aktualisiert:

LICHTENFELS

Wutausbruch kommt Angeklagten teuer zu stehen

Es mutete leicht absurd an, in welcher Situation ein 19-jähriger Handwerker vor Monaten seine Wut steigerte. Der Vorfall von Mitte Mai, der in einer Körperverletzung nebst Sachschaden mündete, sollte am Dienstag vor Richter Matthias Huber ausführlich besprochen werden.

Ruhig und sortiert saß der Teenager auf der Anklagebank und hatte sich zu erinnern. Wie war das doch gleich an jenem 16. Mai vor einer Lichtenfelser Wohnung und an einem Auto davor? Er wollte zu einem Trio stoßen, welches sich in der Wohnung aufhielt: eine junge Frau und zwei männliche Bekannte. Er klopfte ans Fenster und das Rollo wurde hochgezogen. Aber nur zehn Zentimeter hoch, dann habe der junge Mann zu hören bekommen, dass er die Wohnung betreten dürfe, wenn er unter dem Rollo durchzukrabbeln verstünde.

„Dann habe ich das Rollo immer weiter nach oben gedrückt“, so der Angeklagte. Der Rollo war danach einigermaßen hinüber und irgendwann kam es auch zum Vollkontakt mit denjenigen, die er zu besuchen wünschte. Dem einen jungen Mann versetzte er Faustschläge ins Gesicht, und weil ihm das nicht zu genügen schien und sich der Streit mehr und mehr zur Straße hin verlagerte, trat er auch eine gehörige Dellen in dessen Auto. Schaden in Höhe von 2000 Euro. Dann schlug er dem Fahrzeughalter erneut gegen den Kopf.

Angeklagter zeigt Reue

„Ich kann nur sagen, dass es mir leid tut, und dass es nicht wieder vorkommen wird“, so der Angeklagte sein Bedauern über den Vorfall ausdrückend. Er sollte noch hinzufügen, dass er mit dem Geschädigten in der Zwischenzeit auch schon wieder „ein Bier getrunken“ habe.

Doch worum ging es eigentlich? Eine Frage, die auch Huber interessierte. „Der Grund für mein Ausrasten hat mit meiner Ex-Freundin zu tun“, erklärte der 19-Jährige. Die Trennung zwischen ihm und ihr sei von den beiden Bekannten hämisch kommentiert worden und darum wollte er mit ihnen reden. Als dann der Rollo zwischen ihnen stand, stemmte er ihn hoch und dann folgte der Rest.

Es gab bereits einen Vorfall mit dem Beschuldigten

„Es hat schon mal einen Vorfall mit Ihnen gegeben, aber der wurde eingestellt“, rief Huber dem Mann in Erinnerung. Er signalisierte, dass er gewillt sei, zu gewissen Bedingungen, und weil der vor ihm Sitzende nicht nur fest im Leben steht, sondern auch nicht weiter vorbestraft ist, es diesmal bei einer Geldauflage bewenden zu lassen.

„Es muss dann aber auch funktionieren“, so Huber in einem Ton, der dem jungen Mann den Ernst der Lage klar zu machen suchte. Denn: „Sonst sehen wir uns wieder (…) und ein neuer Termin wäre nicht in Ihrem Interesse – das kann ich Ihnen jetzt schon versprechen.“

Teilnahme an einem Kurs zur Persönlichkeitsentwicklung

Gegen eine Zahlung von 400 Euro sollte das Verfahren eingestellt werden. Doch die Geldzahlung ist das eine und dürfte schnell erfolgen. Was langwieriger wird, ist der zweite Teil der Auflage, der in einer über ein halbes Jahr hinweg verpflichtenden Kursteilnahme zur Persönlichkeitsentwicklung besteht. Der junge Mann sicherte zu, dem allem gewissenhaft nachkommen zu wollen.

Von Markus Häggberg

Weitere Artikel