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LICHTENFELS

Zwischen Corona-Regeln und Brexit

Bald wieder Kim Diefenthals Studienort: Blick von Bangor auf die Universität. Foto: Werner Diefenthal

Kim Diefenthal hatte sich auf ihre Auslandsstudium in Wales gefreut. Das fiel ganz anders aus als erwartet. Corona stellte alles auf den Kopf. Doch jetzt geht es bald vor Ort weiter für die junge Lichtenfelserin.

„Im ersten Moment klingt ,Auslandsstudium‘ vielleicht wundervoll – man ist in einem anderen Land, lernt neue Kulturen und vor allem neue Leute kennen, kann sich weiterbilden und austesten, wie es sich so ohne Eltern lebt, die einem mit allem versorgen, das man so braucht. In anderen löst der Begriff aber vielleicht wiederum Angst aus – man ist auf sich allein gestellt, weit weg von der Familie und kann sich nicht einfach mal in den Zug oder ins Auto setzen und zurück fahren, wenn man Heimweh bekommt.

Nachdem ich ein Jahr im Ausland, genauer genommen in Wales, studiert habe, kann ich sagen, dass es bei mir definitiv eine Mischung dieser beiden Gefühle ist, wenn ich jetzt über das Studium nachdenke.

Der Grund hierfür ist, wie bei vielem anderen auch, die Pandemie. In dieser Zeit hat sich vieles verändert und dementsprechend wurde vieles auch erheblich schwieriger gemacht. Die internationalen Studenten an meiner Universität, zu denen ich natürlich auch zähle, konnten zum zweiten Semester nicht alle zurück ins Umfeld dieser.

Digitalisierung weit fortgeschritten

Die zweite Hälfte des ersten Jahres habe auch ich komplett von zuhause absolviert, weil von Deutschland einfach kaum Flüge nach Großbritannien gingen und auch die Einreisebedingungen eine Rückkehr so gut wie unmöglich machten.

Ferner waren in Wales und England sehr harte Lockdown-Bedingungen erlassen worden, die sich zum Teil als wesentlich schärfer als in Deutschland darstellten.

Skepsis oder doch eher Freude? Was erwartet Kim Diefenthal im zweiten Jahr ihres Studiums in Wales? Foto: Werner Diefenthal

Da jedoch dort die Digitalisierung erheblich weiter fortgeschritten ist, wurden alle Kurse Online angeboten. Bei diesem Online-Schooling haben wir ein Programm genutzt, das sich ,Blackboard‘ nennt. Die Deutschen nutzen vor allem ,Mebis‘ oder auch ,Zoom‘ für ihre Online-Vorlesungen, bei uns ging alles über dieses Portal. Darüber bekamen wir nicht nur die ganzen Materialien, die wir für das Modul – ergo das Fach – brauchen, sondern auch die ganzen Powerpoint-Folien und die aufgezeichneten Vorlesungen.

Die Pandemie hatte also auch Vorteile: Ich konnte mir zum Beispiel die Vorlesung zu verschiedenen Themen so oft anschauen, wie ich wollte oder bis ich sie verstanden hatte. Es gibt natürlich auch Schattenseiten des Home-Office, die jede betroffene Person kennt. Selbst wenn man arbeitet oder in einer Vorlesung sitzt, man ist zuhause, man ist also abrufbar. Sätze wie ,Könntest du nicht mal eben?‘, obwohl man gerade beschäftigt ist, kennt auch so gut wie jeder.

Umso mehr freue ich mich über die Tatsache, bald zurück nach Wales kehren zu können. Es gibt hierbei natürlich immer noch Bestimmungen und Regeln, die ich erfüllen muss, damit eine Einreise überhaupt möglich ist. Nicht nur wegen der immer noch angehenden Pandemie, sondern auch wegen dem Brexit.

Ein Visum brauche ich zwar nicht, allerdings musste ich mich letztes Jahr für den so genannten ,pre-settled status‘ bewerben. Das ist die Erklärung, dass ich dort in dem Zeitraum leben darf, in dem ich studiere – praktisch ein Visum light – ohne das mir das Leben in Wales nicht gestattet wird.

Test und eine Online-Anmeldung

Zu den weiteren Bestimmungen aufgrund von der Pandemie zählen ein Test vor und nach der Einreise sowie die Online Anmeldung zur Zurückverfolgung. Letzteres ist bei vielen Urlaubsreisen auch der Fall – man meldet sich online bei einer speziell dafür eingerichteten Seite an, mitsamt Flugnummer und Ausweisnummer, damit man das im Zweifel alles zurück verfolgen kann.

Diese Regelungen können sich allerdings jederzeit verschärfen, wenn die Inzidenz in Deutschland weiterhin steigt. Brexit hat jedoch nicht nur den Studenten das Leben schwerer gemacht, sondern auch den Briten persönlich. Die Lieferengpässe, die durch eben diesen Austritt aus der EU entstanden sind, sorgen für Lieferengpässe, die man in den Supermärkten gespürt hat und immer noch spürt. Gemeinsam mit der Pandemie und den eh schon verschärften Regeln, wer rein und wer raus darf, sorgen die Quarantänebestimmungen dafür, dass viel weniger Lieferungen in den Supermärkten ankommen.

Die teilweise leeren Regale habe auch ich erlebt – erinnert sehr stark an die Anfänge der Pandemie in Deutschland, als Nudeln, Mehl und Klopapier leer gekauft wurden. In Wales war es eben zum Beispiel der Orangensaft.

Vorfreude auf Bangor

Dennoch, oder vielleicht auch aufgrund dessen, was alles an Schwierigkeiten auf mich und die Studenten an sich zugekommen sind, freue ich mich darauf, wieder nach Bangor zurück zu kehren. Dieses Mal hoffe ich darauf, auch wirklich beide Semester dort erleben zu dürfen und vielleicht auch generell mehr von der Umgebung sehen zu können, da wegen der Pandemie vieles einfach nicht zugänglich gewesen war.“

 

Von KIM DIEFENTHAL

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