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LICHTENFELS

Von Schutzbäumen und Lebensräumen im Landkreis Lichtenfels

Von Schutzbäumen und Lebensräumen im Landkreis Lichtenfels
Eine prachtvolle Eiche gibt es am Ortsrand von Reundorf zu bewundern, die per Verordnung des Landratsamts Lichtenfels seit 2018 als Naturdenkmal gilt. Foto: Marion Nikol

„Zu fällen einen schönen Baum, braucht's eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk' es, ein Jahrhundert.“ Diese Zeilen sind gut 60 Jahre nachdem der deutsche Lyriker Eugen Roth sie schrieb, aktueller und bedeutsamer denn je. Bäume müssen allzu häufig den Annehmlichkeiten der modernen Gesellschaft weichen. Erst im vergangenen Jahr hat sich das auch in Lichtenfels wieder gezeigt, als eine ganze Baumreihe in der St.-Veith-Straße wegen eines Bauvorhabens kurzerhand eliminiert wurde. Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten, besonders wertvolle Bäume unter Schutz zu stellen, indem sie als Naturdenkmäler ausgewiesen werden.

Von Schutzbäumen und Lebensräumen im Landkreis Lichtenfels
Einmal als Naturdenkmal ausgewiesen, darf der Baum laut Naturschutzgesetz weder beseitigt noch verändert werden. Ordnungswidrigkeiten gehen mit Geldbußen von bis zu 50000 Euro einher. Foto: Marion Nikol

Doch was genau ist unter einem Naturdenkmal zu verstehen? Wie ein Blick in das Bundesnaturschutzgesetz verrät, handelt es sich dabei um „rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur (...), deren besonderer Schutz erforderlich ist.“ Ob ein Baum, oder auch eine Felsformation, Höhle oder Quelle diesen Status erhält, liegt im Ermessen der Unteren Naturschutzbehörde, einer Organisationseinheit des Landratsamtes Lichtenfels. Bei der Entscheidung werden verschiedene Faktoren zur Beurteilung herangezogen, darunter wissenschaftliche, naturgeschichtliche oder landeskundliche Aspekte. Außerdem der Seltenheitswert, die Eigenart oder Schönheit des betreffenden Landschaftselements.

„Bäume sind so viel mehr als nur Holzlieferanten. Sie produzieren Sauerstoff, nehmen CO2 auf und binden es.“
Anton Reinhardt, Vorsitzender des Bund Naturschutz

Vor knapp zwei Jahren ist der Landkreis Lichtenfels um 15 Naturdenkmäler reicher geworden. Wie Ludwig Winkler, Mitglied des Naturschutzbeirats, erklärt, hatten die Naturschutzfachkräfte des Landratsamtes eine Vorschlagsliste mit 100 Bäumen zu begutachten und dann zu bewerten. Hierbei mussten auch der Zustand und die Eigentumsverhältnisse der Bäume berücksichtigt werden, da die Grundstückseigentümer der Entscheidung zustimmen müssen. Im September 2018 erfolgten schließlich die entsprechenden Verordnungen, die von Weismain bis Ebensfeld verschiedene Bäume und Baumgruppen im Kreisgebiet als Naturdenkmäler ausweisen. Der Schutz und die Pflege liegen in der Verantwortung des Landratsamtes.

Von Schutzbäumen und Lebensräumen im Landkreis Lichtenfels
Ehrwürdig thront eine der "Zwei Eichen bei Schney" über dem Pfad der Flechtkultur. Die beiden Bäume gelten als wesentliche Bereicherung des Landschaftsbildes und des Naturhaushaltes. Foto: Marion Nikol

Dass es überaus wichtig ist, große, alte Bäume unter Schutz zu stellen, steht auch für Anton Reinhardt, Vorsitzender des Bund Naturschutz Lichtenfels, außer Frage: „Bäume sind so viel mehr als nur Holzlieferanten. Sie produzieren Sauerstoff, nehmen CO2 auf und binden es. Darüber hinaus filtern sie Staub und gesundheitsschädliche Stoffe aus der Luft, spenden Schatten und fungieren als Lärmschutz und Luftbefeuchter.“ So sei ein ausgewachsener Baum an heißen Sommertagen in der Lage, bis zu 400 Liter Wasser abzugeben. Für Tiere wie Fledermäuse und Eichhörnchen wiederum stellen sie wertvolle Biotope dar.

