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LICHTENFELS

Sonnenhaus soll wieder Wohnhaus werden

Das Sonnenhaus des Otto Bamberger soll nach dem Wunsch von CSU, WLJ, FW, JB und der AfD-Stadträtin wieder verkauft werden. Das Anwesen in der Kronacher Straße 21 wurde im Jahr 2019 – aus dieser Zeit stammt auch diese Archivaufnahme – von der Stadt Lichtenfels gekauft. Foto: Steffen Huber

Nachdem sich in der gestrigen Ausgabe die Stadtratsfraktionen von SPD und Grünen für einen Verbleib des Anwesens Sonnenhaus in der Kronacher Straße im Besitz der Stadt – zum Teil unter bestimmten Umständen – ausgesprochen haben, kommen nun die Fraktionen von CSU, Freien Wählern, WLJ und Jungen Bürgern sowie die AfD-Stadträtin Heike Kunzelmann zu Wort. Sie alle schlagen vor, das 1914 von Otto Bamberger erbaute Anwesen zu verkaufen.

Frank Rubner (CSU): Sehen keine konkrete Verwendung

Aktuell hat die Stadtverwaltung offensichtlich keine konkrete Verwendung für das Gebäude. Die CSU-Fraktion sieht dies weitgehend ebenfalls so.

Da längere Zeit leer stehende Häuser unter einer fehlenden Nutzung leiden, sollte es unseres Erachtens wieder verkauft werden. Fest steht für uns jedoch, dass die markante Villa nur in Hände gegeben werden sollte, welche den Wert zu schätzen wissen. Das frei werdende Geld sollte dann in zukunftsträchtige Projekte investiert werden.

Roland Lowig (WLJ): Immobilie verpachten oder verkaufen

Beim Erwerb der Immobilie im Jahr 2019 wurde im Stadtrat durch die Stadtverwaltung ein Kinderhort als Nutzung für das Sonnenhaus vorgestellt. Durch die örtliche Nähe zur Schule und die fußläufige Erreichbarkeit fand das Vorhaben eine Mehrheit im Stadtrat. Die voraussichtlichen Umbaukosten lagen damals noch deutlich unter den Kosten für einen Neubau, was auch ein Grund für uns war, dem Erwerb zuzustimmen.

Mitte 2020 wurde durch die Stadtverwaltung der Umbau der Immobilie erneut im Stadtrat behandelt. Jetzt standen aber Umbaukosten in dreifacher Höhe zu Buche, was einen Umbau zum Kinderhort nicht mehr akzeptabel machte. Deshalb wurde die Nutzung der Immobilie auch zurückgestellt.

Unserer Meinung nach wäre wohl ein Verkauf oder die Verpachtung der Immobilie, immer Bezug nehmend auf die geschichtliche Bedeutung der Villa, durch die Stadtverwaltung am sinnvollsten.

Philipp Molendo (JB): Ein privater Käufer wäre das Beste

In der Meinungsbildung der JB-Fraktion wurde kontrovers diskutiert, aber am Ende fanden wir den Konsens, dass nachdem der geplante Weg, aus der historisch natürlich sehr interessanten Stadtvilla Sonnenhaus eine Kindertagesstätte zu machen, leider nicht weiterverfolgt wird, es das Beste wäre, einen privaten Käufer zu suchen, der das historische Haus wieder bestmöglich in den Urzustand (und gegebenenfalls wieder auch teilweise als privaten, kulturellen Ort der Begegnung) bringt und zur Eigennutzung bewohnt.

Eine Nutzung als Bürogebäude oder Arztpraxis wurde natürlich immer wieder diskutiert, würde aber dem Charme des Hauses und der mit ihm verbundenen Geschichte leider nicht gerecht. Eine öffentliche Nutzung als Museum oder Ausstellungsfläche halten wir bei bestehender Aufteilung und im Hinblick auf behindertengerechte Gestaltung als zu kostspielig. Dies hätte einen zu massiven Eingriff in die Architektur des Hauses zur Folge.

Dr. Christopher Bogdahn (FW): Villa als Wohnhaus mit Leben erfüllen

Das Interview im Obermain-Tagblatt mit Bezirksheimatpfleger Prof. Dippold vom 28. September haben wir mit Interesse zur Kenntnis genommen. Bereits am 22. September hat die Fraktion der Freien Wähler im Stadtentwicklungsausschuss nämlich eine Anfrage an den Bürgermeister hinsichtlich städtischer Leerstände gestellt. Der Bürgermeister wurde gebeten, dem Stadtrat eine Auflistung der städtischen Leerstände mit zeitlichem Horizont der angedachten Nutzung zu übermitteln.

