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EBENSFELD

Ziel: Die „Kellbachgrund-Trasse“ verhindern

Links hinten am Berg ist das Klinikum Kutzenberg zu sehen,rechts oben eine kleine Schneiße: Vom Standort des Autos bis zurSchneise wird die neue Staatsstraße gebaut werden, befürchten (li) OttoWeidner und Chris Böhmer von „2 statt 4“. Foto: Monika Schütz

Das Verkehrskonzept des Marktes Ebensfeld sieht nur in einer autobahnnahen Ost-Umfahrung eine optimale Anbindung der Gewerbegebiete und gleichzeitig des Kellbachgrundes sowie eine effektive Entlastung der Ortsdurchfahrt von Ebensfeld. Trotzdem lehnte der Gemeinderat im April 2021 in einer Sondersitzung zu diesem Thema die Umsetzung des Verkehrskonzeptes ab.

Gleichzeitig beschloss er mehrheitlich, weiter an der 6,5 Millionen Euro teuren Neubautrasse quer durch das Naherholungs- und Wasserschutzgebietzwischen Ebensfeld und Prächting festzuhalten. Das kritisiert die Initiatoren des Bürgerbegehrens „2 statt 4“ .

Otto Weidner (li.) und Chris Böhmer von der Initiative „2statt 4“ stehen vor der Autobahnbrücke/ Unterführung, von Prächtingkommend. Diese Unterführung soll eine zentrale Rolle bei ihrerAutobahnanbindung spielen. Foto: Monika Schütz

Die Forderungen der Initiatoren

Mt dem Bürgerbegehren, dass vor wenigen Tagen im Kernort und in den umliegenden Orte gestartet worden ist, möchte die „Initiative 2 statt 4“ die Beschlüsse rückgängig machen und fordert eine „Verkehrslösung für alle Ebensfelder Gemeindebürger“. Der Straßenausbau müsse naturverträglich sein, fordern die Initiatoren. Sie wollen eine geringere Neuversiegelung und einen geringeren Flächenverbrauch, Das würde auch geringere Kosten bedeuten, da nach ihrer Variante nur zwei statt vier Kilometer Straßenneubau notwendig mache. Sie fordern eine Lösung ohne zusätzliche Lärmbelastung für die bevorstehende Klinikerweiterung im Bezirksklinikum Kutzenberg.

Für Bürgermeister Storath gibt's keine Alternative zur geplanten Trasse

Das sagt der Ebensfelder Bürgermeister Bernhard Storath dazu: „Ein Bürgerbegehren ist grundsätzlich nicht schlecht. Hier ist schon jahrzehntelang diskutiert worden, alle möglichen Varianten sind entworfen worden und so weiter. Aus meiner Sicht gibt es keine Alternative zu der Variante ,Kellbachgrund-Anbindung'. Die geplante Trasse baut das Staatliche Bauamt, auf die Gemeinde Ebensfeld würden keine Kosten zukommen. Die Kellbachgrund-Anbindung bringt eine Entlastung im Ort und auch für die Bürger aus Prächting und Kleukheim.“ Bei einer Änderung, also wenn das Bürgerbegehren erfolgreich wäre, bliebe zumindest finanziell ein großer Teil an der Gemeinde hängen.

„Noch ist für die Alternative weder der Grunderwerb geklärt, noch die Finanzierung oder ob der Anschluss so überhaupt möglich ist“, gibt der Rathauschef zu bedenken.

Wir meinen, dass die

Zeit reif ist für eine

ökologische Verkehrswende.“

Anton Reinhardt, BN-kreisvorsitzender

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt mahnt: „Es hat sich mittlerweile herausgestellt, dass die Planungen des Staatlichen Bauamts von Anfang an auf völlig falschen Grundlagen basierten. Das hat der Bund Naturschutz seit Jahren bemängelt und sieht sich jetzt bestätigt. Allein die Tatsache, dass die Lage des neuen 142 Millionen teuren Klinikneubaus an einem schönen Platz mit Blick in die weitgehend ungestörte, harmonische Landschaft ideal für ein Klinikum geeignet ist, in welchem insbesondere Patienten mit psychischen Erkrankungen Heilung und Linderung erwarten können, müsste schon ein absolutes Ausschlusskriterium bezüglich des Zusammentreffens mit einem Staatsstraßenprojekt für die vielen Ärzte, Politiker und Bürger vor Ort sein.“

