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LICHTENFELS

Stefan Klerner erzählt aus seinem Schiedsrichter-Leben

Stefan Klerner erzählt aus seinem Schiedsrichter-Leben
Es ist die typische Handbewegung des Mannes mit der Pfeife. Der Pfiff des Schiedsrichters dient zur Klärung der Situation. Stefan Klerner hat deshalb seine Pfeife stets griffbereit. Die gelbe und die rote Karte kommen nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Foto: Klaus Gagel

In Sachen Fußball denken Jungs in erster Linie ans Kicken und Tore schießen. Die Rolle des Schiedsrichters bleibt da außen vor. Und dennoch gäbe es ohne den unparteiischen Mann in Schwarz keine offizielle Begegnung zweier Mannschaften, keinen geregelten Auf- und Abstieg, gäbe es keine Euphorie im Stadion. Gleichzeitig ist der Schiedsrichter um seine Aufgabe nicht zu beneiden. „Schiri ans Telefon!“, zählt da noch zur nettesten Form der Kritik. Es kann auch heftiger kommen – bis hin zu Handgreiflichkeiten.

Was bringt also einen jungen Mann dazu, sich dennoch dieser verantwortungsvollen Aufgabe zu stellen? Stefan Klerner aus Lichtenfels ist von Jugend an Schiedsrichter. Er zählt zu den Besten, nicht nur im Raum Oberfranken. Als Schiedsrichter-Assistent ist er bis hinauf in die Regionalliga unterwegs. Vor gar nicht allzu langer Zeit leitete er das Pokalspiel Eintracht Bamberg gegen Bayern Hof.

Dem DJK Franken Lichtenfels hält er bis heute die Treue

Seine Karriere in Sachen Fußball begann als Jugendspieler bei der DJK Franken Lichtenfels, ein Verein, dem er bis heute die Treue hält. Erste Impulse in Sachen Schiedsrichter kamen von seinem Bruder Matthias und von seinem Vater Wolfgang Klerner, dem langjährigen Schiedsrichterobmann. Den letzten Anstoß gab allerdings die Leistung einzelner Schiedsrichter. „Meckern ist nicht so mein Ding, wenn, dann muss man es besser machen“, bekennt er freimütig.

Nach der Teilnahme an einem Neulingslehrgang in Theorie und Praxis pfiff er als 15-Jähriger nach bestandener Prüfung die ersten Jugendspiele. Bei den ersten Einsätzen gab?s noch die Unterstützung in Form von Tipps durch einen erfahrenen Kollegen.

„Experten und solche, die sich dafür halten, gibt es überall. Da erlebt man immer wieder einmal, dass da der eine oder andere übers Ziel hinaus schießt.“
Stefan Klerner, Schiedsrichter

Dabei ist die Leitung eines Jugendspiels keinesfalls eine einfache Aufgabe. Am Spielfeldrand stehen Eltern und Großeltern, und dass die natürlich „das Beste“ für ihre Kids fordern, das bekommt der Schiedsrichter durchaus zu spüren.

„Experten und solche, die sich dafür halten, gibt es überall. Da erlebt man immer wieder einmal, dass da der eine oder andere übers Ziel hinaus schießt“, weiß Stefan Klerner. Aber so richtig dramatisch hat er es im Gegensatz zu einigen Schiedsrichterkollegen bisher nicht erlebt. Tätlichkeiten in diesem Zusammenhang lehnt er verständlicherweise total ab. „Fußball, das ist Hobby für uns alle. Da gibt es eine Grenze, die es zu beachten gilt.“

Warum für den Schiedsrichter die ersten fünf Minuten wichtig sind

Entscheidend sind oft schon die ersten fünf Minuten in einer Begegnung. Ist es ein freundschaftlicher Kick, oder häufen sich da bereits die Fouls? Wichtig für Stefan Klerner ist in diesem Zusammenhang die Kommunikation, die hilft, Konflikte zu lösen. Wichtig sei es, eine klare Linie zu verfolgen. Das erhöht die Akzeptanz bei Spielern und Zuschauern.

Stefan Klerner erzählt aus seinem Schiedsrichter-Leben
Stefan Klerner beim Wandern in den Bergen. Foto: red

Der Trend zum Videobeweis bis hinein in die Spiele auf Bezirksebene nimmt immer mehr zu. Stefan Klerner sieht diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Wenn?s ums Abseits geht, ist der Videobeweis sicher sehr hilfreich, erklärt er. Schwieriger ist es schon, wenn?s ums Foulspiel geht. Ist das jetzt eine rote Karte oder nicht? Wo und wie genau wurde der Gegner getroffen? Das ist oft eine schwierige Entscheidung.

Auch die Schiedsrichter werden benotet

Und wer entscheidet letztlich über die Qualität eine Schiedsrichters, das heißt, wie hochklassig er pfeift. In der Bayernliga wird zum Beispiel jedes Spiel durch einen Schiedsrichterbeobachter auch benotet. Der Notendurchschnitt entscheidet dann darüber, wie hochklassig jemand pfeifen darf. Dabei spielen natürlich auch noch andere Kriterien eine Rolle, wie etwa Verfügbarkeit, Anzahl der Spiele und die Erfahrung des Schiedsrichters.

Wichtig ist ja auch, dass man das Hobby mit der Ehefrau und dem Beruf auf die Reihe bekommt. Seit knapp einem halben Jahr ist Stefan Klerner verheiratet. Als Lehrer an der Mittelschule in Altenkunstadt unterrichtet er die Jungs und Mädchen in der Abschlussklasse.

Die Ehefrau wusste, was auf sie zukommt. Sie hat sich mit der Rolle ihres Mannes arrangiert. Zudem trifft sie sich gern mit den Frauen anderer Schiedsrichterkollegen.

Stefan Klerner will Werbung machen für sein Ehrenamt

Was seinen Beruf als Lehrer anbelangt, kommt es so gut wie gar nicht zu Überschneidungen. Stefan Klerner pfeift inzwischen fast keine Jugendspiele mehr und wenn, dann auf einer höheren Ebene. Für Schulturniere stellt sich Stefan Klerner mit seinen profunden Kenntnissen andererseits gern zur Verfügung.

Insgeheim hofft er dabei auf seine Vorbildwirkung. Gern appelliert er an die Jugend, sich als Nachwuchsschiedsrichter zur Verfügung zu stellen. Die Teilnehmerzahlen an den Nachwuchslehrgängen sind leider spürbar zurückgegangen. Dabei kann man ja auch noch mit 25 oder 37 Jahren den Einstieg wagen.

„Es macht echt Spaß. Es ist ein Super-Hobby. Man lernt viele Leute kennen.“ Wichtig ist auch die Fitness. Regelmäßiges Joggen lohnt sich, auch mit Blick auf die eigene Gesundheit. Reich wird man allerdings als Schiedsrichter nicht. Die Aufwandsentschädigung deckt gerade mal die wichtigsten eigenen Kosten. Im Vordergrund steht das Hobby, das Spaß macht.

Von Klaus Gagel

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