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SERKENDORF

Waldbesitzer Hans Schauer aus Serkendorf und der Wildverbiss

Waldbesitzer Hans Schauer aus Serkendorf und der Wildverbiss
Inmitten der eingezäunten, neu angepflanzten Fläche freut sich Hans Schauer, dass die kleinen Mammutbäumchen (vorne, mittig) gut gedeihen. Foto: Monika Schütz

„Der Borkenkäfer nimmt überhand, die Fichtenmonokulturen rund um den Hohlen Stein und auf dem Hochplateau sind massiv betroffen“, bedauert Hans Schauer die aktuelle Entwicklung des Waldes. Teils auf Empfehlung und Beratung der damaligen Forstämter, teils wegen des „schnellen Geldes“ seien hier vor 50 bis 100 Jahren reine Fichtenwälder angelegt worden.

Vor 50 bis 100 Jahren: Familie Schauer hat zehn Hektar Mischwald

Damals war hier noch eine eigenständige Gemeinde, bestehend aus den drei Dörfer Serkendorf, Weisbrem und Gößmitz, das zuständige Landwirtschaftsamt war Staffelstein. Der Vater von Hans Schauer, Georg, besuchte die Waldbauernschule in Hohenkammer bei München. Er lernte, dass es Vorteile habe, einen Waldbestand aus mehreren Baumarten zu haben.

Zehn Hektar besaß die Familie, etwa ein Drittel Fichten und Douglasien, einige Tannen, zwei Drittel Buche, Eiche, Esche und Ahorn. „Mein Vater war seiner Zeit voraus“, meint Hans Schauer.

Juni 2020: Drei Hektar Fichtenwald sind vom Borkenkäfer befallen

Zeitsprung in den Juni 2020: Die drei Hektar Fichtenwald, die Hans Schauer vor Jahren dazugekauft hat, sind vom Borkenkäfer befallen. Alle. Er fällt das Käferholz, transportiert es ab. Ein Harvester kommt zum Einsatz, die Waldbauern haben ihn vermittelt. Die Stöcke der gefällten Bäume lässt Hans Schauer stehen, er entfernt auch nicht das nachwachsende „Waldunkraut“. „Das ist Ökologie, ein Klein-Klima für Insekten und Vögel“, freut er sich über das „Grünzeug“.

Auch die kleinen Fichten, die von selbst aufgehen – die sogenannte Naturverjüngung – dürfen bleiben. „Man will ja in Zukunft auch Nadelhölzer haben“, sagt er. Sein Plan ist es, neu anzupflanzen, dieses Mal eine bunte Mischung aus Nadel- und Laubbäumen.

Winter 2020/21: Hans Schauer pflanzt neue Baumsorten

Winter 2020/21: Rund 1650 Pflanzen sind gepflanzt – Baumhasel, Traubeneiche, Douglasie, einige Mammutbäume, Esskastanie, Rotbuche und Korsische Kiefer. Zuvor hat sich Schauer über den Waldboden informiert: Wer mag es kalkhaltig (Fichte, Douglasie), wer braucht einen tiefgründigen lehmigen Boden (Weißtanne) , wie ist der PH-Wert allgemein? Dazu gibt es eine Waldbodenkarte, in der die Bodenbeschaffenheit detailliert aufgeführt ist. „Da gibt es gute Standortempfehlungen“, erklärt der Waldbesitzer.

Waldbesitzer Hans Schauer aus Serkendorf und der Wildverbiss
Der Borkenkäfer "Buchdrucker" hat ein typisches Rindenbild in den befallenen Fichten hinterlassen. Foto: Monika Schütz

Ein reiner Nadelwald mache den Boden sauer, ein reiner Laubwald treibe den PH-Wert nach oben. „Das heißt jetzt nicht, dass Laubbäume keine Krankheiten haben. Ahorn und Esche werden gerne von Pilzen befallen“, weist er auf das „Eschentriebsterben“ und die „Rußrindenkrankheit“ beim Ahorn hin.

