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LICHTENFELS

„Eagles“ bereit für Historisches

Ringen AC Teil 1
Ömer Halil Recep (links) ist im Rückkampf in der 57-Kilo-Klasse im griechisch-römischen Stil beim AC Lichtenfels gesetzt. In der Bundesliga ist der Türke in sechs Kämpfen unbesiegt.

Ringen

Vor den Achtelfinal-Rückkämpfen um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Ringen sind die Blicke am Samstagabend vor allem auf zwei Duelle gerichtet. Am spannendsten wird es im sächsischen Vogtland, wo der AV Germania Markneukirchen am Samstag (19.30 Uhr) nach dem 17:17 im Hinkampf vor einer Woche auf den AC Lichtenfels trifft. In Heilbronn muss der Bundesliga-West-Meister noch alles geben, um nach dem knappen 15:12-Erfolg gegen den KSC Hösbach keinen Schiffbruch zu erleiden.

Interessanterweise treffen die Sieger dieser beiden Achtelfinalkämpfe im Viertelfinale aufeinander. Sollten sich die Lichtenfels „Eagles“ in Markneukirchen durchsetzen, träfen sie wohl auf die „Red Devils“ aus Heilbronn mit dem deutschen Ausnahmeringer der letzten Jahre, Frank Stäbler, in der 75-Kilo-Greco-Klasse.

Bereits fest im Viertelfinale steht der RSV Rotation Greiz, nachdem der ASV Urloffen auf einen Start in der Runde der besten 16 verzichtet hatte. In den übrigen fünf Duellen gab es im Hinkampf jeweils klare Auswärtssiege der Favoriten aus Mainz (20:9 gegen Nürnberg), Köllerbach (27:9 gegen Witten), Adelhausen (20:9 gegen Schorndorf), Freiburg (19:8 gegen Kleinostheim) und Burghausen (18:9 gegen Nackenheim).

ACL gibt Vollgas

ACL-Vorsitzende Britta Beier versprach bereit am vergangenen Samstag: „Jetzt sind wir so weit gekommen, jetzt ziehen wir es gar durch und greifen an – Vollgas!“ Der Einzug ins Viertelfinale wäre eine „absolute Sensation“.

„Wir sind zuversichtlich, dass wir alle Ringer herbekommen, die wir wollen. Nach dem Stilartenwechsel können wir – denke ich – sogar noch etwas stärker stellen“, meint die Vorsitzende.

Auch der ACL-Vorzeigeringer Hannes Wagner geht zuversichtlich in den Rückkampf, in dem der 26-Jährige nach dem Stilartenwechsel nicht in der 86-Kilo-Klasse, sondern eine Gewichtsklasse höher antritt. „In der 98-Kilo-Klasse treffe ich wohl auf einen jungen Deutschen. Er ist Vizeeuropameister der Junioren, hat aber 98 Kilo und ist schon ein Brocken. Da muss ich ein bisschen taktischer rangehen, peile aber einen Sieg an“, sagt der gut zehn Kilo leichtere Lichtenfelser, der den Hinkampf als „absoluten Traumkampf und an Spannung nicht zu übertreffen“ bezeichnet. Während in Lichtenfels keine Zuschauer zugelassen werden, sind im Vogtland Fans dabei. Das teilt der AV auf seiner Facebook-Seite mit.

„Jetzt wird es noch einmal richtig spannend, die ganze Mannschaft ist heiß, da wird sicherlich jeder sein Bestes geben, um Vereinsgeschichte zu schreiben“, versichert der zweifache EM-Bronzegewinner und ergänzt: „Von jedem habe ich nur Positives gehört und ich hoffe, wir können diese Energie mit zum Rückkampf nehmen.“

Das Ergebnis des Hinkampfes „macht hungrig auf Erfolg“ bestätigt „Eagles“-Freistilspezialist Zsombor Gulyas, der in seinem elften Bundesligajahr endlich in den Play-offs steht. „Für mich war der Hinkampf eine echte Überraschung“, gesteht ACL-Trainer Venelin Venkov. „Alle Jungs haben alles gegeben.“ Eine Einstellung, die sein Team auch im nächsten Aufeinandertreffen haben muss. Ali Hadidi, langjähriger Coach der Lichtenfelser, gibt sich hingegen selbstbewusst: „Vergangenen Samstag haben wir vorgelegt und am Samstag werden wir es zu Ende bringen“, sagt Hadidi, der selbst als Aktiver in den Achtzigern und Neunzigern den Weg des ACL ins Oberhaus des Ringens ebnete, ehe er als Trainer mit dem ACL Play-off-Erfahrung sammelte.

„Eagles“ hoffen auf den Coup

In der Lichtenfelser Jubiläumssaison lebt die Hoffnung auf den ersten Play-off-Erfolg, zumal sich die „Eagles“ bisher als rückrundenstark erwiesen. Trotz diverser Ausfälle gelang es den Korbstädtern, die Kampfbilanz und die Punkteausbeute in der zweiten Saisonhälfte zu verbessern. Trotz aller Euphorie am Obermain gehen die Sachsen favorisiert in den Rückkampf. Lediglich gegen den späteren Gruppenersten Kleinostheim ließ der AV Punkte liegen. Mit ihrer eingeschworenen, jungen Truppe haben die Vogtländer die gleiche Ausgangslage wie der ACL, ihr Viertelfinalticket zu lösen. Die Aktiven um Eigengewächs und Greco-Schwergewicht Franz Richter, der am Wochenende drei Punkte auf das Konto Markneukirchens einzahlte, sind nicht minder entschlossen, weiter in der K.o.-Runde zu bleiben.

Neben den Zuschauerplätzen in der Halle wird auch für Daheimgebliebene die Möglichkeit bestehen, online mitzufiebern. Aus der Markneukirchner Musikhalle wird es auf Sportdeutschland.tv zum Preis von zehn Euro einen Live-Stream geben.

Viertelfinale-Modus wird diskutiert

Am Sonntag treffen sich die Verantwortlichen des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) mit den Machern der acht verbliebenen Klubs, um zu besprechen, wie die Saison zu Ende geführt werden soll, da in vielen Orten keine Zuschauer zugelassen sind und die Vereine hohe finanzielle Belastungen zu tragen haben. Im Raum steht eine Durchführung der Viertel- oder/und Halbfinalkämpfe in Turnierform.

„Dem Verband ist es sehr bewusst, dass es für die Vereine nicht einfach ist. Außerdem gibt es ja noch eine leichte Wettbewerbsverzerrung, da einige Klubs ja noch vor Zuschauern ringen dürfen, andere dagegen vor leeren Rängen. Das macht finanziell schon einen Unterschied“, sagte die ACL-Vorsitzende Beier am vergangenen Samstag. (us/dam)

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