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Wort zur Besinnung: alles grau

Domvikar Elmar Koziel Foto: Red

Wort zur Besinnung

Die letzten Wochen waren schon arg grau in grau. Selten ein paar Sonnenstunden (gut, zwischen den Jahren war mal ein Tag dabei). Aber meistens gab es diese trübe Suppe aus Hochnebel, Nieselregen, ein bisschen Schnee und wenig Tageslicht. Schon morgens, wenn man die Vorhänge aufmacht, zuckt man zurück: wieder alles so öde, so düster, so trostlos!

Und so farblos? Ich erinnere mich an die Abzüge von irgendeinem Fotokünstler, die ich mal gesehen habe.

Links ein Foto: nur Grautöne, deprimierend, zum Wegschauen.

Rechts das identische Foto, nur ist diesmal ein Detail farbig und damit sichtbar gemacht.

Ich meine, es war ein Schmetterling, der – klein, wie er war – auf dem linken Bild völlig untergegangen war. Nun zog er den Blick auf sich und sorgte dafür, dass man das übrige Grau, an dem sich ja nichts geändert hatte, gut aushalten konnte. Aber hatte der Schmetterling nicht schon immer seine Farben?Vielleicht sollten wir das allgemeine Grau, das wir vor Augen haben, auch sonst nicht ganz für bare Münze nehmen: Es ist das, was wir sehen, gewiss. Aber wenn wir uns von diesem Ein-druck nicht abhalten lassen, könnten wir auf den zweiten Blick entdecken, dass die Dinge in Wirklichkeit ihre Farbe behalten haben. Jedenfalls die Dinge (und Personen und Ereignisse), denen wir – trotz allem – etwas nähere Aufmerksamkeit gönnen.

Am Ende sind es wohl nicht nur die Tageslichtlampen, die uns über die trübe Zeit hinweghelfen, sondern mehr noch die Zuversicht, dass so vieles in sich einen Grund zur Hoffnung enthält.

Professor Dr. Elmar Koziel,

Rektor der Bildungs- und Tagungshäuser Vierzehnheiligen und Domkapitular.

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