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Wort zur Besinnung: „Wort zur Besinnung“ von Pfarrerin Anne Salzbrenner

AnneSalzbrenner Foto: unbekannt

Wort zur Besinnung

Wie geht es Ihnen denn zu Zeit? Sind sie Corona gestresst und geplagt, weil sie zur Risikogruppe gehören, zur Schar der Kurzarbeitenden, oder Eltern von Kleinkindern, die nicht wissen, wie oft sie noch zu Hause bleiben müssen, weil das Kind krank ist, oder die Kita schließen musste.

Vielleicht gehören sie aber auch zu jenen Glücklichen, die wie ich den Mund-Nasenschutz nicht als Unfreiheit empfinden und die ihr Leben recht unbeschadet von der allgemeinen Panik verbringen, Tag für Tag, nach dem Motto: „Mal schaun, was morgen ist“.

Ich selbst gebe ehrlich zu, dass mich zur Zeit die Wahlen in der USA oder der Klimawandel mehr beunruhigen, als Covid-19, dieser gefährliche Virus, der nach wie vor Menschenleben fordert und den Menschen durchaus das Leben schwer machen kann, gegen den wir aber erst einmal nicht viel machen können, außer mit viel Fantasie einander versuchen beizustehen.

Ich glaube darin liegt gerade das Problem. Wir Menschen in Deutschland sind so sehr gewohnt, dass es uns eigentlich gut geht. Wir haben ganz vergessen, nicht alles beeinflussen zu können. Wir haben geradezu verlernt, dass im Leben manche Einschränkung manchmal einfach nötig ist und wir nur durch ein gutes Miteinander das Leben auf diesem Globus bewältigen können. Wir Menschen lieben vom Anfang der Zeit an ein gutes Maß an Regeln. An die halten wir uns, und dann klappt alles. Was nicht verboten ist, das ist dann erlaubt.

Doch wir vergessen, dass uns weder die Zehn Gebote, noch Gesetze davon entbinden selbst Verantwortung zu übernehmen, für das, was wir tun. Wir haben vergessen, dass wir es sind, die entscheiden müssen, was wir tun, was richtig und falsch ist im jeweiligen Moment.

Es nützt nichts unsere Lebenssituation einem Politiker, einem Virologen, oder gar Gott in die Schuhe zu schieben, auch wenn wir dies in unserer manchmal auch selbst erzeugten Verzweiflung letztlich zu gern tun. Wenn niemand Schuld hat, dann ist es eben doch eine Strafe Gottes. Das ist dann der Moment, wo es mich schüttelt. Gott hat uns diese Erde gegeben, er gab uns einen Verstand, Fantasie und ausreichend Möglichkeiten unser Leben immer wieder neu zu bewältigen und uns zu entwickeln. Das vergessen wir zu gerne. Entwicklung heißt dabei zu erkennen, wenn wir den Bogen überspannen und übers Ziel hinausschießen und wir wie Pubertierende die Welt erklären wollen.

Der Apostel Paulus schrieb im Brief an die Epheser schon vor über rund 2000 Jahren: Seht sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise,“ und einen Satz später: „versteht, was der Wille des Herrn ist“… „lasst euch vom Geist erfüllen.“ Mehr gibt es in dieser Zeit eigentlich nicht zu sagen. Ich glaube, wenn wir ehrlich sind, wissen wir alle, was Paulus heute meinen würde, auch wenn wir von Weisheit, dem Willen Gottes oder vom erfüllt sein durch den Heiligen Geist manchmal weit entfernt sind.

Anne Salzbrenner,

evangelische Pfarrerin

in Lichtenfels

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