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LICHTENFELS

Wie geht's dem Wald am Obermain?

Wie geht's dem Wald am Obermain?
Waldbesitzer-Obmann Helmut Reinhardt rät zu einer früheren Ernte des Holzes - viele Bäume seien überständig und somit anfälliger für Schädlinge. Foto: Monika Schütz

Wenn man ihn heute fragen würde, wie es ihm geht, wäre die Antwort wohl für viele überraschend. Denn dem heimischen Wald geht es trotz des vielen Regens in den vergangenen Monaten nicht gut. Was würde er wohl im Detail antworten?

Wahrscheinlich Folgendes: „Lieber Waldbesitzer, lieber Mensch, ich hab da ein Problem. Seit vielen Jahren schon leiden meine Bäume. Sie müssen immer heißere und trockenere Sommer aushalten und sie verdursten fast in den Wintermonaten, weil der Schnee ausbleibt.

Monokulturen und viel zu dicht gesetzt

Ihr Menschen habt sie einst viel zu dicht Stück für Stück nebeneinandergesetzt. Wenn einer von meinen Bäumen von Schädlingen befallen wird, ist es ein Leichtes für Borkenkäfer und Co., danach gleich auf den Nachbarbaum zu fliegen.

Warum habt ihr denn keine Mischwälder angelegt? Reine Monokulturen waren schon immer anfällig, das müsst ihr doch wissen. Und warum kümmert ihr euch nicht um eure Bestände? Teilweise sind meine Fichten mehr als 120 Jahre alt. Sie wurden doch als Brenn- und Baumaterial, als nachhaltiges Wirtschaftsgut gepflanzt – jetzt hat der Borkenkäfer auf ganzer Linie ,geerntet‘. Die kaputten Bäume braucht ihr jetzt nicht mehr ins Sägewerk zubringen, die könnt ihr nur noch verheizen, schade.

Aber schon auf dem Weg der Besserung

Wie geht's dem Wald am Obermain?
Mehr als 100 Jahresringe: Diese Fichte wurde vor dem Ersten Wekltkrieg gepflanzt - an den eng stehenden Jahresringen der letzten Jahrzehnte kann man bereits sehen, dass die Trockenheit zugenommen hat. Foto: Monika Schütz

Außerdem ist es keine gute Idee gewesen, ,fremde‘ Bäume in unserer Gegend anzusiedeln. Die Fichte gehört nach Skandinavien oder in die höheren Zonen der Alpen. Dort hat sie kühlere Luft, mehr Feuchtigkeit und einen anderen Boden.

Aber ich darf nicht nur meckern, etwas besser geht es mir schon. Ihr entfernt die befallenen Käferbäume, räumt nach Sturmschäden auf und forstet wieder auf. Und ihr pflanzt verschiedene Baumarten, das gefällt mir. Wenn es heuer weiterhin so nass bleibt, kommt auch der Unterbewuchs, die Naturverjüngung, fein raus und schützt den gerodeten, nackt daliegenden Waldboden vor der Sommersonne. Mal schauen, ob es mir im nächsten Jahr wieder besser geht. Euer Wald.“

So könnte er geantwortet haben. Denn dies ist auch das Bild, das Fachleute zeichnen.

Optimistisch, dass die Käferwelle bald abebbt

Der Mistelfelder Wolfgang Tschödrich ist der Revierförster. Er hat seine Forstdienststelle seit 1990. „Mit dem Sturm Wibke bin ich gekommen“,erinnert er sich. Auch vor 20, 30 Jahren habe es immer wieder problematische Phasen für den Wald gegeben. Er denkt an die erste große Käferwelle 2005, drei Jahre dauerte sie damals, erzählt er. Deswegen sei er nun guter Dinge, dass die jetzige Käferwelle, die bereits im dritten Jahr sei, bald abebbe.

