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LICHTENFELS

VdK–Geschäftsführerin Rieder kämpft für Gerechtigkeit

Kreisgeschäftsführerin Christine C. Rieder blickt auf eineinhalb erfolgreiche Jahre des VdK Lichtenfels seit ihrem Amtsantritt zurück. Foto: Corinna Tübel

Eine blonde Frau, der man das Lächeln und die Energie trotz Mundschutz ansieht. Christine C. Rieder, VdK–Kreisgeschäftsführerin, empfängt zum Gespräch in der Geschäftsstelle des VdK-Kreisverbands Lichtenfels in der Viktor-von-Scheffel-Straße bereits am frühen Morgen mit Tatendrang, Herzlichkeit und geringfügigem Dialekt. Nicht verwunderlich: Sie wurde 1967 in Mittelfranken geboren und hat sich nach der Schulzeit breit aufgestellt: Sie hat sowohl eine Basisausbildung im medizinisch-pflegerischen Bereich als auch eine im kaufmännischen Bereich.

Im Jahr 2010 zog es sie aus beruflichen Gründen nach Oberfranken – zunächst nach Coburg. Ihre dortige Aufgabe war das Vertragsrecht. Mit 42 Jahren absolvierte sie zusätzlich noch ein berufsbegleitendes Studium zur Verwaltungsbetriebswirtin mit Schwerpunkt Gesundheit und Sozialmanagement. „Ich wollte mich nach Tätigkeiten in verschiedenen Unternehmen beruflich verändern und habe eine Aufgabe gesucht, in der ich meine ganze Erfahrung einbringen kann“, verrät Christine C. Rieder. Als der VdK Lichtenfels Ende 2018/Anfang 2019 seine Stellenausschreibung veröffentlichte, bewarb sie sich und trat zum 1. Februar vergangenen Jahres die Stelle als Kreisgeschäftsführerin an.

Ein engagiertes Team von fünf Frauen

Das Team (v. li.) um VdK-Kreisgeschäftsführerin Christine C. Rieder besteht nur aus Frauen: Annika Drütschel, Simone Großmann und Carmen Beck. Die fünfte Frau im Bunde, Renate Römmelt, war nicht im Haus. Foto: Corinna Tübel

Dort tritt die Powerfrau für eine gerechte Sozialpolitik ein und berät in allen Fragen zum Sozialrecht: Rentenversicherungsrecht, Rehabilitation und Schwerbehindertenrecht, gesetzliche Unfallversicherung und Vieles mehr. „Beim VdK sind wir unabhängig und können auch so beraten. Es ist sehr abwechslungsreich und ich fühle mich hier sehr wohl. Ich habe von Anfang an alles kennenlernen dürfen“, berichtet sie. „Ich war in anderen Kreisverbänden zu Gast und konnte mir alles anschauen und die Kollegen kennenlernen. Ich habe ein sehr engagiertes Team und alle Mitarbeiter sind stets auf dem neuesten Stand.“

Letzteres ist eine wichtige Voraussetzung für eine adäquate Beratung im sich stets veränderndem Sozialrecht. Schließlich müssen die Mitarbeitenden hier über das Konvolut Bescheid wissen, für das „da draußen“ viele verschiedene Behörden zuständig seien. Vom VdK-Landesverband würden sie aber stets gut mit Informationen versorgt.

„Es geht immer darum, viele Bälle gleichzeitig zu jonglieren. Das konnte ich zum Glück schon immer.“
Christine C. Rieder, VdK-Kreisgeschäftsführerin

Im Büro in der Viktor-von-Scheffel-Straße herrscht Frauenpower: Das fünfköpfige Team besteht neben der Geschäftsführerin aus drei Verwaltungskräften und einer weiteren Sozialrechtsberaterin, die ihre Ausbildung als Juristin im Wirtschaftsrecht absolviert hat. Christine C. Rieder hält diese Kombination aus deren und ihren Qualifikationen für sehr gut. So viele Frauen? „Das ist Zufall. Die Frauen haben sich eben im Bewerbungsgespräch durchgesetzt. Ein Mann hätte es aber auch vielleicht schwer bei uns“, lächelt sie. Doch hinter den Zahlen steckt mehr: Die Frauenanteil beim VdK Lichtenfels liege bei 83,4 Prozent, davon arbeiten 48,7 Prozent in Teilzeit – ein möglicher Grund für diese Quote könnte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei diesem Arbeitgeber sein.

Doch neben dieser Chance gibt es noch weitere Möglichkeiten, spezielle Talente in die eigene Arbeit einfließen zu lassen: „Man muss ein Allrounder sein“, zählt die Kreisgeschäftsführerin auf. „Man muss sowohl mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen umgehen können als auch mit Mitarbeitern. Flexibel sein. Am Empfang muss man zum Beispiel auch viel abfedern können. Ich muss sicher Vorträge halten können. Es geht immer darum, viele Bälle gleichzeitig zu jonglieren. Das konnte ich zum Glück schon immer“.