Hintergrund dieser Anfrage war genau das sogenannte Sonnenhaus. Die Villa Bamberger ist ein in Lichtenfels einmaliges, historisches Gebäude, das es aufgrund seiner Vergangenheit nicht verdient hat, leer zu stehen und dahin zu „vegetieren“. Der Gedanke, das Haus mit Leben in Form eines Kinderhorts zu füllen, war gut und nachvollziehbar. Seitdem der Gedanke verworfen wurde, ist jedoch leider nicht viel passiert.

Eine museale Verwendung des Gebäudes sehen wir kritisch – die Nachfrage hierzu wäre in einer Kleinstadt wie Lichtenfels vermutlich überschaubar und stünde in keinem Verhältnis zum Aufwand.

Wieso sollte das Sonnenhaus also nicht wieder seiner ursprünglichen Verwendung zugeführt werden? Als Wohnhaus mit Leben gefüllt! Auch die öffentliche Diskussion hierzu zeigt, dass Eile geboten ist und der Prozess beschleunigt werden muss. Trotz aller gebotenen Eile muss jedoch unbedingt auf einen respektvollen Umgang mit dem Gebäude und der Geschichte seiner Bewohner geachtet werden.

Eine weiterführende historische Aufarbeitung und eine Erinnerungskultur –auch zum Beispiel mittels einer Stele oder eines Denkmals – unterstützen wir ausdrücklich!

Heike Kunzelmann (AfD): Erinnert an skurrile Hans-im-Glück-Geschichte

Das Sonnenhaus in der Kronacher Straße 21 ist zeitgeschichtlich gesehen eine besondere Immobilie. Sie steht wie keine andere für die verhängnisvollen 1920-er Jahre und deren Entwicklungen in unserer Stadt. Die Idee, daraus einen Kindergarten zu machen, würde ich nicht als Blasphemie bezeichnen, dennoch erinnert eine Kaufentscheidung, alleinig auf diesem Verwendungszweck bezogen, an den Anfang einer skurrilen Hans-im-Glück-Geschichte. Was die Stadt im Jahre 2019, als die AfD noch nicht im Stadtrat vertreten war, letztlich bewogen hat, diese Villa zu erwerben, entzieht sich meiner Kenntnis.

Das Gebäude eignet sich vorzüglich für den gehobenen Wohnbedarf oder auch eine gehobene Dienstleistung wie zum Beispiel Vermögensberatung oder eine Anwaltskanzlei. Aber es ist müßig darüber zu sinnieren, was ihre bestmögliche Nutzung gewesen wäre, nun ist sie halt mal da, und das Kleinod wird nicht besser, wenn es leer steht. Was es nunmehr schon seit zwei Jahren tut. Aber welche Möglichkeiten der sinnvollen Nutzung gäbe es?

1. Natürlich könnte man dieses traumhafte Anwesen in ein Museum der Zeitgeschichte umwandeln. Das Leben und Wirken der Kaufmannsfamilie Bamberger wäre hier ein interessanter Ausstellungsaspekt. Vielleicht auch als Kontrapunkt zum Alltag der verarmten Korbflechterfamilien speziell in den 1920-er Jahren in Stadt und Landkreis. Nur der Blick in die Kassen der Stadt lässt hier wenig Spielraum, möchte man nicht deutlich an anderer Ecke auf Investitionen verzichten. Kein FADZ – unverhandelbar! Keine Schule in Roth – wer würde das schon wollen?

2. Vermietung als Wohnraum in Zeiten eines immer geringeren Wohnraumangebotes und steigender, zuzugsbedingter Bevölkerungszahlen durch die Stadt wäre eine weitere Möglichkeit. Die Villa wäre beheizt, belebt und in dem Säckel der Stadt wären wieder ein paar Groschen.

3. Verkauf des Anwesens, welches so gar nicht ins Portfolio der Stadt passt? Man darf es gar nicht so laut sagen, oder doch? Was wäre, wenn man diese Immobilie am Markt anbietet und nach einem Käufer sucht, der seine Freude daran hat? Ein Startkapital, dass man im Vermögenshaushalt fest für die Schule in Roth einplanen könnte.

Wie auch immer Stadt, Stadtrat und Verwaltung überlegen, diskutieren, planen und entscheiden weiter. Was ich mir wünschen würde, dass sich die Stadt mehr von kaufmännischen Grundsätzen bei Kauf und Verkauf von Immobilien leiten lässt, und weniger von nostalgischen Ideen. Denn letztlich ist es das mühsam erarbeitete Geld der Bürger, das hier verwaltet wird, und nicht der Goldklumpen, der Hans im Glück so beschwerlich wurde.

Von Steffen Huber

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