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KLOSTERLANGHEIM

Wanderung mit dem Esel über Klosterlangheim bis in den Iran

Wanderung mit dem Esel über Klosterlangheim bis in den Iran
Der mit dem Esel geht: Michael Rinderle und sein Esel Vaillant machten auf dem Weg nach Fernost Station in Klosterlangheim. Foto: Gerhard Herrmann

Nicht nur Kinder staunen, wenn sie Michael Rinderle mit seinem Esel Vaillant sehen. Wie aus der Zeit gefallen wirkten der Wanderer und sein vierbeiniger Begleiter, romantisch wie einst Eichendorfs „Taugenichts.“ 68 Tage sind sie bereits auf sechs Beinen unterwegs. Drei Jahre sollen es werden, denn der 58-Jährige hat sich Großes vorgenommen: Auf der Spur der historischen Seidenstraße will er bis in den Iran, das alte Persien. In Klosterlangheim hat er am Donnerstag Station gemacht und ist voll des Lobes über die oberfränkische Gastfreundschaft.

Gestartet ist Michael Rinderle, der Michel genannt wird, am 10. April in seinem Heimatort Aldingen bei Rottweil. „Stetig gen Osten“, lautet sein Motto. Mit der Wanderung verwirklicht er sich einen Lebenstraum. Die Natur und fremde Länder haben ihn schon von Jugend an fasziniert. Seine größte Reise war 2013 eine sieben Monate lange Motorradtour quer durch Afrika. Dabei lernte er zwei Rucksacktouristinnen mit einem Eselskarren kennen, die ihn auf die Idee zu seiner Wandertour brachten.

Rund zehn Kilometer schafft Rinderle am Tag, wenn Vaillant nicht bockt

Sieben Jahre lang hat es gedauert, bis er bereit war, sich auf den Weg zu machen. Schließlich musste er nicht nur einen geeigneten Esel finden und den Umgang mit ihm erlernen, sondern auch umfangreiche Vorbereitungen treffen. Seine Stelle als Straßenbaupolier hat er gekündigt. In den nächsten drei Jahren muss er von seinen Ersparnissen leben. „Ich habe keine Zukunftsangst, anschließend wird sich schon wieder was finden – und wenn ich Autos repariere“, meint Rinderle.

Wanderung mit dem Esel über Klosterlangheim bis in den Iran
Geduldig lässt sich Vaillant von Michael Rinderle mit dem Sattel und den Packtaschen beladen. Foto: Gerhard Herrmann

Als Weggefährten hat er sich einen 13 Jahre alten Provence-Esel ausgewählt. Die werden in Frankreich eigens für Wandertouren gezüchtet. Abstriche machen musste er beim Reiseziel: „Bis nach China würde ich es zu Fuß in drei Jahren nicht schaffen.“ Schließlich betragen die Tagesetappen im Durchschnitt etwa zehn Kilometer. Und ein Esel kann einem so manche Überraschung bereiten, da die Grautiere für ihren eigenen Kopf bekannt sind. Doch das ficht Michael Rinderle nicht an, gehe es doch darum den Weg gemeinsam zu meistern: „Da heißt es, Geduld zu haben, und wenn er ganz störrisch ist, dauert eine Pause eben auch mal eineinhalb Stunden. Dafür geht's anschließend umso flotter.“

„Je weiter man weg ist, desto freundlicher wird man aufgenommen.“
Michael Rinderle Wanderer

Was ihn an der Wanderung mit dem Esel fasziniert, ist nicht nur die Entschleunigung, sondern das Erlebnis, wie sich die Landschaft und die Menschen allmählich verändern. „Je weiter man weg ist, desto freundlicher wird man aufgenommen“, hat er bei seinen Reisen festgestellt. Vor allem, wenn er abseits der Touristenrouten unterwegs sei. Und beim Wandern erlebe man die Welt viel intensiver. „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“, habe schon Goethe festgestellt.

Wanderung mit dem Esel über Klosterlangheim bis in den Iran
In Klosterlangheim führt Michael Rinderle seinen Esel Vaillant zum Brunnen auf dem Dorfplatz. Foto: Gerhard Herrmann

ls Pilgerweg will Michael Rinderle seine Tour nicht verstanden wissen, obwohl er ein gläubiger Mensch sei. „Der Glaube gibt mir die Zuversicht, auf dem richtigen Weg zu sein und mein Ziel auch zu erreichen.“ Seine dreijährige Auszeit begreift er auch nicht als Selbstfindungs-Trip, eher als Abenteuer.

