Leipzig (dpa)

Für Hamilton bleibt Schumacher der «Größte aller Zeiten»

Er kann sie brechen, Michael Schumachers Sieg- und Titelrekorde. Aber selbst dann wird Schumacher für Lewis Hamilton bleiben, was er jetzt schon für ihn ist. Dabei reicht die Bewunderung lange zurück: Als Kind am PC wollte er schon Schumacher sein.

Rennfahrer
Michael Schumacher (l) und Lewis Hamilton 2012 beim Großen Preis von Malaysia.

Voller Bewunderung, ja fast Ehrfurcht: Michael Schumacher wird für Lewis Hamilton immer der «Größte aller Zeiten» in der Formel 1 bleiben.

Daran würde sich nicht einmal etwas ändern, wenn Hamilton auch noch den Sieg- und Titelrekord Schumachers brechen würde, bekräftigte Hamilton in einem Interview der «Bild am Sonntag» vor dem 50. Geburtstag Schumachers am 3. Januar.

Sogar deutlich mehr Poles als Schumacher (68) hat Hamilton (83) bereits. Für die 91 Grand-Prix-Erfolge fehlen ihm noch 18 zum Gleichstand, die sieben Titel kann der fünfmalige Champion rechnerisch noch bis zum Ablauf seines aktuellen Vertrags bei Mercedes in den kommenden zwei Jahren schaffen. «Ich fühle einfach nicht, dass ich versuchen muss, seine Rekorde zu brechen. Das ist nicht mein Antrieb», betonte Hamilton.

Er löste Schumacher zur Saison 2013 bei Mercedes ab. Der Rekordchampion war zum zweiten Mal zurückgetreten, diesmal aber endgültig. In den drei Comeback-Jahren für die Silberpfeile konnte Schumacher keinen Sieg mehr feiern. Hamilton gewann seit seinem Wechsel von McLaren zu Mercedes 52 Rennen.

Ihm ist dabei bewusst, dass der gebürtige Kerpener seinen Anteil an der Titel- und Erfolgsserie von Mercedes seit 2014 hat. Der Einfluss sei «ganz klar» spürbar. «Er war gemeinsam mit Leuten wie Ross und Norbert Teil, als das Fundament gelegt wurde für den Erfolg, den wir heute genießen dürfen», sagte Hamilton auch mit Blick auf den früheren Teamchef Ross Brawn und den ehemaligen Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

«Es bestreitet wohl keiner, dass Michael die Weichen für den Erfolg der vergangenen Jahre mit Mercedes gestellt hat», sagte Haug jüngst in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur. Schumacher habe auch eine Rolle gespielt, hatte der jetzige Team- und Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff beim ersten Konstrukteurstitel unter seiner Führung im Oktober 2014 im russischen Sotschi gesagt.

Als Schumacher Ende 2006 seine Karriere erstmalig beendete, war Hamilton 21 Jahre alt. In dem Jahr durfte er schon mal testen, ehe er 2007 bei McLaren zum Einsatzpiloten ernannt wurde. «Ich war noch kein Stammfahrer, und es war für mich einfach unwirklich, plötzlich mit ihm auf der Strecke zu sein», erinnerte sich Hamilton an die erste Begegnung mit Schumacher im Formel-1-Auto. «Ich habe nicht mal versucht, ihn zu überholen, ich bin einfach nur hinter ihm hergefahren, weil ich direkt davor noch als Michael Schumacher in meinem Computerspiel unterwegs war.» Denn, so erzählte Hamilton auch, er wählte als Junge beim PC-Spiel immer Schumacher als Fahrer.

Inwiefern und welchen Kontakt er zu Schumacher heute noch hat, darüber spricht Hamilton nicht. Seit seinem Skiunfall am 29. Dezember 2013 ist Michael Schumacher nicht mehr öffentlich aufgetreten oder zu sehen gewesen. Er erholt sich in seiner Schweizer Wahlheimat Gland noch immer von den Folgen des Sturzes, bei dem er sich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen hatte.

Hamilton geht aber davon aus, dass es durch Schumachers Sohn Mick zu «hundert Prozent wieder einen Schumacher in der Formel 1 geben» wird, wie er beim Rennen im Oktober im texanischen Austin sagte: «Zum einen wegen des Namens, zum anderen, weil er einen guten Job macht.» Der 19-Jährige gewann in der vergangenen Saison 21 Jahre nach seinem Vater die Formel 3 und tritt im kommenden Jahr in der Formel 2 an.