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LICHTENFELS

Schulen Landkreis Lichtenfels: Zwei Schritte vor, einer zurück

IT-technisch gut aufgestellt zeigt sich die Mittelschule Altenkunstadt – eine Entwicklung, die Rektor Manfred Heinbuch bereits vor Corona vorangetrieben hat. Foto: Mittelschule Altenkunstadt

Bessere Bedingungen für den Präsenzunterreicht, aber auch für das Lernen zuhause – ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen an den Schulen am Obermain zeigt, dass sowohl beim Gesundheitsschutz als auch bei der Digitalisierung Bewegung ins „Spiel“ gekommen ist. Dies betrifft zum einen die Ausstattung von Klassenräumen mit mobilen Luftfiltern und zum anderen die Bereitstellung geeigneter IT-Technik für Schüler und Lehrkräfte. Beides wird derzeit von Bund und Ländern finanziell unterstützt. Doch die Prozesse vor Ort laufen nicht überall reibungslos und zügig ab, sondern werden durch bürokratische Hürde oder auch Lieferengpässe bei IT-Herstellern verlangsamt.

Luftfilter in Räumen mit schlechten Lüftungsbedingungen

Um an den Schulen ein „infektionsschutzgerechtes Lüften“ zu ermöglichen, hat das Bayerische Kultusministerium im Oktober 2020 einen Fördertopf mit 37 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das heißt, die Träger der Schulen können finanzielle Mittel zur Beschaffung mobiler Luftreinigungsgeräte beantragen. Laut Förderrichtlinie sollen diese vor allem für diejenigen Räume beschafft werden, die sich nicht ausreichend durch gezieltes Fensteröffnen lüften lassen. Alternativ können die Geräte aber auch in Ergänzung der Fensterlüftung in Klassen- und Fachräumen zum Einsatz kommen.

Wie sich im Landkreis Lichtenfels zeigt, wird die Förderung von den Schulen je nach räumlichen Gegebenheiten in unterschiedlichem Umfang genutzt. So haben viele Einrichtungen ausschließlich für die Räume, wo das Lüften schwierig ist, Luftreinigungsgeräte beantragt, so zum Beispiel das Meranier Gymnasium Lichtenfels, das Gymnasium und die Realschule Burgkunstadt oder die Grund- und Mittelschule Redwitz. Andere Schulen, darunter die Grundschule Weismain oder die Johann-Puppert-Schule Michelau, haben keinen Bedarf, da die Gebäude saniert und mit Filteranlagen ausgestattet wurden oder werden.

Da sich die Container der Johann-Puppert-Schule Michelau gut durchlüften lassen, hat man keine Luftfilter beantragt. Zudem erhält das eigentliche Schulgebäude ohnehin eine Luftfilteranlage im Zuge der aktuellen Sanierung. Foto: Johann-Puppert-Schule Michelau

Große Fenster und damit ausreichend Lüftungsmöglichkeiten sind wiederum an der Herzog-Otto-Schule und an der Dr.-Roßbach-Grundschule in Lichtenfels der Grund, warum man auf die Beantragung von mobilen Luftfiltern verzichtet hat.

Doch es gibt auch Argumente, die für die Anschaffung sprechen, selbst wenn regelmäßiges Lüften gewährleistet werden kann. Yvonne Seeliger, Leiterin der Grundschule Marktzeuln, verweist hier auf die kalte Jahreszeit, während dieser das Lüften eine zeitraubende Angelegenheit sei: „Wir haben gemerkt, dass durch die Lüfterei in den Herbst- und Wintermonaten kein Unterricht zustande kommt, schon allein weil das An- und Ausziehen der Jacken viel Zeit kostet.“

Auch von anderen Schulleitern ist zu hören, dass man in den Klassen zum Teil gefroren habe „wie die Schneider“ und Luftfilter auch unabhängig von Corona wichtig wären, wie Thomas Carl, Leiter des Meranier Gymnasiums anmerkt.

Cornelia Zauritz, Leiterin der Johann-Puppert-Schule Michelau, begrüßt die Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung. Foto: Johann-Puppert-Schule Michelau

Die Digitalisierung kommt ins Rollen

Mit der Coronapandemie ist auch Bewegung in die Digitalisierung der Schulen gekommen. Immerhin haben sowohl die Bundesrepublik als auch der Freistaat hierfür bereits im Sommer 2020 entsprechende Förderprogramme in Millionenhöhe aufgesetzt. Ob für das Lernen zuhause oder auch im Präsenzunterricht – online-basierte Lern- und Kommunikationswege haben durch die Krise an Bedeutung gewonnen. Dafür wiederum braucht es eine geeignete technische Infrastruktur für die Schülerinnen und Schüler, so dass vor allem für die Beschaffung von Leihgeräten finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt wurden. Nun stellt sich die Frage, wie die Realität vor Ort aussieht und wie schnell Maßnahmen umgesetzt werden konnten.

Rundum zufrieden zeigt sich der Rektor der Mittelschule Altenkunstadt, Manfred Heinbuch: „Wir haben ausreichend Leihgeräte für Schüler und sind gut aufgestellt, auch was die Unterstützung durch regionale IT-Systemhäuser und die Gemeinde angeht, die als Sachaufwandsträger stets zügig gehandelt hat.“ Auch an der Weismainer Grundschule und der Grundschule Markzeuln sehen die Leiterinnen Heike Witzgall und Yvonne Seeliger den Bedarf an Leihgeräten derzeit gedeckt. Insbesondere Tablets seien aufgrund ihrer einfachen Bedienbarkeit für Grundschüler praktisch. Davon abgesehen hat sich auch die Ausstattung in den Klassenzimmern deutlich verbessert: Wo an der Marktzeulner Schule bis vor einem Jahr noch mit Overhead-Projektoren gearbeitet wurde, sind nun Beamer, Laptops und Dokumentenkameras im Einsatz.

