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ROTH

Dreitz krönt sich zum König von Roth

DATEV Challenge Roth 2019
Sein Plan ging auf – Andreas Dreitz, im Vorjahr Zweiter, hier zu Beginn des Marathons, gewinnt als erster Franke den Triathlon in Roth. Foto: Wolfgang Zink

Triathlon

Ein fränkischer Gänsehautmoment – Andreas Dreitz hat seinen „Heimtriathlon“ in Roth gewonnen. Der 30-jährige Profi aus Michelau (Lkr. Lichtenfels) zeigte am Sonntag gegen einen Großteil der Weltelite eine Glanzleistung und sicherte sich den ersten ganz großen Sieg seiner fünfjährigen Profi-Karriere. Damit ist Dreitz der erste Franke, der in Roth den Dreikampf über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einen Marathonlauf (42,195 km) gewann.

Dreitz kam bei nahezu optimalen Bedingungen unter acht Stunden (7:59:02) ins Ziel und verwies den Schweden Jesper Svensson, der nach dem Schwimmen klar geführt hatte, mit 3:12 Minuten Abstand auf Rang 2. Den dritten Platz sicherte sich zwei weitere Minuten dahinter der Australier Cameron Wurf vor dem favorisierten Belgier und Hawaii-Zweiten 2018 Bart Aernouts.

„Ich glaube jetzt habe

ich mir den Urlaub und

ein Schäuferla verdient.“

Andreas Dreitz, Challenge-Roth-Sieger 2019

Um 14.50 Uhr wurde für den Franken die deutsche Nationalhymne gespielt. Ohne große äußerlich sichtbare Regung folgte er dieser Zeremonie. Doch innerlich genoss der bescheidene Michelauer die Szene, um dann mit dem Zweit- und Drittplatzierten die Champagner-Flaschen zu öffnen. Schnellster dabei war der Ex-Radprofi Wurf, der dem Michelauer die erste Sektdusche verabreichte.

Werbung in eigener Sache

Mit diesem Sieg machte der Profi vom Team Erdinger-alkoholfrei Werbung in eigener Sache. Über Stunden war er live im Fernsehen und weltweit im Livestream zu sehen. Und am Ende stand der Oberfranke noch ganz oben auf dem Siegertreppchen bei der Challenge in Roth, dem Mekka im Triathlon mit rund 260 000 Zuschauern an der Strecke. Beim Siegerinterview am Mikrofon von BR-Reporter Markus Othmer sagte ein vor Erschöpfung am Boden sitzender Dreitz: „Ich kann?s noch gar nicht fassen, was gerade passiert ist. Ich bin durch so viele Höhen und Tiefen gegangen. Die letzten Meter waren unheimlich hart, aber die Zuschauer haben mich gepusht.“

Dabei begann der Tag für die Profis mit der Botschaft, dass sie aufgrund des zu warmen Wassers im Main-Donau-Kanal ohne Neopren-Anzug schwimmen mussten. Die Amateure durften den mehr Auftrieb verleihenden Anzug tragen.

Drei Minuten Rückstand

Nach dem Startschuss um 6.30 Uhr verlor Dreitz zunächst den Anschluss an die Spitze. Der Schwede Jesper Svensson hatte nach 1,9 Kilometern bereits 30 Sekunden Vorsprung auf die ersten Verfolger, Dreitz lag da schon knapp zwei Minuten zurück. Der Michelauer kam mit Andreas Böcherer nach etwas mehr als drei Minuten aus dem Wasser, war aber am Ende froh, dass er die zwischenzeitlich große Lücke zur Spitze wieder etwas zugeschwommen hatte. Gar mit acht Minuten Abstand stieg Bart Aernouts aus dem Kanal.

Auf nasser Straße ging es auf die 180 Kilometer auf dem Rad – die Stärke des Oberfranken. Hinter Svensson fuhren zunächst mit zwei Minuten Abstand der Schotte David McNamee, der Amerikaner Andy Potts und der Neuseeländer Braden Currie. Die hatte Dreitz aber schnell eingeholt und setzte sich auf Rang 2. Bei Kilometer 50 war Svensson in Sicht. Nach weiteren zwölf Kilometern schnappte sich Dreitz, der erstmals auf seiner Rennmaschine nur mit einem Kettenblatt antrat, den Schweden und zog mit Böcherer in Front. Svensson hielt noch bis Kilometer 105 mit, ehe er das Andi-Trio Dreitz, Böcherer und Potts ziehen lassen musste.

Von hinten machte der starke Marathon-Läufer Aernouts Tempo und auch der Ex-Radprofi Cameron Wurf, der eine Rekordzeit über die Radstrecke angekündigt hatte, kam bis auf 3:43 Minuten heran. Dreitz fuhr währendessen ruhig seinen Stiefel herunter, stilistisch hervorragend auf dem Rad, während seine beiden Begleiter unruhig mit dem Kopf beziehungsweise mit dem Oberkörper wackelnd in die Pedale traten.

