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LICHTENFELS

Was macht eigentlich der Lichtenfelser Wirt Uwe Held?

Was macht eigentlich der Lichtenfelser Wirt Uwe Held?
Hier wäre jetzt sein Ort. Uwe Held zeigt, wo seine alljährliche „Stadtalm“ normalerweise steht. Wegen Corona fehlt sie nun eben. Gute Laune hat er dennoch. Foto: Markus Häggberg

Später am Abend, als der Regen einsetzt und es schon dunkel ist, wird Uwe Held auf dem Platz stehen, auf dem er zu dieser Zeit all die Jahre zuvor Geld verdiente. Hernach ging es dann immer in den lange ersehnten Urlaub. Aber Corona machte ihm einen Strich durch mehrere Rechnungen. Was jetzt, Herr Wirt?

Man trifft sich am 15. Dezember. Es ist Abend, und der 53-Jährige hat gerade Zeit. In den neun Jahren zuvor war das Gegenteil der Fall, denn der Lichtenfelser betrieb die „Stadtalm“, jene ihm von der Stadt Lichtenfels überlassene Holzhütte mit knisterndem Ofen und Kulturprogramm. Vor fünf Jahren stand sie erstmalig auf dem Marktplatz unweit des großen, beleuchteten Weihnachtsbaums und vor dem Haupteingang des Rathauses.

Kein geselliges Zusammensein bei Kleinkunst, Musik und Glühwein

Sie ist im Grunde das Nachfolgemodell einer Idee, die Held schon fünf Jahre vorher mit seiner „Advend-Hüddn“ vor seinem „Café am Markt“ verwirklichte. Insofern hätte er jetzt im Dezember 2020 einen runden Geburtstag gefeiert. Hätte. Denn Corona machte das gesellige Zusammenkommen bei Kleinkunst, Musik und Glühwein samt warmer Küche unmöglich.

Noch im Oktober brachte Held, der auch Stadtrat ist und im Stadtentwicklungsausschuss sitzt, ein Konzept in eine Sitzung ein, mit dem er das „Stadtalm“-Programm 2020 vorstellte. Damals schon agierten die Stadträte vorsichtig und stellten die „Stadtalm“ für dieses Jahr aufs Ruhegleis. „Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung, das abzusagen“, bestätigt Held an diesem 15. Dezember. Es wäre der Tag 19 seiner „Stadtalm“ gewesen, die am späten Abend des 23. Dezember ihre Tür geschlossen hätte. Hätte.

Die Planung für das Programm beginnt bereits im Frühling

Planung? Jede Menge. Schon im Frühjahr, so lässt der einstige Lichtenfelser Bürgermeisterkandidat wissen, beginne sie für ihn. Im März und April nimmt er immer Kontakt zu Künstlern auf, versucht, diese für ein Engagement zu gewinnen. Am vierten Advent wäre beispielsweise Suzan Baker aufgetreten und wenige Tage zuvor die gefragte Band „Heimatluft“. Das alles will zeitlich koordiniert, abgestimmt und festgehalten werden.

So etwas wie Künstler der ersten Stunde oder Traditionen haben sich auch ergeben. In seiner „Advend-Hüddn“ war es der „Bäck on Stage“, der es sich zur Eigenart gemacht hatte, den ersten Abend für sich und den zweiten Abend für einen guten Zweck aufzutreten.

Das Duo Peter Lachner und Bernd Meusel ist ein Kind der „Stadtalm“

Und Starthilfe? Ja, die habe die „Hüddn“ auch geleistet. „,Aus-Trio‘ hatten ihren ersten Auftritt dort“, so Held über das Trio aus Peter Lachner, Ralf Ender und Harald Schiwatsch, das sich um die bekannten Songs österreichischer Liedermacher und Bands kümmert. In der „Stadtalm“ sei aber auch etwas geboren worden, nämlich das Duo Bernd Meusel und Peter Lachner. „Meusel konnte von der Anzahl seiner Songs her noch kein volles Programm alleine bewältigen und tat sich mit Lachner zusammen – seitdem gibt es sie im Duett mit Songs von Springsteen und Dylan – ein Kind der ,Stadtalm‘.“

All das habe für Held mit sich gebracht, dass er auch unterm Jahr die Augen nach Künstlern offen hält und sie für ein Programm in Betracht zieht. Doch häufig böten sich diese jetzt schon selbst an. 14 Auftritte hätte es in der „Stadtalm“ 2020 gegeben. Hätte.

