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LICHTENFELS

Lichtenfels: Stiller Protest gegen rechtsnationale Polemik

Mitglieder des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Bündnismitglieder von „Lichtenfels ist bunt“ und die „Omas gegen Rechts“; beim stillen Protest in Lichtenfels. Foto: Steffen Biskupski

„Lichtenfels ist bunt“-Sprecher Carsten Gick ging beim Treffen auf die jüngste Kundgebung auf dem Marktplatz ein, zu der unter dem Motto „Wir müssen reden!“ ein polizeibekannter Lichtenfelser Taxifahrer eingeladen hatte. „Eine Demo gegen alles“, fasste Tanja Vincent die dumpfen Thesen in Worte, die da unter dem hellblauen Pavillon einer selbst ernannten Alternative verbreitet wurden.

„„Immerzu neutral zu bleiben, kann ein gefährliches Spiel mit dem Feuer sein.“
Tanja Vincent, „Lichtenfels ist bunt“

Besonders befremdlich für Pfarrerin wie DGB-Kreisvorsitzenden gleichermaßen: Das polemische Gehetze fand ausgerechnet an einem stillen Feiertag statt, am Totensonntag. „Lichtenfels ist bunt“ wollte das nicht unkommentiert stehen lassen, organisierte in Sichtweite einen überwiegend stillen Protest. DGB und die „Omas gegen rechts“ schlossen sich an. „Wir waren bewusst nur eine kleine Gruppe im knapp zweistelligen Bereich, stellvertretend für die vielen Leute, die hinter uns stehen“, so Carsten Gick. Mehr hätte das Ordnungsamt an dieser Stelle wohl auch nicht genehmigt.

Trotz AfD-Europapolitikerin kommen weit weniger Zuhörende als gedacht

Zur Freude der „bunten Lichtenfels er“ war auch weniger als die Hälfte der vom taxifahrenden Initiator erhofften Personen gekommen, trotz rechtsnational gesinnter AfD-Europaabgeordneter als Hauptrednerin. „Und vor allem ganz viele Auswärtige, nicht aus Lichtenfels selbst“, so Heinz Gärtner.

Ob diese Demonstration am Totensonntag Auftakt zum deutschlandweit angekündigten „heißen Herbsts“ ist? Das sei unklar bis fraglich laut den Mitgliedern des Bündnisses. Wie Gick ausführte, gebe es auch weiter die Montagsproteste im Landkreis. Oft seien es aber Kleinstgruppen, die auf den Plätzen vor den Rathäusern verloren wirken.

In Bad Staffelstein allerdings sei immer wieder der rechtsextreme „III. Weg“ aktiv, so Carsten Gick. „Wer sich da anschließt, ist zweifelsohne ganz schön weit rechts“, sagte Tanja Vincent.

Gerade „Der III. Weg“ fällt immer wieder negativ auf. Ein Beispiel aus dem gar nicht so weit entfernten Ebern: Jüngst hatte dort das Friedrich-Rückert-Gymnasium einen Elternabend zu queeren Themen angekündigt. Rechtsextreme planten darauf hin, am gleichen Tag wie der Elternabend, einen Marsch in Richtung Schule und eine Kundgebung unter dem Motto „Schützt eure Kinder“.

Der Landrat im Kreis Hassberge stellt sich gegen die Neonazis

Sehr zur Freude von Tanja Vincent stellte sich der Landrat des Landkreises Haßberge ganz klar auf die Seite der weltoffenen Bürger und zeigte klare Kante gegen die Neonazis. „Immerzu neutral zu bleiben, kann ein gefährliches Spiel mit dem Feuer sein“, sagte die Pfarrerin. Ein deutlicher Hinweis in Richtung heimischer Lokalpolitik. (mdr)

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