Auf der zweiten 90-Kilometer-Runde fuhr Dreitz als Führender den Solarer Berg hinauf. „Das war eines meiner Ziele“, sagte er hinterher, „ein Riesenhighlight. Das sind Momente, wofür man als Sportler lebt“, beschrieb er seine Gefühle bei der Fahrt durch das Spalier der tobenden Fans. Da inzwischen auch die Amateure auf der Strecke waren, gestaltete sich das Überholen durch die Menge als sehr schwierig. So steckte etwa Potts am Solarer Berg im Verkehr und musste den Rückstand auf 1:41 Minuten anwachsen lassen.

Zwischenzeitlich gingen Böcherer und Potts in Führung, doch nach der letzten Verpflegungsstelle attackierte der Michelauer, obwohl er bis dahin bereits einen Schnitt von 42 Kilometern pro Stunde aufwies. Potts musste abreißen lassen. Selbst Verfolger Wurf verlor eine Minute auf das deutsche Andi-Duo, das gemeinsam zum zweiten Wechsel kam.

Zwei unterschiedliche Socken

Hier sah man, dass Dreitz nichts dem Zufall überlässt. Um die fußgerecht geschnittenen Socken nicht zu verwechseln, zog er sich rechts einen weißen und links einen schwarzen Socken an. Potts schnürte mit dreieinhalb Minuten Rückstand seine Laufschuhe. Weitere zwei Minuten dahinter gingen Wurf und Svensson auf die Marathon-Strecke, die über viele Kilometer eintönig am Main-Donau-Kanal entlangführte. Der Roth-Sieger 2017, Aernouts, hatte über neun Minuten Rückstand, gilt aber als starker Läufer.

Böcherer und Dreitz, beide mit einer Marathon-Zeit von rund 2:50 Stunden gleich eingeschätzt, drückten sofort aufs Tempo. Als Böcherer kurz im Gebüsch austreten musste, ging der Oberfranke in Führung, die er bis zum Ziel nicht mehr abgab. Nach acht Kilometern betrug sein Vorsprung eineinhalb Minuten auf den 36-jährigen Freiburger.

Zeitweise machte ein strammer Gegenwind den Läufern zu schaffen. Böcherer, der sich im Höhentrainingslager in St. Moritz vorbereitet hatte, brach zur Hälfte des Marathons ein und musste Svensson und Wurf passieren lassen. Vorne spulte Dreitz mit seinem kräftigen Schritt Kilometer um Kilometer ab, ohne den mit kurzen Schritten, aber mit hoher Frequenz laufenden Schweden herankommen zu lassen. Nach 25 Kilometern hatte selbst der im Marathon gefürchtete Aernouts nur sechs Sekunden auf Dreitz aufgeholt.

Experte Lothar Leder, mehrfacher Sieger in Roth und Hawaii, beschrieb diese Phase so: „Andi bekam bei 25 Kilometern den Euphorieschub und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.“ Und so war es auch. Dreitz ließ Svensson auf den letzten 15 Kilometern nicht mehr als auf drei Minuten herankommen und kontrollierte das Rennen von vorne. Böcherer, der immer weiter zurückfiel, kam Dreitz auf der letzten Schleife von Roth nach Büchenbach und zurück ins Ziel entgegen und zeigte Sportsgeist.

Große Geste von Böcherer

Der Freiburger blieb fast stehen und zog den Hut vor dem Michelauer. Der lief danach das Rennen nach Hause, auch wenn er hinterher gestand: „Der Anstieg nach Büchenbach und ich werden keine Freunde mehr.“

Einige 100 Meter vor dem Zieleinlauf in Roth zog Dreitz – ganz der Profi – sein Trikot zu, um seine Sponsoren auch kameragerecht zu präsentieren, und lief strahlend über den roten Teppich ins Ziel ein. Dort erwartete ihn schon seine Freundin Isabel Gillain. „Andi hat sich den Sieg so sehr gewünscht. Ich habe bis zum Schluss gehofft, dass es alles klappt“, sagte die Hobby-Triathletin, die Dreitz beim Schwimmtraining in Bayreuth kennengelernt hatte. In Roth versorgte sie mit Trainer Rainer Skutschik und weiteren Helfern den späteren Sieger an den Verpflegungsstationen mit den vorbereiteten Energie-Gels und Getränken.

Nun geht es für Dreitz und seine Freundin in den Urlaub nach Norwegen. Beim Reiseziel hatte sich Isabel durchgesetzt. Der Michelauer freut sich neben dem Urlaub erst einmal auf ein fränkisches Schäuferla. Nach einer Pause wird sich der 30-Jährige auf die 70.3-Weltmeisterschaft am 7. September in Nizza vorbereiten. Danach steht noch der Höhepunkt am 12. Oktober in Hawaii bevor, wo Dreitz im Vorjahr Platz 13 belegte. Nach dem Sieg gestern dürfte er dort nicht mehr als Außenseiter gelten.

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