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LICHTENFELS

AC Lichtenfels: 22 Ringer gehen die Herausforderung an

Der Schweiß floss in Strömen bei den Trainingsduellen. Hier versucht Rückkehrer Tobias Schütz (links), bei seinem Teamkollegen Rumen Savchev einen Griff anzubringen. Fotos: Gunther Czepera

Ringen

Draußen brennt die Sonne auf den Lichtenfelser Festplatz mit der Stadthalle und auf den Rasen des Karl-Fleschutz-Stadion. Dazwischen liegt – fast etwas unscheinbar – die AC-Halle. Es ist Samstagnachmittag, 16 Uhr, die Hitze ist erbarmungslos. Kein Erbarmen kennt auch Venelin Venkov. Der Cheftrainer des AC Lichtenfels bittet seine Ringer vom Bundesliga-Aufsteiger an diesem Tag auf die Matte. Und nicht nur rund 20 Ringer sind gekommen, auch knapp 100 Ringerinteressierte zogen es vor, statt Schwimmbad oder Biergarten in die kleine Halle des AC Lichtenfels zu gehen. Die meisten sind eingefleischte Ringerfans, die ab dem 28. September mit dem ersten Heimkampf gegen den Mitaufsteiger Schorndorf die AC-Halle wieder in einen Hexenkessel verwandeln. Bei den Heimkämpfen werden, auch wenn draußen Schnee liegt, die Temperaturen in der Halle ähnlich hoch sein wie am vergangenen Samstag.

Schon nach wenigen Runden des Warmlaufens rinnt der Schweiß den Athleten herunter. Danach schlagen die gestählten Körper der ACler auf die Matte. Eine Stunde nimmt Venkov seine Mannen heran. „Nun kommen die entscheidenden Wochen der Vorbereitung“, sagt er. „Wir“, und damit meint er sich und seinen Kompagnon Ali Hadidi, der die Freistilringer unter seinen Fittichen hat, „schrauben nun die Intensität nach oben“.

Doch alle Ringer sind hochmotiviert, wollen nach fünf Jahren Abstinenz aus der Bundesliga das Abenteuer 1. Liga erfolgreich bestehen. Daran werkeln die Verantwortlichen um die ACL-Vorsitzende Britta Beier und deren Stellvertreter Stefan Mehl und Ralf Hirle seit Monaten. Vor allem an der Sponsorenfront, um den Etat „im unteren sechsstelligen Bereich“, wie es Hirle ausdrückt, auf die Beine zu stellen. „Wir haben unsere Werbestruktur neu aufgestellt“, sagt Hirle, „und sind bei den Sponsoren auf offene Ohren gestoßen.“ Für den sportlichen Bereich zeichnen neben den Trainern die sportlichen Leiter Daniel Luptowicz und Heiko Scherer verantwortlich. „Wir hoffen, dass wir mit dem Kader mithalten können, auch wenn alle anderen Klubs sehr stark aufgerüstet haben“, weiß Scherer.

Klassifikationssystem

Luptowicz stellte nach der einstündigen Trainingseinheit alle 22 einsatzfähigen Ringer, darunter acht Neuzugänge, vor und erklärte auch das System der Klassifikationspunkte, die jeder einzelne Athlet besitzt. Auf 27 Zähler dürfen die zehn Ringer, die pro Kampftag eingesetzt werden, in der Summe kommen. Eigengewächse, die bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres drei Jahre im Verein aktiv waren, kommen mit zwei Minuspunkten in die Wertung. Ein Ausländer, der in den letzten fünf Jahren eine internationale Medaille bei WM, EM oder Olympischen Spielen gewonnen hat, bringt acht Punkte ein. Dazwischen wird zwischen Deutschen und Ausländern mit und ohne nationale oder internationale Erfolge unterschieden.

So bringt der Bamberger Neuzugang Darius Mayek, der vom KSV Bamberg über den AC Bavaria Forchheim zum ACL gekommen ist, nur einen Punkt ins Klassifikationssystem ein. „Der Sprung von der Landesliga in die Bundesliga ist schon groß“, erklärt der 27-Jährige, der zurzeit vier- bis fünfmal pro Woche trainiert. „Voll angreifen“, sagt der Freistilringer, der von seiner ursprünglichen Gewichtsklasse von 98 Kilo auf 86 Kilo abtrainiert hat und sich aufs Training mit Ali Hadidi freut.

Das gilt auch für Bastian Hoffmann, der vom Zweitligisten Bindlach zum ACL wechselte: „Ein neues Kapitel für mich. Aber ich traue mir 1. Liga zu, sonst wäre ich ja nicht nach Lichtenfels gekommen. Ich gehe hier in jeden Kampf, um ihn zu gewinnen.“

ACL-Kapitän Christoph Meixner, der schon einige Jahre Bundesliga-Erfahrung auf dem Buckel hat, freut sich, sieht aber vor allem die positive Entwicklung im Verein. „Wir haben wieder eine konkurrenzfähige zweite Mannschaft. Die braucht man, um nach oben zu kommen. Tobias Schütz und ich sind über die ,Zweite' nach oben gekommen. Die hatten wir in den vergangen Jahren nicht. Mit einer guten Reserve können wir auch oben mithalten.“ Einen höheren Aufwand für die 1. Liga sieht der 28-jährige in München tätige Lehrer nicht. „Das Training ist für die Bundesliga intensiver, doch viel mehr als letztes Jahr trainiere ich nicht. Vielmehr ziehe ich meinen Hut vor den Verantwortlichen des ACL. Die mussten sich völlig neu orientieren, neue Konzepte entwickeln, sich Gedanken um das Sponsoring machen. Das ist super gelungen, da bin ich echt stolz. Wir als Ringer versuchen, das ihnen auf der Matte mit vollem Einsatz zurückzuzahlen.“ (us)

Ringen
Cheftrainer Venelin Venkov (rechts) spricht mit seinem Neuzugang Bastian Hoffmann.

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