Wird der VdK angesichts wachsender Sorgen jünger?

„Schon immer“ scheint es im Sprachgebrauch auch den VdK zu geben: Dessen Wurzeln liegen tatsächlich weit zurück: Obwohl Sozialrechtsberatungen früher schon Teil der Arbeit des Bayerischen Roten Kreuzes waren, konnte erst 1948 ein eigener Verein gegründet werden – der stetig wuchs. Im Bereich Sozialrecht, insbesondere Rentenversicherungs- und Schwerbehindertenrecht, wurden im Jahr 2019 etwa 2420 Einzelberatungen geleistet. Dabei wurden fast 4000 Fragen der Mitglieder beantwortet.

Anlaufstelle bei sozialen Fragen ist die Geschäftsstelle des VdK-Kreisverbands Lichtenfels. Foto: Corinna Tübel

Kein Wunder: Laut einer Studie haben 80 Prozent der Erwerbstätigen Angst, später nicht von ihrer Rente leben zu können. Zur Zeit herrsche bei vielen Menschen aber auch eine verstärkte Unsicherheit bei den Themen Kranken- und Pflegeversicherung – entstanden sicherlich durch die Corona-Pandemie und die Beschäftigung mit der eigenen Gesundheit. Nicht nur bei Senioren. „In der Regel kommen die Menschen ab einem Alter von 50 oder 55 Jahren zu uns und stellen die ersten Anfragen. In letzter Zeit können wir aber auch einen Zuwachs an jüngeren Mitgliedern verzeichnen. Da geht es oft auch um psychische Erkrankungen und Fragen zur Erwerbsminderungsrente zum Beispiel“, erklärt die Kreisgeschäftsführerin.

Doch auch die Corona-Pandemie hat den VdK Lichtenfels nicht verschont: „Die starke persönliche Beratung, die uns auszeichnet, mussten wir durch Telefonberatung ersetzen“, so Christine C. Rieder. „Das wurde aber sehr gut angenommen und alle waren verständnisvoll. Wir waren aber durchgängig für die Mitglieder da und konnten alle Fristen für Anträge und anderes einhalten.“

Seit 11. Mai können die Ratsuchenden wieder persönlich betreut werden. Voraussetzungen sind ein Termin, die Notwendigkeit sowie das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung. Selbstverständlich werde auch der gesetzliche Abstand gewahrt, ein Desinfektionsmittelspender im Eingangsbereich verstärkt die zusätzlichen Hygienemaßnahmen.

Überdurchschnittliches ehrenamtliches Engagement in Lichtenfels

Bei aller beruflicher Erfahrung hebt Christine C. Rieder die Lichtenfelser aber hervor: „In Lichtenfels finde ich ein überdurchschnittlich engagiertes Ehrenamt vor, das die ganze Versorgung mitträgt. Durch die Corona-Krise unterbrochen finden sonst viele Veranstaltungen, Wanderungen, Kaffeefahrten, Sammlungen und Vieles mehr statt. Das ist ein schönes Netz hier“, schwärmt sie. „Und hier läuft viel von Mund zu Mund: Wenn ein Mitglied zufrieden ist, dann erzählt er das weiter an seine Freunde und Bekannten. Die werden dann auch neugierig und kommen zu uns …“

Die Rede ist von rund 170 Ehrenamtlichen, die mit viel Herzblut das „seltene Gut Zeit mitbringen“, so Christine C. Rieder. In den kommenden Jahren möchte der VdK Lichtenfels die Mitgliederzahl steigern – von neun Prozent der Bürger auf zehn Prozent. Daher appelliert sie an die Menschen, die Beratung am Telefon oder persönlich, wenn notwendig, in Anspruch zu nehmen und nichts „auf die lange Bank zu schieben“. Die Kreisgeschäftsführerin ist sich aber auch bewusst: Wenn es mehr Mitglieder gibt heißt das auch: Mehr Menschen haben Probleme.

Den Ausgleich für ihre berufliche Tätigkeit erlebt die engagierte Powerfrau, die im Landkreis Coburg wohnt, daher – kaum verwunderlich – in asiatischer Kampfkunst und Qi Gong. Doch es spricht auch eine gewisse Sinnlichkeit aus Christine C. Rieders Worten und Einstellung. Im Gespräch gibt sie der Reporterin ein Kalenderblatt mit einem Zitat von Edith Clarke mit: „Es gibt keine Nachfrage an weiblichen Ingenieuren, wie es auch keine nach weiblichen Ärzten gibt; aber es gibt immer eine Nachfrage nach Leuten, die gute Arbeit leisten.“

Von Corinna Tübel

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