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LICHTENFELS

Schneller, günstiger und nachhaltiger

Straßenbau am Krappenrother Berg: Mit einer solchen Fräse wird das Gemisch untergefräst. Foto: Werner Diefenthal

Eine komplette Straßensanierung, das heißt ein kompletter Neuaufbau, ist normalerweise sehr aufwändig. Zuerst muss alles abgetragen und streng nach Beschaffenheit entsorgt, erst dann kann mit dem Neuaufbau begonnen werden. Bei der aktuellen Baustelle am Krappenrother Berg auf einer Gesamtlänge von 1,45 Kilometern wären dies hunderte Lastwagen, die über Wochen und Monate hin- und herfahren, dabei tausende Kubikmeter Aushub bewegen und Füllmaterial herbeischaffen müssten.

Die Stadt Lichtenfels geht einen anderen Weg und stellte diesen am Freitag Bürgermeistern sowie den Verantwortlichen der Bauhöfe und Bauverwaltungen vor. Statt konventionell zu arbeiten, wird hier das anfallende Material aus dem Aushub nicht weggefahren. Mittels einer großen mobilen Fräse wird das Material abgetragen, zerkleinert und mit Wasser sowie einem speziellen Betongemisch wieder eingebracht. Im Anschluss wird es verdichtet und planiert, kurz darauf kann dann der Asphalt wieder aufgetragen werden.

Nach der Aushärtung ist die Oberfläche bereit für den Asphalt. Rechts sieht man den fertigen Unterbau. Foto: Werner Diefenthal

Kein teures Füllmaterial kaufen

Georg Deuerling, Sachgebietsleiter und Leiter im Straßen- und Kanalbau, stellte die Methode vor. Die Vorteile, so Deuerling, wären einerseits eine Kostenersparnis, denn einen großen Anteil habe die Entsorgung des abgetragenen Materials. Weiterhin muss kein teures Füllmaterial mehr gekauft werden. Damit leiste die Stadt Lichtenfels einen Beitrag zur Ressourcenschonung und verbessere mit dieser Methode auch die CO2 Bilanz, denn weniger Lastwagen-Verkehr bedeutet weniger CO2 Ausstoß. Nicht zu vergessen die gestiegenen Kraftstoffkosten.

Doch der größte Vorteil, so Deuerling, wäre, dass die Gesamtbauzeit von sechs Monaten auf rund acht Wochen verkürzt würde. Es mache einen großen Unterschied, ob man ein halbes Jahr eine möglicherweise lange und zeitaufwendige Umleitung fahren müsse oder nur wenige Wochen. „Das macht sich am Ende im Geldbeutel der Anwohner bemerkbar, vor allem bei den jetzigen Spritpreisen“, so Deuerling weiter.

Ende September soll letzte Asphaltschicht aufgetragen werden

Geplant sei, dass Ende September bereits die letzte Asphaltschicht aufgetragen wird. „Während dieser Arbeiten ist der Wertstoffhof für Privatanlieferungen kurzzeitig nicht erreichbar, der genaue Termin und die Dauer werden in der Tagespresse bekannt gegeben“, ergänzte Deuerling. „Wir möchten dafür um Verständnis bitten.“ Doch nicht nur der Krappenrother Berg wird in diesem Zuge saniert. Vor dem Tierheim wird ebenfalls die Straße wieder in Ordnung gebracht und ein Gehweg angelegt.

Auch Erster Bürgermeister Andreas Hügerich wies in seiner kurzen Ansprache auf das Einsparpotenzial und vor allem auf die Klimabilanz des Verfahrens hin. „Wir gehen hier einen neuen Weg. Als eine der ersten Kommunen in Bayern setzen wir hier auf Nachhaltigkeit und damit auch auf Klimaschutz“, so Hügerich. „Und wir wollen den anwesenden Bürgermeistern der Nachbarkommunen sowie den Verantwortlichen der Bauhöfe und Bauverwaltungen dieses System nahebringen.“

Mittels Zugabe von Wasser wird im Verbund der Unterbau ausgehärtet. Foto: Werner Diefenthal

Ottmar Rienhoff-Gembus von der Firma IBS zeigte in einer Präsentation, welche enormen Einsparungen durch dieses Bauverfahren möglich sind. „In Summe sind dies rund 80 Prozent weniger CO2 Emissionen, die wir hier einsparen. Und das bei einer mindestens genau so hohen, wenn nicht sogar höheren Belastbarkeit der Straßen.“ Alle Ressourcen, die man für den Bau der Straße benötigte, wären mit Ausnahme der Deckschicht bereits vorhanden. Hier wären Einsparungen in der Größenordnung von bis zu 85 Prozent bei der zeitlichen Ausführung, 83 Prozent bei Treibstoff und 93 Prozent beim Lastwagen-Verkehr erreichbar. Und das bei einer Qualität, die der von einem Autobahnbau für Schwerlastverkehr entspricht.

Neue Sanierungs-Methode bei künftigen Planungen berücksichtigen

Bei einer Baustellenbesichtigung, die sich anschloss, konnten sich die Gäste von der Arbeitsweise und der Geschwindigkeit, in der eine solche Sanierung vor sich geht, überzeugen. Man begutachtete vor allem die gewaltige Fräse, mit der das Material abgetragen, zerkleinert und wieder eingebracht wird. Man war sich einig, dass diese Methode gegenüber der herkömmlichen Art und Weise seine Vorteile habe und man dies bei zukünftigen Planungen berücksichtigen werde.

 

Von Werner Diefenthal

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