Bürokratische und technische Hürden

Doch es gibt auch Schulen, wo die Lage anders aussieht. So stehen an der Dr.-Roßbach-Schule mit über 220 Kindern derzeit nur 20 Leihgeräte zur Verfügung. „Wir haben schon vor längerem Tablets beantragt, aber es ist ein unglaublicher bürokratischer Aufwand damit verbunden“, so Schulleiterin Pia Löffler. Ähnlich äußert sich Christian Förtsch, Leiter der Grund- und Mittelschule in Redwitz. Er betont, dass das Ganze nicht von heute auf morgen geschehe, sondern ein Prozess sei. Dieser fange beim Förderantrag durch den Sachaufwandsträger an und reiche über die Ausschreibung bis hin zur konkreten Umsetzung.

Auch Lydia Münch, Leiterin des Gymnasiums Burgkunstadt, hält eine personaltechnische Aufstockung im Bereich der Systembetreuung für äußerst wichtig. Foto: Gymnasium Burgkunstadt

„Es darf nicht vergessen werden, dass die IT-Dienstleister, die das Ganze umsetzen, deutschlandweit verteilt und auftragstechnisch quasi voll bis oben hin sind. Dementsprechend lang sind deshalb die Wartezeiten. Man stellt es sich einfach vor, aber wenn man mittendrin ist und zum Beispiel Förderanträge mit verschiedensten Instanzen abstimmen und anpassen muss, dann sieht das ganz anders aus “, so Christian Förtsch.

Nicht nur die Bürokratie macht einen Strich durch die Rechnung einer schnellen Umsetzung, sondern auch die Marktsituation, wie Peter Gerhardt, Leiter der Realschule Bad Staffelstein erklärt: „Der Markt ist zum Teil leergeräumt, und die Lieferzeiten sind sehr lange. Wir haben bereits Mitte letzten Schuljahres Geräte bestellt und die Bestellung in reibungsloser Zusammenarbeit mit dem Landratsamt aufgegeben, aber die gewünschte Hardware war bis in den Herbst hinein vergriffen.“

Anderswo wiederum hakt es am Glasfaseranschluss, der vom verantwortlichen Netzanbieter nicht umgesetzt wird, wie das Meranier-Gymnasium aktuell zu spüren bekommt: „Wir sind technisch prinzipiell gut aufgestellt, doch leider speist uns Vodafone gerade ab“, so Rektor Thomas Carl.

Nicht nur Hardware, sondern auch Personal nötig

Auf einen weiteren Aspekt, der im Zuge der Digitalisierungsdebatte gerne vergessen wird, kommt Heike Witzgall, Leiterin der Grundschule Weismain zu sprechen: „Es ist wichtig, dass Geld nicht nur für neue Geräte ausgegeben wird, sondern auch für Schulungen und IT-Personal. Was nützt die beste Ausrüstung, wenn man nicht weiß, wie man damit umgeht?“ Hinzu kommt das Thema Systembetreuung, das zeitlich extrem aufwändig sei, wie die Leiterin der Johann-Puppert-Schule Michelau, Cornelia Zauritz, zu bedenken gibt: „Die wenigen Stunden, die Lehrkräfte für die Systembetreuung angerechnet bekommen, reichen bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken.“

Damit das digitale Lernen, Lehren und Arbeiten reibungslos funktioniert, ist mitunter komplexe Technik nötig. Schulen sind hierbei auf zuverlässige IT-Systemhäuser angewiesen. Foto: Mittelschule Altenkunstadt

Auch Lydia Münch, Leiterin des Gymnasiums Burgkunstadt findet hier klare Worte: „Schulen brauchen dringend IT-Experten, die der Sachaufwandsträger nach Bereitstellung von Mitteln durch die Regierung einstellen darf und die sich unter anderem um die Wartung der Hardware kümmern. Es kann nicht sein, dass hier Lehrer-Ressourcen regelrecht verbrannt werden. Als Schulleiterin habe ich diesbezüglich auch eine Fürsorgepflicht gegenüber der Systembetreuerin.“

Für ein zeitgemäßes Unterrichten und Arbeiten benötigen Lehrkräfte außerdem die erforderliche digitale Ausstattung in Form von Dienstgeräten. Hier stellen Bund und Freistaat Mittel in Millionenhöhe bereit. Doch auch dieser Prozess ziehe sich, wie Bernd Schick, Leiter der Herzog-Otto-Schule Lichtenfels anmerkt: „Es wird zwar überall kommuniziert, dass alle Lehrer Geräte erhalten, doch in der ersten Antragswelle wird das sicher nicht für jede Lehrkraft klappen und dann ist es natürlich schwierig zu entscheiden, wer eins bekommt und wer nicht.“ Auch hier stelle sich, genau wie bei den Schülerleihgeräten, die grundsätzliche Problematik der Systembetreuung, die seiner Meinung nach im politischen System bereits bekannt sein dürfte. Ob und in welcher Weise hier künftig gehandelt wird, bleibt nun abzuwarten.

 

Von Marion Nikol

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