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LICHTENFELS

Zehn Jahre nach Wiedereröffnung der Lichtenfelser Synagoge

Zehn Jahre nach Wiedereröffnung der Lichtenfelser Synagoge
Die Lichtenfelser Synagoge mit Anbau in der Judengasse, wie sie sich heute darstellt. Foto: red

Auf den Tag zehn Jahre ist es nun her, seit die Lichtenfelser Synagoge von Grund auf renoviert und ihrer neuen Bestimmung als Kunst-, Kultur- und Begegnungsstätte übergeben worden ist. Grund genug für das Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW), dies im Rahmen eines Vortrags von Diplom-Ingenieur Hans-Christof Haas zu feiern.

CHW-Mitglied Ulrich Sünkel, vor seinem Ruhestand langjähriger Leiter des städtischen Hochbauamtes in Lichtenfels, begrüßte die zahlreich im Stadtschloss erschienenen Gäste. Seit seiner Einstellung bei der Stadt Lichtenfels im Jahr 1983, so berichtete er, habe er sich mit dem klassizistischen Bau in der Judengasse beschäftigt. Lange Jahre sei vom Lichtenfelser Stadtrat versucht worden, das Objekt zu erwerben. Erst unter Bürgermeisterin Dr. Bianca Fischer war der Bau 2005 in das Eigentum der Stadt Lichtenfels übergegangen.

Ulrich Sünkel erinnerte sich, dass er von der Bestandsaufnahme bis zum Tag der offenen Tür immer dabei gewesen sei. Nun dürfe er für das CHW auf das große Werk zurückblicken.

Synagoge im Jahr 1797 erbaut

Zehn Jahre nach Wiedereröffnung der Lichtenfelser Synagoge
Der Spatenstich im Jahr 2010: (v. li.) Professor Dr. Dippold, Dr. Bianca Fischer, Reinhard Leutner, Ulrich Sünkel, Burkhard Kugler sowie Petra Michel und Jürgen Grimme vom Architekturbüro. Foto: red

Hans-Christof Haas ließ dann zunächst die Geschichte der Synagoge Revue passieren: Bereits 1757 erhielt die jüdische Gemeinde in Lichtenfels die Genehmigung zum Bau einer Synagoge. Diese wurde 1797 erbaut und erstmals im Jahre 1867 renoviert. Von der feierlichen Einweihung damals zitierte er einen Artikel aus dem „Lichtenfelser Tagblatt“. Im Novemberpogrom 1938 wurde der Innenraum zerstört und geschändet, das Gebäude blieb jedoch erhalten. Nach 1945 diente die Synagoge als Lager und als Versammlungsraum der neuapostolischen Kirche.

Toranische mit Schrein wieder freigelegt

Weiter ging Haas auf die 2010 erfolgte Sanierung der Stätte ein. In einer Präsentation auf einer Großleinwand schilderte er den Zustand der Immobilie vor der Sanierung, die Untersuchungen, die Planungen und schließlich die Umsetzung der Renovierung in den einzelnen Arbeitsschritten. Die Toranische als zentrales Element des Gotteshauses mit Schrein wurde freigelegt, die Eingangstür aus dem Jahr 1867 erneuert und verwendet, das 1897 eingebaute Muldengewölbe wieder hergestellt. Alte Bodenfliesen fanden ebenso wieder Verwendung. In jedem Bauabschnitt, so Haas, achtete man auf die Beibehaltung des früheren klassizistischen Baustils.

Zehn Jahre nach Wiedereröffnung der Lichtenfelser Synagoge
Hans-Christof Haas erläuterte die Baumaßnahmen bei der Sanierung der Synagoge. Foto: Heinz Fischer

Selbst in den kalten Wintermonaten ging die Arbeit zügig voran. So konnte man im Oktober 2011 die Fertigstellung der Synagoge feiern. Der höchst interessante Vortrag von Hans-Christof Haas wurde vom Auditorium mit viel Applaus belohnt.

Das Bauwerk in seiner heutigen Funktion

Ulrich Sünkel übernahm anschließend das Mikrofon und stellte das Bauwerk in seiner heutigen Funktion vor: Der Synagogenraum wurde von allen nachträglich eingebauten Bauteilen wie WC, Kamin, Holzfußboden und Stufen befreit um in seiner vollen Größe seine Wirksamkeit entfalten zu können. Das Tonnengewölbe erhielt einen hellen, braunen Farbton, der Zugang wurde über einen Anbau am Südgiebel geschaffen. Der Garagenanbau von 1951 wurde abgebrochen und durch einen funktionell gehaltenen Anbau ersetzt, der Foyer, Infotheke, Miniküche und Sanitärräume beinhaltet.

Zehn Jahre nach Wiedereröffnung der Lichtenfelser Synagoge
Auch im tiefsten Winter wurde an der Synagoge gebaut. Foto: red

Die Außenanlagen erhielten die notwendigen Zugangswege sowie einen Sitz- und Verweilbereich für Gespräche. Das Grundstück wurde nach dem historischen Vorbild mit einem Metallzaun und nicht zu hoher Bepflanzung eingefriedet, um die Sicht nicht zu versperren. Ein bei den Bauarbeiten wiederentdeckter Brunnen wurde saniert und in die Anlage integriert. Den Architekten standen Professor Günter Dippold und der inzwischen verstorbene Josef Motschmann beratend zur Seite. Ulrich Sünkel schloss seinen Vortrag mit dem Wunsch, dass man bald wieder solche Veranstaltungen in den Räumen der Synagoge in der Judengasse vornehmen könne.

Erneute Führung über den Lichtenfelser Judenfriedhof

Fragen zu diesem Projekt aus dem Publikum wurden von Hans-Christof Haas und Ulrich Sünkel umfassend erörtert und beantwortet. Sünkel wies darauf hin, dass für interessierte Bürger und Bürgerinnen nochmals eine Führung über den Lichtenfelser Judenfriedhof stattfindet, begleitet von Bezirksheimatpfleger Günter Dippold.

Zehn Jahre nach Wiedereröffnung der Lichtenfelser Synagoge
Ulrich Sünkel vom CHW begrüßt die Gäste im Stadtschloss. Foto: Heinz Fsicher

Von Heinz Fischer

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