Und mit Vaillant an der Seite öffnen sich ihm die Herzen der Menschen, denen er begegnet. Vielleicht liegt es auch an Michels aufgeschlossener Art und seinem weichen schwäbischen Akzent. In den vergangenen neun Wochen habe er immer ein Nachtquartier für sich und Vaillant gefunden. Manche Gastgeber hätten ihn sogar im Haus allein gelassen, was ihn sichtlich rührte. Andere erlaubten ihm zwar auf der Wiese zu zelten, machten aber schnell das Scheunentor zu, als er fragte, ob er sich bei Regen darin mit dem Esel unterstellen dürfe.

In Klosterlangheim hat er sein Zelt am Weiher aufgeschlagen. Und morgens wurde er in die Klostermühle zum Kaffee eingeladen. Besonders gefreut hat er sich über die fachkundige Hilfe für Vaillant, dessen Ohren sich durch Mückenstiche entzündet hatten. Die Besitzer des Reitstalls halfen ihm mit Wasserstoffperoxid zur Behandlung aus.

Meist wird er freundlich aufgenommen, aber einmal kommt die Polizei

„Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht und manchmal erdrückt mich die Herzlichkeit der Gastgeber fast“, staunt der Wanderer. Unter Einsamkeit habe er bisher nicht gelitten: „Ich komme gut mit mir selbst zurecht, und manchmal ist man ja auch in Gesellschaft einsam.“ Bedenken, den Kontakt zur Familie und Freunden zu verlieren hat er nicht: „Ich war bisher noch kein Wochenende allein, da meine Freundin, meine Tochter mit den Enkeln und so mancher Freund öfter nachreisten.“ Das werde sich wohl mit zunehmender Entfernung ändern.

Wanderung mit dem Esel über Klosterlangheim bis in den Iran
Noch eine Schüssel kaltes Wasser vor dem Start. Foto: Gerhard Herrmann

egonnen haben Michael Rinderle und Vaillant ihre Wanderung auf dem Albsteig, dem sie bis Donauwörth folgten. Hürden wie Äste, die den Weg versperrten, enge Wege durch Wohnviertel, wo die Satteltaschen des Esels sich an den Hecken verkeilten oder Wolkenbrüche haben sie nicht aufgehalten. Einmal haben die Wanderer sogar einen Polizeieinsatz ausgelöst, als der Werkschutz einer Firma einen freilaufenden Esel meldete.

Bis zum Winter will er am Schwarzen Meer sein

Auf dem Frankenweg marschierte Michael Rinderle nach Klosterlangheim. Ihm will er bis Hof folgen und dann auf den Eisenach-Budapest-Weg wechseln. Schwierig werde es anschließend, weil die Wege in Serbien schlecht ausgeschildert sind und Rinderle Probleme mit der Bürokratie jenseits der EU-Grenze befürchtet. Daher werde er wohl über Rumänien und Bulgarien bis zur Türkei wandern. Er hofft, bis zum Herbst das Schwarze Meer zu erreichen, um den Winter in dieser milden Region zu verbringen. Entlang der Küste soll es weiter nach Georgien, Aserbaidschan und den Iran gehen.

Wanderung mit dem Esel über Klosterlangheim bis in den Iran
Gut aufgenommen wurden Michael Rinderle und sein Esel Vaillant in der Klostermühle. Foto: Gerhard Herrmann

Danach werde er sich entscheiden müssen, ob er vor der Rückreise noch Afghanistan und Pakistan oder wahlweise Turkmenistan und Usbekistan durchwandere. Fast 10 000 Kilometer hätte er dann geschafft und sich einen Traum erfüllt.

Geschichten von unterwegs erzählt Michael Rinderle auf seinem Blog im Internet unter www.dermitdemeselgeht.de. Begonnen hat er mit seinem Blog, um die Familie und Freunde auf dem Laufenden zu halten, inzwischen folgen ihm rund 450 Fans.

 

Von Gerhard Herrmann

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