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FORCHHEIM

Gemeinsam vor den Bildschirm, um Sport zu treiben

Payrleitner 2
Harry Payrleitner

Die Tennis-Saison 2020 beginnt statt im Mai frühestens im Juni. Auch der übrige Vereinssport ruht aufgrund des Coronavirus bis auf Weiteres. Inzwischen wurden zudem die Sporthallen und Trainingsplätze geschlossen. Eine Ausgehbeschränkung untersagt das Treffen in Gruppen. „Ich jage normalerweise immer irgendeinem Ball hinterher“, sagt der Forchheimer Tennislehrer Harry Payrleitner. Weil der 44-Jährige seine Füße nicht stillhalten kann und die sozialen Kontakte vermisst, hat der Österreicher spontan eine – im wahrsten Sinne des Wortes – Bewegung ins Leben gerufen. Payrleitners Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen gleichzeitig von zu Hause aus Sport machen. Für die besondere Note sorgen er und Comedian Rolf Miller.

Was hat es mit „www.weiter-bewegen.de“ auf sich?

Harry Payrleitner: Mir fehlt schon jetzt nach wenigen Tagen des Katastrophenfalls und der Ausgangssperre der Sport mit anderen. Mit unserem Projekt will ich Leute ansprechen, denen es an Motivation mangelt, sich zu Hause zu betätigen. Leute, die eine Gruppe oder einen Ansager brauchen, um Sport zu machen.

Was unterscheidet Ihr Konzept von bestehenden?

Zum einen ist es komplett kostenlos. Dafür suche ich noch weitere Übungsleiter, die sich bereiterklären, einen Kurs zu übernehmen. Bisher sind wir zu sechst. Seit meinem Facebook-Aufruf am Sonntag haben sich schon weitere bei mir gemeldet. Zum anderen sind alle Teilnehmer live dabei.

Um welche Art von Kurse handelt es sich?

Von Aerobic bis Zumba ist alles denkbar, was man im eigenen Wohnzimmer machen kann. Wir sind für alles offen. Ziel ist, irgendwann mehre Kurse am Tag anbieten zu können, damit sich jeder zur geeigneten Uhrzeit etwas Passendes raussuchen kann. Auch Angebote speziell für Kinder sind wünschenswert. Es muss nicht mal etwas mit Sport zu tun haben. Vielen Familien wäre im Moment schon geholfen, wenn jemand eine Stunde lang ein Märchen vorliest.

Wie können die Leute mitmachen?

Wir arbeiten mit einer App namens Zoom, die für Konferenzen genutzt wird. Auf unserer Homepage gibt es die Anleitung, wie man sich einwählt. Los geht es am Dienstag um 18 Uhr mit einem Ganzkörpertraining von Caro: stabilisieren, kräftigen und dehnen. Der Link dafür geht im Laufe des Tages online.

Geht das Ganze nur live?

Der Sinn dahinter ist, dass wir Coaches die Teilnehmer motivieren und teilweise sogar bespaßen. Es soll eine lockere Atmosphäre herrschen, in der auch mal ein lustiger Spruch möglich ist. Hinterher kann man sich gerne noch über eine Übung austauschen oder einfach nur unterhalten. Ich kann mir zwar auch vorstellen, dass wir die Kurse speichern und in einer Mediathek zur Verfügung stellen, aber live wird es definitiv cooler sein.

In Ihrem Coaching-Team taucht der Name Rolf Miller auf. Was kann ein Kabarettist aus dem Odenwald beitragen?

Er wohnt seit ein paar Jahren in Forchheim. Er ist auch sehr sportbegeistert. Ich habe ihm von der Idee erzählt und er wollte einfach dabei sein. Möglich ist, dass er am Ende eines Kurses ein bisschen aus seinem Programm vorträgt oder einfach mit Humor ein paar Standardübungen vorturnt. Unser Konzept ist ziemlich offen. Ich bin gespannt, wie es am Dienstag anläuft.

Das Gespräch führte Daniel Ruppert

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