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LICHTENFELS

Wegen bissfreudiger Hunde vor dem Lichtenfelser Amtsgericht

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

In einem Ort im nördlichen Landkreis entwischten im vergangenen Jahr einer Frau die Hunde. Sie zeigten sich Menschen gegenüber aggressiv und bissen Passanten. Eben „damit hat sie rechnen müssen“, hieß es am Dienstag im Amtsgericht bei der Anklageverlesung durch Rechtsreferendar Christof Herrmann.

Dass es überhaupt zur Anklageverlesung wegen fahrlässiger Körperverletzung kam, war dem Umstand geschuldet, dass die 56-Jährige Einspruch gegen den ihr zugestellten Strafbefehl einlegte. Laut diesem hätte sie 500 Euro zahlen müssen, und die Sache wäre vom Tisch gewesen. So aber kam die Sache in den Saal 14 des Amtsgerichts und vor Richterin Daniela Jensch. Die erkundigte sich auch bei der Frau nach dem eigentlichen Ziel ihres Einspruchs. „Dass das Ganze net stimmt“, gab die Frau wider.

Einen Fußgänger und einen Rollerfahrer angegriffen

Kontaktfreudig, agil, ausgeglichen – so wird die Rasse des Labradors gerne beschrieben. Was bei den beiden Labradors nebst einem weiteren Hund, den die 56-Jährige unter Aufsicht hatte, am 9. April 2019 schiefgelaufen ist, kann man nur mutmaßen. Kontaktfreudig zumindest zeigten sie sich, wenngleich auch auf beißende Weise. Ein Fußgänger bekam das am Unterschenkel zu spüren, als einer der Hunde zubiss. Im November kam es zu einem weiteren Vorfall, bei dem die Hunde einen Mann vom Motorroller gerissen haben.

Mit dieser Schilderung des Vorfalls durch Rechtsreferendar Herrmann fremdelte die Frau aber. Der Mann sei eben nicht von den Hunden vom Roller gerissen worden, sondern von selbst zu Fall gekommen. „Guck, so geht?s älteren Herrschaften, wenn die das Gleichgewicht verlieren“, soll er dabei noch gesagt haben. Dass einer der von ihr beaufsichtigten Hunde zugebissen habe, habe sie nicht mitbekommen. Was ihr aber aufgefallen sei, war, dass der Mann „nix Besseres zu tun gehabt hat, als seine Hose auszuziehen und jedem zu zeigen, dass er gebissen worden wäre. Ich könnt' jetzt noch sagen, welche Farbe sein Schlüpfer hatte“.

Strafbefehl immer noch günstiger als eine Gerichtsverhandlung

Richterin Jensch suchte zu erkunden, wie es denn so um die Erziehung der Hunde steht und ob diese in eine Hundeschule gingen. Dabei bekam sie zu hören, dass die Hunde „am Anfang“ eine Hundeschule besucht hätten. Zum damaligen Zeitpunkt habe die Halterin aber selbst „Hundeschule mit ihnen gemacht“.

Nichtsdestotrotz attestierte auch Jensch, dass „die Hunde wohl gebissen haben“, und fragte nochmals nach dem Sinn des Einspruchs gegen den Strafbefehl. Dabei kam zur Sprache, dass die Frau von einer schmalen Rente lebt und sich nicht sehr viel dazu verdient. Nochmalig mit der Summe von 500 Euro konfrontiert, warf sie ein: „Wo soll ich die hernehmen?“ Die Richterin machte der Frau klar, dass sie, wenn es zu einer echten Verhandlung mit Zeugenvernehmung und alledem kommt, Gefahr läuft, einen Urteilsspruch zu kassieren, der weit höher als die 500 Euro liegt.

Doch mit Blick auf die finanziell prekäre Situation wandte sich Jensch an Herrmann und erkundigte sich, ob dieser damit einverstanden sei, die Strafbefehlshöhe zu senken. Nun hat die Frau 300 Euro zu zahlen. Somit ist die Sache erst mal vom Tisch.

Von Markus Häggberg

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