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LICHTENFELS

Wort zur Besinnung: Tanken - einmal anders

Wort zur Besinnung: Tanken - einmal anders
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Schon von weitem lachte es uns an – das kleine Städtchen, das überall als mittelalterliches Kleinod beschrieben wurde. Umgeben von einer intakten Stadtmauer, konnten wir es im Tal liegen sehen.

Doch als wir in den Ort hineinkamen, machte sich Ernüchterung breit: Überall Straßensperrungen und Umleitungen – wir waren mitten in eine umfassende Altstadtsanierung geraten.

Das schmucke Städtchen mit seiner Mauer, seinen Toren, dem Flüsschen vor der Stadtmauer konnten wir immer noch bewundern, doch wir waren schnell eingehüllt von Baulärm, Hitze und Staub.

„Vielleicht ist es in der Kirche ruhiger!“, überlegten wir und stiefelten über Sand und Steine, vorbei an Baggern und wummernden Baumaschinen auf die weithin sichtbare Stadtpfarrkirche zu.

Wir öffneten die Türe und wähnten uns plötzlich in einer anderen Welt: In dem erfrischend kühlen Kirchenraum bestaunten wir die barocken Kunstwerke und genossen die Ruhe, die sich hier um uns legte.

Liebevoll waren Bastelimpulse für Kinder bereitgelegt und kleine Meditationstexte für die erwachsenen Kirchenbesucher.

Am Ausgang fiel unser Blick auf ein goldenes Plakat: „Ich brauche Segen!“ Darunter ein QR-Code. Schnell war der Code eingelesen. Er verlinkte auf die Website „www.segen.jetzt“ und dann ploppte ein Segenswort auf dem Bildschirm des Smartphones auf. Sogar vorsprechen lassen konnte man sich diesen wohltuenden Satz. Wie ich später feststellte, kann man sich die Segensworte auch in Gebärdensprache ansehen – und sie so noch ganzheitlicher aufnehmen. Die Idee zu diesen „Segenstankstellen“ wurde von katholischen und evangelischen Kirchen und missionarischen Werken entwickelt. Seit dem Start zum Pfingstfest 2021 sind ungezählte „Segens-Tankstellen“ entstanden.

„Was für eine wunderschöne Idee, diese ,Segens-Tankstelle‘!“, dachte ich mir in dem Kirchenraum und schmunzelte über ,mein‘ originelles irisches Segenswort „Gott salbe deine angekratzte Seele!“ Lächelnd, verändert und gesegnet ging ich wieder zurück in den Baulärm – des kleinen Städtchens und in die Baustellen meines Lebens.

Das Tanken von Benzin oder Dieselkraftstoff ist derzeit keine Freude. Ganz anders das „Segen tanken“: Das kann man überall – an „Segenstankstellen“, im Gottesdienst, in Augenblicken der Ruhe und persönlichen Stille, beim dankbaren Staunen über Gottes Schöpfung, im Gebet, beim gemeinsamen Singen, in der Begegnung mit anderen Christen oder durch einen persönlichen Segenszuspruch.

„Segen tanken“ ist völlig kostenlos und bringt Energie, den Zuspruch Gottes – nicht in meinen Pkw-Tank, sondern in meine Seele.

Tanken einmal wohltuend und befreiend anders – Probieren Sie es aus!

Pfarrer Heinz Geyer,

evangelische Kirchengemeinde Burgkunstadt

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