„Wir meinen, dass die Zeit reif ist für eine ökologische Verkehrswende,“ unterstreicht Reinhardt. Die Straßendichte im Landkreis Lichtenfels liege bereits 18 Prozent über dem Landesdurchschnitt! Der Bau immer neuer Straßen mit all den negativen Folgeerscheinungen sei weder nachhaltig noch zukunftsfähig. Der dargestellte Fall zeige, dass an alten Zöpfen nicht festgehalten werden könne. „Und gibt uns die Hoffnung, dass Politik und Verwaltung in der Lage sind, auf neue Gegebenheiten neue Antworten zu suchen und diese auch zu finden. Denn: Klinikbau und Straßenbau ohne Not nebeneinander realisieren zu wollen, käme einem Schildbürgerstreich gleich.“

Wegen der Pandemie gibt es keinen zentralenUnterschriftsort: Die „2 statt 4“-Helfer - hier Markus Leicht (stehend, li.) - gehen zu den Bürgern vor Ort. Auf dem Foto unterschreibt gerade FamilieBaumann. Foto: Monika Schütz

2 statt 4-Ansprechpartner Otto Weidner: „Die Kellbachgrund-Trasse entlastet Ebensfeld definitiv nicht und zerstört zudem das Kellbachtal!“ Er informiert aktuell auf der Internetseite „2 statt 4 Bürgerbegehren-Ebensfeld“ und auf Facebook über Hintergründe und Fakten „zum verschwenderischen und nicht notwendigen 6,5 Millionen Euro-Projekt.“

Enrico Scherg: Tal verliert seinen Wert als Naherholungsgebiet

Enrico Scherg (Bund Naturschutz Ortsgruppe Ebensfeld und Bürger) sagt: „Meine Familie und ich wohnen erst seit 14 Jahren in der Marktgemeinde Ebensfeld, davon acht Jahre in Ebensfeld direkt und sechs Jahre in Kleukheim. Mir hat schon immer die Landschaft im und um den Gottesgarten, den Staffelberg, den Ansberg bis zur hohen Metze sehr gut gefallen, weshalb wir dann in Kleukheim ein Haus gebaut haben, damit unsere Kinder in einer schönen Umgebung aufwachsen können.“ Mit dem Bau der Staatsstraße 2187 „neu“ von Prächting zur Autobahn-Anschlussstelle bei Kutzenberg einmal quer durchs Kelbachtal verliere dieses Tal allerdings seinen Wert als Naherholungsgebiet, für Sonntagsspaziergänge, für Familienausflüge, für den Tourismus usw. Außerdem solle in Kutzenberg in Richtung Kelbachtal eine neue Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik entstehen, deren Patienten besonderer Ruhe und Erholung bedürfen.

Es gebe auf jeden Fall bessere und wesentlich kürzere Alternativen, zum Beispiel einen autobahnnahen Zubringer von der Staatsstraße 2187 zur Anschlussstelle bei Kutzenberg zu bauen, der dann später auch als Teil einer Ortsumfahrung um Ebensfeld herum genutzt werden könne, um das zukünftige große Gewerbegebiet Ebensfeld Nord besser anzubinden und die Ortsdurchfahrt Ebensfeld zu entlasten, meint Scherg. „Wenn ich als Kleukheimer in Richtung Bamberg fahren möchte, nehme ich auf keinen Fall den Umweg über Ebensfeld, sondern fahre in Zapfendorf oder Scheßlitz auf die Autobahn. Aber als Kleukheimer würde ich durch den Bau der Straße einen Teil meiner Lebens- und Freizeitqualität einbüßen.“

Flyer des Bürgerbegehrens mit Straßenmarkierungen: gelb eingezeichnet ist duie aktuelle Staatsstraße 2187 Richtung Prächting. Schwarz (und durchgestrichen) ist die 4-Km-Alternative „Ost-Umfahrung“ zur Entlastung des Kernortes, die quer durch den Kellbachgrund und direkt unterhab des KlinikneubausKutzenberg vorbeiführen würde. Grün ist die Variante des Bürgerbegehrens, die „gelbe“ Straße auszubauen und zu begradigen. Rot ist die Variante des „2 statt 4“ Begehrens.mitAnbindungsmöglichkeit an die Autobahn A 73. Foto: red

Frist ist der 27. Juli

Ebensfeld hat knapp 6000 Einwohner (Stand: Juli 2021), davon sind knapp 4700 wahlberechtigt. Das Bürgerbegehren müsste also 500 Unterschriften sammeln, um auf der sicheren Seite zu sein. Natürlich würden alle Unterschriften geprüft. Wenn sie bis zum Stichtag vorliegen, müsse innerhalb eines Monats ein Beschluss im Gemeinderatzu diesem Bürgerbegehren gefällt werden, erklärt Bürgermeister Bernhard Storath. Das könnte sportlich werden. Auch das Bürgerbegehren „2 statt 4“ hat nicht alle Zeit der Welt. Die nächste Sitzung des Gemeinderates ist bereits am 27. Juli. Bis dahin müssen die erforderlichen zehn Prozent der wahlberechtigten Bürger unterschrieben haben.
 

Von Monika Schütz

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