflichtung ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Torwart Hans Jakob, zwischen 1930 und 1939 38-facher Nationalspieler, stand in der Spielzeit 1946/47 im Lichtenfelser Tor. Den Wechsel habe Großhändler Georg Quinger ermöglicht. Obwohl Jakob nur ein Jahr beim FCL spielte, wirkte sich sein Engagement nachhaltig aus. „Diese Mannschaft und die Nachfolgenden, deren Kern immer erhalten blieb, dürfen wohl als der Ausgangspunkt des Rufes und Ansehens des Lichtenfelser Fußballs nach dem Zweiten Weltkrieg betrachtet werden“, heißt es in der Vereinschronik.

Nicht nur die beiden Titelgewinne jähren sich in diesem Jahr, sondern auch eine weitere außergewöhnliche Saison des FC Lichtenfels. 1970 holte der FCL unter Urgestein Richard Mohnkorn, einem der prägendsten Spieler der Vereinsgeschichte, die Vizemeisterschaft in der Bayernliga und qualifizierte sich für die deutsche Amateurmeisterschaft. In der ersten Runde schalteten die Lichtenfelser die Amateure des 1.FC Kaiserslautern aus, doch in der zweiten Runde war gegen den VfL Neckerau Endstation.

FCL 1960
Der FC Lichtenfels in der Saison 1959/60 (stehend, von links): Erster Vorstand Nützel, 2. Spielausschussvorsitzender Preller, Kratzert, Doppel, Fiedler, Schuhmann, Neckermann, Pfeifer, 1. Spielausschussvorsitzender Fleschutz; (kneend, von links) Voll, Stark, Brütting, Weigl und Caijkovski.
FCL Club
Ein Höhepunkt: das DFB-Pokalspiel gegen den 1.FC Nürnberg. Das Bild zeigt Max Morlock (rechts) im Luftkampf mit den Lichtenfelser Neckermann (weißes Trikot, links) und Doppel.

Von tobias herrling

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