Ehrwürdige Baumriesen bieten Insekten Nahrung und Schutz

Ein Baum, der besonders viele Lebensräume bietet, ist die Eiche. Über 400 Schmetterlingsarten und etwa 100 weitere Insekten haben sich darauf spezialisiert, und selbst im Totholz tummeln sich seltene Gäste wie Hirschkäfer, Heldbock oder Eremit. Während die nahrhaften Eicheln vielen Vögeln, Wild und Nagern als Winterfutter dienen, lassen sich aus der der Rinde Extrakte zur Linderung von Magen-Darm-Beschwerden und Schleimhaut-Entzündungen gewinnen. Darüber hinaus sind die Baumriesen in der Lage, sehr alt zu werden und können nicht nur viele Jahrzehnte, sondern sogar viele Jahrhunderte überdauern. Kein Wunder also, dass auf der Liste der Naturdenkmäler im Landkreis auch zahlreiche Eichen enthalten sind. Viele davon befinden sich im Stadtgebiet von Lichtenfels und können im Zuge eines Familienausflugs entdeckt und bewundert werden.

Wer beispielsweise auf dem Pfad der Flechtkultur von Michelau in Richtung Schney spazieren geht, kommt am Naturdenkmal „Zwei Eichen bei Schney“ vorbei. Wie es in der Verordnung des Landratsamtes heißt, stellen die beiden Bäume „eine wesentliche Bereicherung des Landschaftsbildes und des Naturhaushaltes dar und werden deshalb aufgrund ihrer Eigenart und ökologischen Bedeutung im öffentlichen Interesse unter Schutz gestellt.“ Gleiches gilt für die sogenannte „Eiche am Ortsrand von Reundorf“, die am Ende des Sonnenwegs thront und ebenfalls als bedeutender und zu erhaltender Einzelbaum für das Orts- und Landschaftsbild gilt.

Bäume, die Geschichten erzählen: Die Gerichtseichen am Prügel

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Eine fast mystische Atmosphäre haftet dem Ort an, wo sich die vier „Gerichtseichen am Prügel bei Klosterlangheim“ befinden. Foto: Marion Nikol

Historisch interessant wird es auf einer Wanderung entlang des Nothelferwegs an der Südgrenze des Waldes der Flurabteilung Prügel unweit von Klosterlangheim. Dort trifft man auf die „Gerichtseichen am Prügel“. Bei der Baumgruppe, die aus vier eindrucksvollen Eichen besteht, soll es sich dem Volksmund nach um eine ehemalige Richtstätte des Klosters Langheim handeln – eine durchaus nachvollziehbare Annahme, da sich derartige Stellen für gewöhnlich außerhalb von Dörfern auf einsehbaren Anhöhen befanden. Eine mystische Atmosphäre haftet dem Ort jedenfalls an, auch wenn er sich nun eher als schattenspendender Rastplatz eignet.

Sagenumwobene, heilbringende oder gar identitätsstiftende Eigenschaften besitzen nicht nur Eichen. Auch Linden, Nuss- oder Birnbäume haben viele Geschichten zu erzählen und sind auf der Liste schützenswerter Naturelementen zu finden, die der Landkreis 2018 neu ausgewiesen hat. Sowohl in der Gegend um Weismain und Altenkunstadt als auch im Raum Bad Staffelstein und Ebensfeld gibt es weitere interessante Bäume, die es wert sind, nicht nur erwähnt, sondern bestenfalls auf Wandertouren entdeckt zu werden. Diese werden in einem zweiten und dritten Teil dieser Artikelserie vorgestellt.

Von Marion Nikol

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