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LICHTENFELS

Schachmeisterschaft: Geschickter Zug gegen Corona

So sehen Sieger in Zeiten des Online-Schachs aus... Foto: Michael Kolb

Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Am Donnerstag, 21. Mai, stellte sich einmal mehr heraus, wie außergewöhnlich ideenreich Schach auch und gerade unter ungünstigen äußeren Bedingungen zu Zeiten Coronas sein kann: Maßgeblich in Person seines rührigen 2. Vorsitzenden Kilian Mager richtete der Schachverein Seubelsdorf (SVS) zu Christi Himmelfahrt die erste offene Lichtenfelser Online-Meisterschaft im königlichen Spiel aus.

Damit belebte der SVS eine Tradition des späten 20. Jahrhunderts auf eine zeitgemäße Weise wieder. Stadtmeisterschaften gab es in der Korbstadt nämlich bereits in den 1970er und 1980er Jahren: 1979 anlässlich der 50-Jahres-Feier des Vereins; 1981 zum 750-jährigen Stadtjubiläum; und zuletzt 1987 als Veranstaltung für nicht im Verein organisierte Schachfreunde.

Schon aus diesem Anlass war in der Presse von einem Versuchsballon die Rede. 34 Jahre später stieg nun erneut ein solches Gefährt auf, nun allerdings in einen damals der Öffentlichkeit noch unerschlossenen Raum: in das virtuelle Gelände des Online-Schachs. Unabhängig von jeder Anbindung an einen Verein oder einen Ort konnten sich alle Interessierten über die kostenlose und werbefreie Schachplattform „lichess.org“ beteiligen. Über das Internet erfolgte auch die Ausschreibung dazu.

20 Spieler nehmen teil

Ihr folgten 20 Personen, unter denen der SVS mit acht Spielern das größte Kontingent stellte. Auch von den insgesamt sieben Jugendspielern, die teilnahmen, stellte der SVS vier. Es waren vorwiegend Vereinsspieler aus Oberfranken vertreten. Drei Teilnehmer gesellten sich aus Mittelfranken dazu und drei andere aus weiter entfernten Orten wie Annaburg, Eschborn und Wismar.

In diesem Feld wurden zwischen 9.30 und 11 Uhr insgesamt 126 Partien ausgetragen, von denen nur sieben Prozent friedlich endeten. Einen Anreiz für dieses kämpferische Schach bot auch die Regel, für einen Sieg drei Punkte zu vergeben und für ein Unentschieden nur einen. Die Bedenkzeit betrug drei Minuten pro Partie plus zwei Sekunden Zuschlag pro Zug.

Temporeich und spannend

Für temporeiches Spiel war daher gesorgt, ohne dass bloße Schnelligkeit entscheiden musste. Gespielt wurde dabei auch um Preise: 30, 25 beziehungsweise 20 Euro für den ersten, zweiten und dritten Platz sowie jeweils 15 Euro für den besten Jugendlichen und den besten Lichtenfelser.

Nach spannendem Verlauf war die erste Stufe auf dem Siegespodest gleich doppelt besetzt. Zwei Seubelsdorfer Spitzenspieler kamen gänzlich gleichauf ans Ziel: Fide-Meister Jürgen Gegenfurtner und Jugendspieler Tobias Kolb erreichten beide 33 Punkte und teilten sich daher die Preisgelder. Auf den dritten Platz kam ein Spieler, der sein Pseudonym „Discovered Attacker“ gewahrt wissen möchte.

Da Kolb bereits den geteilten ersten Preis errungen hatte, ging der Preis an den besten Jugendlichen an Connor Koppe (15 Punkte, Platz 10). Als bester Lichtenfelser wurde der Seubelsdorfer Spielleiter Christian Gebhardt (12 Punkte, Platz 11) prämiert.

Die Beteiligten äußerten Vorfreude auf eine neue Auflage dieses Turniers, das ohne jegliche Beanstandungen organisiert werden konnte. In der regionalen Schachwelt sorgte es für vertiefte virtuelle Verbundenheit, so dass sich alle Teilnehmer und Verantwortliche zu guter Letzt als Sieger über die Vereinzelung fühlen durften.

Von Uwe Voigt

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