„Es ist eine besondere Atmosphäre, wenn das Publikum mitmacht und mitsingt, und wenn der Platz eng wird.“
Uwe Held, Wirt der „Stadtalm“

Wenn man schon gemütlich beisammen ist, dann kann man auch mal von früher erzählen. 53-Jährigen steht das zu. In Lichtenfels ist Held geboren, aber seine Prägung erhielt er im Berchtesgadener Land. Von dort sei auch seine Mentalität, sagt er. Dort erlernte er einen Sport, der ihm 1984 in Villach einen Jugendeuropameistertitel einbrachte: Eisstockschießen. Über Jahre spielte er in der Bundesliga beim EC Aschheim, aber irgendwann verliebte er sich in den Golfsport. Den hat er schon seit Jahren nicht mehr ausgeübt, erst recht nicht das Eisstockschießen.

Es geht ums Vermissen, und hier schließt sich wieder der Kreis zur „Stadtalm“. Auch wenn sie die letzte berufliche Beanspruchung vor seinem Jahresurlaub ist, so vermisse er sie nicht nur finanziell, sondern auch atmosphärisch. „Es ist eine besondere Atmosphäre, wenn das Publikum mitmacht und mitsingt, und wenn der Platz eng wird.“ Zu Peter Lachners Darbietung von Dylan-Songs zeichnet Held ein Bild von sich als einem Wirt, der versonnen hinter der Theke steht und es schön findet, „dass auch jungen Leuten Lieder von Bob Dylan gefallen“.

Der Winterkälte in die Karibik entfliehen

Er selbst nehme in der „Stadtalm“ auch eine Art von kleinem Rollentausch vor, denn Betreiber eines Cafés zu sein sei doch etwas anderes als ein Hütten-Wirt. „Es macht furchtbar viel Spaß, und wenn der 23. Dezember da ist, dann ist das purer Stress. Aber ich weiß: In ein paar Stunden habe ich meinen Jahresurlaub.“ Den verbringt Held mit seiner Familie gerne in der Sonne. Jetzt wäre er bald in der Karibik. Wäre.

Traurig wirkt Held ob der nun verpassenden Winterwärme nicht, auch wenn er zu sich sagt, dass er „eigentlich ein Sommermensch“ ist. Jetzt hat eben auch er Winter am Obermain. Doch was macht ein Wirt der „Stadtalm“ bei Corona und ohne Kulturprogramm?

Jetzt ist Uwe Held als Eismacher gefragt

Der Mann, der wegen des mangelnden positiven Stresses eigenen Angaben zufolge fünf Kilo zugenommen hat, erinnert sich an den Eismacher in sich, und der ist jetzt gefragt. Tochter Julia (23) will Fachkraft für Speiseeis werden und in einigen Wochen in Bremen ihre Prüfung ablegen. Nachdem er also „doppelten und vorgezogenen Frühjahrsputz mit Kühlschränken-Wegrücken“ gemacht und sich auf die Personalplanung 2021 gestürzt haben wird, wird er daran gehen, Prüfungsaufgaben mit Julia zu üben. „Parfait und Vanilleeis, Fruchteis etc. – daraus muss sie eine Eisbombe herstellen.“

Um die Planung für das „Stadtalm“-Programm 2021 muss er sich nicht mehr kümmern. Die Künstler, denen er für dieses Jahr persönlich absagen musste, werden im kommenden Jahr auftreten. Werden.

Was macht eigentlich der Lichtenfelser Wirt Uwe Held?
Eine Pose, in der man Cafébetreiber Uwe Held kennt. In diesem Jahr fällt seine Rolle als Wirt der Stadtalm coronabedingt flach. Foto: Markus Häggberg
Was macht eigentlich der Lichtenfelser Wirt Uwe Held?
Der Cafébetreiber vom Floriansbrunnen neigt zu Albernheiten. Foto: Uwe Held

Von Markus Häggberg

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