„Wir haben zu viel Wildverbiss. Es ist zu viel Rehwild da, die Abschusszahlen sind zu niedrig!“
Hans Schauer, Waldbesitzer

Doch nun ist noch ein Problem dazu gekommen: Hans Schauer musste sein gesamtes neu bepflanztes Areal einzäunen. Und nicht nur er. „Wir haben zu viel Wildverbiss“, klagt er an, „ es ist zu viel Rehwild da, die Abschusszahlen sind zu niedrig! Es gibt ein Gesetz ,Wald vor Wild‘ – warum wird das nicht umgesetzt?“

Dieses Gesetz gibt es wirklich, bestätigt Sebastian Huth vom Herzoglichen Forstgut Banz. Sein Revier umfasst 866 Hektar. Auf diesen Flächen stehen hauptsächlich Fichten, Buchen, Eichen und Lärchen. 45 Prozent Nadelhölzer, 55 Prozent Laubhölzer. Was rät er, um den Wald zukunftstauglich zu machen? „Wir versuchen, den Wald umzubauen“, antwortet der Förster.

„Man kommt um höhere Abschusszahlen nicht herum, er hat Recht.“
Sebastian Huth, Herzogliches Forstgut Banz

Genaue Prognosen zum Klimawandel und zur steigenden Jahresdurchschnittstemperatur gibt es nicht: „Keiner kann uns sagen, ob es eineinhalb, zwei oder drei Grad mehr werden.“ Ziel sei es, „so viel Mischung auf die Fläche zu bekommen, wie wir generieren können.“ Die Naturverjüngung werde dabei integriert. Und er kennt auch den – wie er sagt – ewigen Konflikt zwischen Waldbesitzern, Förstern und Jägern.

„Man kommt um höhere Abschusszahlen nicht herum, er hat Recht“, bestätigt der Förster Hans Schauers Ansicht. Man müsse den Wildbestand so anpassen, dass die Naturverjüngung hochkomme. Gegen den Verbiss rät er von Schafwolle auf den Triebspitzen ab, das in der Wolle enthaltene Öl könne in heißen Sommern das Brennen anfangen. Er empfiehlt einen Anstrich mit Quarzsand-Farbe: „Das knirscht beim Reinbeißen, da geht kein Reh zweimal hin.“

Warum die Abschusszahlen nicht eingehalten werden können

Waldbesitzer Hans Schauer aus Serkendorf und der Wildverbiss
Hans Schauers verstorbener Vater, Georg Schauer, lernte einst in der Waldbauernschule, dass keine Monokulturen gepflanzt weden sollten. Foto: privat

Auch die blauen Klammern seien hilfreich, wenn auch bei einer großen Menge nicht billig. Das gesamte Zäunen sei noch teurer, ergänzt Sebastian Huth: Einen Hektar neu gepflanzte Eiche zu zäunen und zu pflegen – da sei man mit 10 000 Euro dabei. Für das Forstrevier Bad Staffelstein zuständig sei bei Fragen oder Beratung der Revierleiter und Förster Stefan Lodd, erreichbar im AELF Bad Staffelstein.

Jagdpächter Armin Morgenroth hat sein Revier am Dornig. Er machte sich schon im Frühsommer Sorgen um das Wild: Vermehrt Baumfällarbeiten und der damit verbundener Lärm von den Motorsägen, aber auch Ströme von Wanderern und Radfahrern führten dazu, dass sich das Wild immer mehr zurückziehe. Vorgegebene Abschusszahlen seien nicht zu erfüllen.

Bayerisches Waldgesetz

Artikel 1, Absatz 2 Art. 1:

(2) Dieses Gesetz soll insbesondere dazu dienen: 1. die Waldfläche zu erhalten und erforderlichenfalls zu vermehren, 2. einen standortgemäßen und möglichst naturnahen Zustand des Waldes unter Berücksichtigung des Grundsatzes „Wald vor Wild“ zu bewahren oder herzustellen.

Von Monika Schütz

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