Es sei falsch zu denken, dass ein ,nur‘ kalter Winter der nächsten Borkenkäfergeneration schade – im Gegenteil: Es müsse nasskalt sein, ein richtiges Erkältungswetter, das setze die nächste Population ziemlich außer Gefecht.

Von dem vielen Regenwasser kommt wenig unten an

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Der Aschlitz-Brunnen ist verborgen im Wald am Dornig zu finden: Sein Wasserstand ist mal mehr, mal weniger hoch. Foto: Monika Schütz

Die Folgen der aktuellen relativ großen Niederschlagsmengen schätzt der Förster so ein: Es regnet zwar auf die Fichten, doch es bleibt viel in den Nadeln hängen. “Es kommt nix unten an!“ Lediglich die oberen rund 30 Zentimeter des Waldbodens seien gut feucht, weiter unten sei es bröselig trocken. Zuwenig, als dass sich Bäume erholen könnten und das wichtige Harz bilden könnten: ihre einzige Waffe gegen den Borkenkäfer.

Außerdem seien die Käfer schlichtweg zu viele geworden, die Population geradewegs explodiert. Ein Weibchen könne mehr als 27 000 weibliche Käfereier ablegen, dazu kommen die männlichen Nachkommen. Hohe Temperaturen in den Frühlingsmonaten führten auch dazu, dass es drei Generationen Fichten-Borkenkäfer in einem Jahr gebe. „Wir hätten hier normalerweise eine Buchenmonokultur“, fügt er an, mit Blick auf die vorherrschenden teils reinen Fichtenbestände. Die Besitzstruktur imLandkreis Lichtenfels teilt sich auf in 13 209 Hektar Privatwald, 4762 Hektar Staatswald und 1144 Hektar Körperschaftswald.

Die Fichten werden zur aussterbenden Art

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Eeine Weinbergschnecke ist an einem Haselnusstrauch mitten im Wald hochgeklettert und macht Pause. Foto: Monika Schütz

Auch Helmuth Reinhardt weiß, wie wichtig Mischwälder sind. Der Stublanger Waldbesitzer-Obmann hat in seinen Beständen Licht- und Schattenbäume. Bei ihm wachsen Fichte, Kiefer, Weißtanne,verschiedene Buchen und Ahorne, Esche, Elsbeere und Eichen. Die Ursache für den schlechten Waldzustand fasst der Obmann so zusammen: „Zu wenig Pflege, zu wenig geerntet, zu dichte Bestände“. Die Brunnen in den Wäldern kontrolliert er regelmäßig, sie führen gut Wasser. Er befürchtet, was auch jeder Waldbesucher unschwer erkennen kann: „Wenn es weiterhin so wenig regnet wie in den letzten Jahren, haben wir in zwei Jahren keine einzige gesunde Fichte mehr stehen.“

Blick in die Wetterstatistik

Ein Blick in die aktuelle Statistik des Deutschen Wetterdienstes: 2018 war das wärmste Jahr in Deutschland seit Messbeginn 1881 – 10,4 Grad Celsius im Jahresdurchschnitt). Die Mitteltemperatur lag 2,2 Grad über dem Deutschlandmittel von 1961 bis 1990 und knapp vor dem bisher wärmsten Jahr 2014 mit 10,3 Grad Celsius. Damit fallen acht der neun wärmsten Jahre seit 1881 in das 21. Jahrhundert.

2018 war mit weit über 2000 Sonnenstunden zugleich das sonnenscheinreichste Jahr in Deutschland seit Messbeginn im Jahr 1951 – vor dem Jahr 2003 mit 2014 Sonnenstunden. Und es war eines der drei trockensten Jahre seit 1881. Niederschlagärmstes Jahr ist bisher 1959 mit im Mittel 551 Liter pro Quadratmeter.

Im Frühling 2021 lag die Niederschlagsmenge bereits bei mehr als 200 Litern pro Quadratmeter; normal ist ein Wert von 650 Litern im Jahr.

Von Monika Schütz

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