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LICHTENFELS

Tim Müller als Hoffnungsträger zurück

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2019 überzeugte Tim Müller (oben) im Trikot des ASV Mainz in der Bundesliga und bei deutschen Einzelmeisterschaften 2015 und 2017. Foto: Marion Stein

Ringen

Die Deutsche Ringerliga (DRL) hat angekündigt, ihren Ligabetrieb 2020 pausieren zu lassen. Unter dem Schirm des Deutschen Ringerbundes (DRB) denken die ersten Landesverbände über ein Aussetzen der Saison nach. Nordrhein-Westfalen kündigte bereits an, den Betrieb auf Landesebene erst 2021 wieder aufzunehmen. So ist es gegenwärtig alles andere als sicher, ob der AC Lichtenfels ab Oktober wie geplant in seine achte Bundesligasaison starten kann.

2012 als Riesentalent zum ACL

Wenn die Bundesliga denn beginnt, trägt ein Ringer das ACL-Trikot, das er bereits 2012 übergestreift hatte – Tim Müller. Damals als 20-jähriges Talent an den Obermain gekommen, stand Müller 30-mal für den ACL auf der Matte – und das überwiegend siegreich. Im Laufe der zwei Jahre in Lichtenfels machte sich Müller einen Namen am Obermain. Mehr als zwei Drittel seiner Kämpfe gewann er, ehe er Lichtenfels zur Saison 2014 Richtung Ispringen verließ. Dort kämpfte er sich mit dem KSV, sowie später auch mit dem ASV Mainz, ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Als einen einzelsportlichen Meilenstein bewertet Müller den Gewinn der deutschen Meisterschaft 2017, als er „nach einer längeren Pause und vielen, vielen Hürden“ erneut deutscher Meister der Männer wurde.

Das Ringen wurde Müller förmlich in die Wiege gelegt. Sein Vater stand schon vor seiner Geburt auf der Matte. Cousin Dieter Schwind, seines Zeichens Europa- und Weltmeister, war für den Heranwachsenden ein als sportliches Vorbild, während er seine ersten Erfahrungen als Ringer sammelte. Damals stand der gebürtige Aschaffenburger noch für Hösbach auf der Matte und entwickelte sich dort zu einem aussichtsreichen Talent, auf das auch der AC Lichtenfels aufmerksam wurde. Vom ersten Kontakt zum Wechsel sollte aber noch einige Zeit verstreichen. Ausschlaggebend war schließlich Simon Pilzweger, „der mich ein bisschen dahin geführt hat“, erinnert sich Müller an die Entscheidung, nach Lichtenfels zu wechseln. Zwei erfolgreiche Jahre später war für den mittlerweile 22-jährigen Müller klar, dass er das Gewicht bis 66 Kilo keine weitere Saison bringen kann. Ein Wechsel in die 74-Kilo-Klasse war unvermeidbar. In dieser war allerdings Simon Pilzweger beheimatet. Müller, der für den Freund keine Konkurrenz darstellen wollte, entschloss sich deshalb, das Angebot des KSV Ispringen anzunehmen.

Der Kontakt nach Lichtenfels ist, allein aufgrund seines Schwagers Tobias Schütz, nie ganz abgerissen. Nach dem Bundesliga-Aufstieg des ACL 2018 habe er schon mit einem Wechsel geliebäugelt, räumt Müller ein. Wirklich konkret wurde das Comeback dann im Dezember, mit einem Anruf von ACL-Mannschaftsführer Heiko Scherer. „Da wusste ich, wenn ich wieder ringen darf, dann Lichtenfels.“ Angebote gab es auch von anderen Klubs.

Dopingsperre verbüßt

Die Ungewissheit, die dieses Szenario damals noch bedrohte, war eine Dopingsperre Müllers. Im Dezember 2018 wurde der Ringer nach einem Kampf für Mainz positiv getestet und im April 2019 von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) suspendiert worden. Dem Vernehmen nach hatte es sich um Suchtmittel und nicht um leistungssteigernde Mittel gehandelt, die Müller eingenommen haben soll.

Als „private Probleme“ bezeichnet der inzwischen 28-jährige Aschaffenburger diese Zeit in seinem Leben. Die Sperre läuft demnächst ab. Nachdem er sein Privatleben neu sortiert und in Lichtenfels eine neue sportliche Herausforderung gefunden hat, bot sich der Wechsel in vielerlei Hinsicht an.

„Timmy ist bei uns nicht nur ein alter Bekannter, es kommt ein Freund und absoluter Publikumsliebling“, freuen sich die Mannschaftsbetreuer des ACL, Heiko Scherer und Daniel Luptowicz. „Wir wollen ihm die Möglichkeit geben, von vorne anzufangen. Hier kennt er das Umfeld und wird von allen herzlich empfangen.“

Was er an Lichtenfels hat, weiß Müller. „Mit Lichtenfels war jeder Kampf ein sportliches Highlight. Es war immer Gänsehaut pur, wenn ich für Lichtenfels auf die Matte ging.“ Da sich die Mannschaft „wahnsinnig verstärkt“ hat, hält er 2020 einen Platz im oberen Mittelfeld für realistisch. Wichtiger noch sieht er aber das langfristige Ziel „erst mal so richtig in der Bundesliga anzukommen“. Persönlich wolle er jeden Kampf zu gewinnen. Dafür trainiert er sechsmal pro Woche.

Müller soll sich beim ACL mit mit Neuzugang Marcel Berger und Johannes Lurz, der vor allem in der zweiten Saisonhälfte antreten wird, die Klassen 75 und 80 Kilo teilen. (dam)

AC Lichtenfels - FC Erzgebirge Aue
Im Oktober 2013 ließ sich Tim Müller von den ACL-Fans feiern, nachdem er Steve Brylla vom FC Erzgebirge Aue innerhalb von 40 Sekunden besiegt hatte. Foto: Archiv/Uwe Gick

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