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LEIPZIG

DRB muss sich neu aufstellen

Dieter-Lehrian
Dieter Lehrian Fotos: DRB

Viel Bewegung gibt es in der Corona-Krise in der Vorstandsetage des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), nachdem mit Ralf Diener und Dieter Lehrian das Handtuch warfen. Die beiden Vizepräsidenten verlassen den Vorstand des DRB und brachten nun auch ihren Unmut über die Zustände in der Führungsetage in offenen Briefen zum Ausdruck.

Während Dieter Lehrian die Funktion des Vizepräsidenten Recht im DRB-Vorstand nach eigener Aussage aufgrund unüberbrückbarer Differenzen am 29. Februar niedergelegt hatte, schied nun Ralf Diener, der die Funktion des DRB-Vizepräsidenten Bundesliga inne hatte, ebenfalls aus. Fehlender Zusammenhalt innerhalb des Präsidiums war einer der Gründe, weshalb der Saarländer das Handtuch warf. Als Vizepräsident Bundesliga ging die ehrenamtliche Tätigkeit für Ralf Diener weit über das Maß des „Normalen“ hinaus, zudem ärgerte sich der Funktionär, dass viele Beschlüsse ohne ihn getroffen wurden. Mit Florian Geiger (Bayern) nahm der DRB-Vorstand bereits einen neuen DRB-Vizepräsident für Bundesligaangelegenheiten bis zu den Neuwahlen 2021 in den Vorstand auf, sein Stellvertreter ist Jörg Jähnichen (Sachsen).

Unmut bei Landesorganisationen

Die mangelnde Transparenz der DRB-Chefetage kritisierten auch einige Landesorganisatoren, vor allem dass Entscheidungen beim Dachverband ohne die Mitsprache der Landesorganisationen getroffen wurden. DRB-Präsident Manfred Werner antwortete auf ein Schreiben des Zweckverbandes Ringen in Mitteldeutschland mit einer umfassenden Darstellung der aktuellen Lage. Doch vor allem die Rücktritte der beiden Vizepräsidenten, aber auch das Ungleichgewicht des DRB-Vorstandes mit gleich drei Vertretern aus Bayern– während der Norden und Osten gar nicht vertreten ist – warfen weiterhin Fragen auf. So forderte der Präsident des Landesverbandes Nordrheinwestfalen, Jens-Peter Nettekoven, in einem offenen Brief vorgezogene Neuwahlen.

Nettekoven hatte vor einigen Wochen seinen Hut als Präsidentschaftskandidat für die Neuwahlen des Deutschen Ringer- Bund 2021 in den Ring-, beziehungsweise auf die Ringermatte geworfen. Der Landtagsabgeordnete will die Zügel aus den Händen von Manfred Werner übernehmen, der den DRB 15 Jahre lang führte. Zahlreiche Reformen setzte Nettekoven in den vergangenen Jahren als Präsident der Landesorganisation Nordrheinwestfalen um, was den Ringern in der Region einen ordentlichen Schub verlieh. Den Reformkurs will er nun auch beim DRB umsetzen.

Veränderungen will aber auch eine junge Mannschaft um den DRB-Arzt Klaus Johann, die mit dem Slogan „DRB goes Future“ ebenfalls die DRB-Wahlen 2021 in den Fokus rückt. So gab Klaus Johann seine Kandidatur für das Präsidentenamt bekannt.

Frische Ideen sind gefordert

Trotz Corona-Pandemie ist viel Bewegung beim Deutschen Ringer-Bund zu spüren. Nachdem Reformer Nenad Lalovic (SRB) als Präsident des Weltverbandes United World Wrestling 2013 antrat und dem Ringen als einer der ältesten Sportarten der Welt mit seiner Riege neuen, modernen Anstrich verlieh, regt sich nun auch bei den deutschen Ringern der Wunsch nach Veränderungen.

Frische Ideen sind gefragt, um den Ringkampfsport aus der Nische der Randsportarten herauszuholen, in die man sich zuletzt durch Klagen, Gerichtsprozesse und Streitigkeiten selbst hinein manövrierte. Ärger, der die sportlichen Erfolge der Aushängeschilder Frank Stäbler, Denis Kudla und Aline Focken sowie Eduard Popp und Anna Schell überschattete, die sich bereits für die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert hatten.

Sportliche Erfolge, die sich das „alte“ Präsidium zweifelsfrei auf die Fahnen schreiben kann, doch mit Jens-Peter Nettekoven und Klaus Johann gehen zwei Kandidaten mit dem Ziel ins Rennen um das Präsidentenamt, die deutsche Ringerfamilie zu vereinen und zu reformieren. (jr)

Diener-Rothmer
Ralf Diener

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