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KLOSTERLANGHEIM

Stephan Mösinger: Abt Langheim und Baumeister Vierzehnheiligen

Stephan Mösinger: Abt Langheim und Baumeister Vierzehnheiligen
Portrait des Abt Stephan Mösinger von Georg Friedrich Weigand aus dem Jahr 1744. Foto: Repro: Gerald Raab

„Vom Tellerwäscher zum Millionär“: So wird häufig der berühmte amerikanische Traum prägnant auf den Punkt gebracht. Inwiefern so ein Aufstieg wirklich heutzutage noch möglich ist, das sei freilich einmal dahingestellt. Im Blick auf den Langheimer Abt Stephan Mösinger könnte man diese Motto ein bisschen umformulieren: „Vom Müllersohn zum Baumeister von Vierzehnheiligen“.

Seine Spuren sind bis heute im Gottesgarten am Obermain sichtbar

Und das ist kein Traum, sondern die wirkliche Biographie eines Mannes, dessen Spuren bis heute im Gottesgarten sichtbar sind.

Die biographischen Angaben über das Leben von Mösinger sind rar: Am 19. März 1697 wurde er in Haßfurt als Sohn des Müllers Johann Mösinger und seiner Frau Anna Dorothea geboren. Die Eltern ließen den Sohn, über dessen Kindheit nichts bekannt ist, auf den Namen Andreas taufen. Mit sechzehn Jahren kam Mösinger an die Universität Würzburg, wo er sich für das Studium der Philosophie einschrieb.

Obwohl er mit dem Magister der Philosophie abschloss, waren seine Perspektiven zur damaligen Zeit begrenzt. Immerhin stammte er aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Für einen Aufstieg in der ständischen Gesellschaft standen ihm nur zwei Wege zur Verfügung: eine militärische Laufbahn oder der Eintritt in ein Kloster.

Andreas wird zum Stephan und tritt unter Abt Knauer ins Kloster ein

Stephan Mösinger: Abt Langheim und Baumeister Vierzehnheiligen
Ansicht der neuen Kirche in Vierzehnheiligen aus dem Buch „Das wunderthätige Franckenthal“ aus dem Jahr 1772 Foto: red

Andreas Mösinger entschied sich für Letzteres und kam 1717 unter Abt Gallus Knauer als Novize ins Kloster Langheim, wo er den Ordensnamen Stephan annahm. Bereits im Jahr darauf feierte er Profess und wurde am 15. März 1722 zum Priester geweiht.

Sein weiterer Weg im Kloster führte ihn an bedeutungsvolle Stellen: Zunächst wurde er vom Abt zum Subprior berufen, später zum Novizenmeister und Professor für Philosophie ernannt. Eine hervorragende Laufbahn, die ihm Jahr 1734 ihre Krönung erhalten sollte.

Am 3. Januar des Jahres war Abt Martin Wolf verstorben; gemäß des gewohnten Prozedere wurden der Abt von Ebrach sowie die Bamberger Regierung von der anstehenden Neuwahl unterrichtet. Letztere gab sofort den Befehl, dass sich die Lichtenfelser Bürgerwehr mit 20 Mann nach Langheim begeben sollte, um das Kloster während der Vakanz zu schützen.

Bamberger Regierung macht ihren Einfluss geltend

Stephan Mösinger: Abt Langheim und Baumeister Vierzehnheiligen
Die Kreuzkapelle in Isling, die unter dem Pontifikat von Abt Mösinger erbaut wurde. Foto: Fabian Brand

Freilich steckte hinter dem Aufbegehren der Regierung in Wirklichkeit etwas ganz anderes: Es war der Streit um die Reichsunmittelbarkeit der Abtei, der schon lange im Hintergrund schwelte und immer wieder aufflammte. Die Wahl eines neuen Abtes war für die Regierung eine willkommene Gelegenheit, um zu zeigen, dass die Mönche gewissermaßen nicht machen konnten, was sie wollten. Die politische Herrschaft wollte bei solchen Anlässen immer auch ihre Ansprüche geltend machen.

Die Langheimer nahmen dieses Verhalten nicht unkommentiert hin: Denn als die Bürgerwehr die Abtei erreichte, stand sie vor verschlossenen Türen. Erst nach zähen Verhandlungen mit dem Prior konnten die Lichtenfelser die Abtei betreten, allerdings nur in der halben Stärke.

Auch den Beamten der fürstbischöflichen Kommission erging es nicht viel anders; der Konvent verweigerte nicht nur den Treueid auf den Fürstbischof, sondern versteckte auch Großteile der klostereigenen Finanzen, um sich einer Überprüfung durch die Kommissäre zu entziehen.

Am 26. Januar 1734 wird der 36-Jährige zum Abt gewählt

Am 26. Januar 1734 traten die Mönche schließlich zusammen, um im ersten Wahlgang den 36-jährigen Stephan Mösinger zum neuen Abt zu wählen. Der Würzburger Weihbischof Johann Bernhard Meyer erteilte ihm im August desselben Jahres die Abtsbenediktion in der Langheimer Klosterkirche.

Bei seinen Mönchen war Abt Stephan beliebt, was vermutlich nicht nur an seiner großen Frömmigkeit, sondern auch an seinem Gerechtigkeitssinn lag. Posthume Beschreibungen bezeichnen ihn als „einen Mann voll Sanftmut und heiligen Eifers“, sowie als „bescheidenen, einsichtsvollen Mann“. Eine seiner Schwächen jedoch scheint die Jagd gewesen zu sein: 35 Gewehre und 10 Paar Pistolen hatten sich im Privatbesitz des Abtes befunden.

Beliebt, gerecht und vorbildlich in der Wirtschaftsführung

Auch in der Wirtschaftsführung war Stephan Mösinger vorbildlich: Großen Wert legte er nicht nur auf exakte Buchhaltung, sondern er reduzierte auch die Zahl der Klosterbediensteten, um den Haushalt des Klosters auszugleichen. Dennoch neigte der Abt auch zu großer Prachtentfaltung, womit er den für sich beanspruchten Status herausstellte. Es heißt, die Abtskollegen hätten des Öfteren geäußert, man hätte Mösinger auch für einen Fürsten halten können, wenn man nicht wüsste, dass er Abt von Langheim sei.

Vermutlich war genau dies auch der eigene Anspruch des Abtes: Der Versuch, sich mit den adeligen Herrschern auf Augenhöhe zu bewegen. Und dies sollte auch architektonisch zum Ausdruck kommen: Soweit es die Klosterkasse erlaubte, ließ er die Abtei im barocken Stil umbauen. Auch den Neubau der Wallfahrtskirche von Vierzehnheiligen hatte Mösinger maßgeblich zu verantworten. Dafür engagierte er zunächst den Architekten Gottfried Heinrich Krohne, der aber schließlich nach einem Veto des Fürstbischofs durch Balthasar Neumann ersetzt wurde.

Wallfahrtskirche noch im Rohbau, als er 1751 mit 54 Jahren stirbt

Die prächtige, barocke Wallfahrtskirche befand sich noch im Rohbau, als Abt Stephan Mösinger am 3. September 1751 im Alter von 54 Jahren starb. Was er hinterlassen hat, war ein wohlgeordnetes Kloster sowie der Grundstock für ein bedeutendes Bauwerk, das bis heute hoch über dem Gottesgarten thront: die Basilika Vierzehnheiligen.

 

Von Fabian Brand

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