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LICHTENFELS

Trainieren zu Zeiten von Corona: Keine Dusche nach dem Sport

Thorsten Wagner trainiert die Damen des Tennisparks Lichtenfels. Foto: Corinna Tübel

Die gelben Bälle fliegen wieder über's Netz, aber den roten Sand müssen die Damen und Herren wohl oder übel mit nach Hause nehmen. Denn sowohl Duschen als auch Umkleiden dürfen noch nicht benutzt werden.

Dennoch ist die Stimmung auf den Plätzen der heimischen Tennisvereine gut. „Wir sind froh, dass wir endlich wieder draußen spielen können“, freut sich Susanne Mehl, Spielerin der Damenmannschaft des Tennisclubs Lichtenfels 1906. In der vergangenen Woche seien sogar zwölf Damen beim Training gewesen. „Das wird aber schnell wieder nachlassen“, lacht sie.

Sie ist fertig mit dem Training, kam zuvor direkt von der Arbeit und trägt nun den roten Sand wohl oder übel mit nach Hause. Keine Nutzung von Duschen und Umkleidekabinen: Das ist eine der Bestimmungen, die der Bayerische Tennisverband kürzlich erlassen hat. Ebenso heißt es dort: „Es ist dafür zu sorgen, dass nicht mehr als fünf Personen einen Tennisplatz gleichzeitig nutzen. Das Training muss kontaktlos erfolgen, das heißt, es darf keine Demonstration am Schüler stattfinden, und die Spieler müssen den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten.“

Ein Tennisball lässt sich nicht desinfizieren

Aber Vorsichtsmaßnahmen haben im Sport ihre Grenzen. Flächen und Gegenstände kann man desinfizieren, Tennisbälle nicht. Sie würden kaputt gehen. Nach einer kurzen Aufwärmrunde geht es ans Einspielen, dann folgen mehr Einzelspiele als Doppel.

Am 20. Juni könnte für die Damen wieder der Wettspielbetrieb starten. Wer sich von den anderen Mannschaften noch in der Liga beteiligt, ist jedoch noch ungewiss. „Schade ist auch, dass die Geselligkeit als Team etwas leidet. Das Zusammensitzen danach ist ja auch immer schön. Aber es ist schön, wieder rauszukommen! Wir machen das Beste draus“, so Spielerin Monika Schütz.

Auch zwei Jugendliche und viele Herren haben sich am Mittwoch Abend auf den Plätzen des TC Lichtenfels 1906 eingefunden. 1. Vorsitzender Heinz Bittermann freut sich ebenfalls: „Wir spielen und haben Spaß. Ich sehe eigentlich keine Infektionsgefahr auf dem Platz beim Tennis.“

Wenn den Tennisvereinen eine Hallennutzung bisher untersagt war, so dürfen nun zumindest die Clubterassen seit kurzem wieder öffnen. Die Resonanz derjenigen am Main ist groß – nach und nach trudeln viele Sportler und Zuschauer ein, die das Treiben auf den Plätzen – natürlich mit Abstand zum „Nachbarn“ – verfolgen.

Stammteam zeigt guten Zusammenhalt

Im Tennispark Lichtenfels fanden sich am Mittwoch Abend sechs Damen zum Training ein, die gesamte Stammmannschaft, die einen guten Zusammenhalt zeigt. Das Abstandsgebot funktioniere auch hier sehr gut – „auf dem Platz sowieso. Da stehen die Bänke auch weit auseinander. Jeder stellt seine Tasche auf eine separate Bank“, so ihr Trainer Thorsten Wagner. Auch, wenn maximal fünf Personen einen Tennisplatz gleichzeitig nutzen dürfen, spielten die Damen mit ihrem Trainer zu sechst auf drei Plätzen. Nach der achtwöchigen Trainingspause merkt man den Damen keinen Fitnessrückstand an. Er ist sich sicher, dass viele sich zu Hause fit gehalten haben.

„Ich bin mit der momentanen Regel vier plus eins sehr zufrieden, dass heißt ich kann mit bis zu vier Leuten auf einem Platz Training machen, wenn ich dafür Sorge trage, dass die notwendigen Abstände eingehalten werden. Da ich im Moment nur Training mit Erwachsenen mache, ist das überhaupt kein Problem! Und für den Notfall, zum Beispiel bei einer Verletzung, hab ich immer einen Mundschutz in der Tasche. Bei Kindertraining wäre ich da etwas vorsichtiger und würde eher nur mit zweier Gruppen arbeiten. Alles in allem bin ich natürlich überaus glücklich , dass ich zumindest meiner Arbeit als Tennis- Trainer wieder nachkommen kann. Ob ich dieses Schuljahr noch mal Sportunterricht an der Schule machen kann, wage ich leider zu bezweifeln“, erklärt Thorsten Wagner.

Mathilde Hofmann vom Tennisclub Lichtenfels freut sich, wieder trainieren zu dürfen. Foto: Foto:Corinna TübeL

Dennoch überlegt das Team noch, ob es an den kommenden Mannschaftswettkämpfen teilnehmen oder davon zurückziehen soll. Bislang gibt es vom Bayerischen Tennisverband noch keine konkreten Informationen zum Spielablauf: Können überhaupt Doppel gespielt werden? Wie ist das mit dem Duschen im Anschluss an?s Spiel? Wie sieht die Bewirtung aus? All das gehört zu einem „normalen“ Wettkampf dazu, so Thorsten Wagner.

So manche Frage ist noch ungeklärt

Ihn beschäftigt auch die Frage, wie „seine“ Damen zu den Spielstätten gelangen. Müssten alle einzeln fahren? „Sonst sind wir immer alle zusammen in meinem Bus gefahren!“

Als einer der wenigen Sportstätten nahmen die beiden Tennisvereine in Lichtenfels, der TC Lichtenfels sowie der Tennispark Lichtenfels, die Herausforderung eines Corona-bedingt eingeschränkten Trainings an. Viele andere Sportvereine „dürfen“ zwar seit zwei Wochen auch wieder ein Training abhalten, empfinden jedoch die Umsetzung der sportartspezifischen Detailregelungen als zu aufwendig oder das Training in Folge nicht mehr effektiv. Dies gilt sowohl für die meisten Turnvereine, als auch Fußballvereine.

Aus einem Auszug des Bayerischen Fußballverbandes (Stand 20. Mai 2020) heißt es etwa: Ein Mannschaftstraining sei nur in Kleingruppen (maximal fünf Personen inklusive Trainer/Betreuer) erlaubt. Das Verlassen des Sportgeländes erfolgt direkt nach dem Training; das Duschen erfolgt zu Hause. Nach dem Training werden die verwendeten Trainingsmaterialien möglichst desinfiziert.

Doch auch, wenn es die Tennisspieler möglicherweise leichter haben als die Fußballspieler: Die Fußballspieler haben es sicherlich besser als beispielsweise die Ringer, die wohl noch sehr, sehr lange auf die Wiederaufnahme ihres Sportes warten müssen…

 

Von Corinna Tübel

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