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Wort zur Besinnung: Zum 15. August - Mariä Aufnahme in den Himmel

Zum 15. August - Mariä Aufnahme in den Himmel
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Wort zur Besinnung

Schon im Mittelalter finden sich unzählige Bilder und Schnitzereien, die dieses Glaubens-Geheimnis zum Inhalt haben, auch wenn das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel erst 1950 (nach einer Umfrage in allen katholischen Diözesen der Welt) als allgemein verbindliche Glaubens-Lehre definiert wurde. In einer Zeit, in der Millionen Menschen in den KZ der Nazis, in den Gulags Sibiriens, in Kriegen und in menschenverachtenden Wirtschaftssystemen zu Tode geschunden worden waren, betont unser Fest den Wert und die Würde menschlichen Lebens „schon hier und heute“, stellte Papst Pius XII. Maria als Zeichen menschlicher Hoffnung auf göttliche Vollendung vor.

Unser Fest grenzt den christlichen Glauben gegen un-christliche Einseitigkeiten ab: Als sei der Mensch nur Körper („l?homme machine“) – als sei mit unserem Tod alles aus – als sei der „eigentliche“ Mensch nur Seele, der Körper dagegen eine Fessel – als sei der Leib zumindest unwichtig, ja Schein (der griechische Philosoph Plato wirkte hier bis ins Christentum, bis in christliche Askese, hinein).

Unser Fest nimmt dagegen den ganzen Menschen ernst: Die Seele, aber auch den Leib. Der Körper ist (so wie die menschliche Sexualität) nichts Schlechtes, der Leib prägt, charakterisiert und individualisiert uns.

Unser Fest verweist aber auch auf unsere christliche Hoffnung über den Tod hinaus: Die Ewigkeit ist keine Fort-Existenz un-persönlicher Seelen (als „anonyme Nummern“), sie umfasst die ganze Person. „Ich habe deinen Namen in meine Hand eingeschrieben“ (Jesaja 43,1) – eine Zusage über unsere Lebenstage hinaus. Nicht als das „Fortleben“ irgendwelcher Zellen, auch nicht als Leugnung des Todes (deshalb ist uns eine würdige Bestattung so wichtig), auch nicht als „Wieder-Verlebendigung eines Leichnams“, sondern als eine Ermutigung für uns alle: Als ganze Menschen, „mit Leib und Seele“, sind wir Erben des Himmels.

Von Maria sagen und glauben wir als bereits geschehen, was wir für uns alle erst erhoffen. Nicht weil sie so gut war, sondern weil Gott sie auserwählt hat (siehe Lukas, Kap. 1) – eine fast protestantische Sicht dieses auf den ersten Blick so ur-katholischen Dogmas.

Deshalb können wir als Geschöpfe Gottes und als Erlöste zugleich auch die Blumen, die Pflanzen, die Kräuter, ja die ganze Natur als Zeichen des Schönen, ja des Heils mitten in der Verderblichkeit des endlichen Lebens sehen. Wenn wir heute in den Gottesdiensten Blumen und Kräuter, Schönes und Heilendes, im Gottesdienst segnen und dann gesegnet nach Hause nehmen, dann zeigt uns dies – so wie unser Fest Mariä Himmelfahrt: Über alles irdische Verwelken, ja Sterben hinaus hat Gott schon jetzt, mitten in die endliche Zeit, Zeichen seines Heilswillens gesetzt. Maria ist uns dafür Zeugin.

Udo Zettelmaier, Pfarrer im Ruhestand, Ebensfeld

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