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LICHTENFELS

Salamanderpest im Landkreis Lichtenfels?

Salamanderpest im Landkreis Lichtenfels?
Ein mit Bsal infizierter Feuersalamander in fortgeschrittenem Stadium. Foto: Plewnia/Böning

Wie die Kreisgruppe Lichtenfels des Bund Naturschutz (BN), mitteilt, haben aufmerksame Wanderer in der Nähe des Abenteuerspielplatzes am Kordigast auf dem Feldweg Richtung Steinerne Hochzeit kürzlich einen toten, aber unverletzten Feuersalamander mit deutlichen Hautveränderungen entdeckt und ein Foto des Tieres an den BN geschickt.

Dieses wurde an die Universität Trier weitergeleitet, dort wird unter anderem die „Salamanderpest“ untersucht. Die Hautveränderungen könnten auf eine Infizierung mit dieser hochgradig gefährlichen Krankheit hindeuten. Bei der Nachsuche durch ein BN-Mitglied konnte der Salamander leider nicht mehr aufgefunden werden, womit nicht sicher festgestellt werden kann, ob es sich tatsächlich um diese Krankheit handelt. Denn dazu wären ein Hautabstrich und eine Untersuchung im Labor nötig.

Bsal ist ein äußerst aggressiver und hoch infektiöser Hautpilz

Hinter der Salamanderpest verbirgt sich der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal. Dabei handelt es sich um einen äußerst aggressiven und hoch infektiösen Hautpilz, der vor allem für Feuersalamander, aber auch für Molche, eine große Gefahr darstellt. Er kommt ursprünglich aus Asien, wo heimische Schwanzlurche von ihm befallen werden, jedoch aufgrund natürlicher Abwehrstrategien nicht daran sterben.

Der Pilz ist sehr wahrscheinlich mit dem internationalen Tierhandel für die Terrarienhaltung nach Europa gebracht worden und durch infiziertes Material (Erde, Wasser) oder ausgesetzte infizierte Tiere in die freie Natur gelangt. Beim heimischen Feuersalamander führt eine Ansteckung fast immer zum Tod. Die Symptome – Geschwüre und Löcher auf der Hautoberfläche, letztere nicht zu verwechseln mit den Drüsen – sind jedoch erst in einem sehr späten Stadium der Krankheit erkennbar.

Tote Salamander der BN-Kreisgruppe melden

Der BN bittet die Bevölkerung daher, tote Salamander ohne offenkundige Verletzungen und lebendige Tiere mit deutlich sichtbaren Hautveränderungen aus dem Landkreis Lichtenfels mit genauem Fundort und möglichst einer scharfen Nahaufnahme des Tieres an lichtenfels@bund-naturschutz.de zu melden. Der Pilz ist für Menschen völlig ungefährlich, allerdings sind Menschen Überträger von Bsal, zum Beispiel durch Schuhe, Arbeitsgeräte und Fahrzeuge. Die Pilzsporen sind zum Überleben zwar auf Feuchtigkeit angewiesen, mittlerweile wurde jedoch nachgewiesen, dass sie auch bei Trockenheit mehrere Monate überleben können.

Bereits 2008 wurde Bsal das erste Mal in den Niederlanden entdeckt, nachdem die dortigen Populationen des Feuersalamanders auffällige Einbrüche erlitten. Dort hat Bsal mittlerweile 98 Prozent des Feuersalamander-Bestandes vernichtet. 2015 traten erste Fälle in der Eifel auf, 2017 im Ruhrgebiet und 2020 dann überraschend im Steigerwald, das den größten bayerischen Bestand des Feuersalamanders beherbergt. Mit dem Auftauchen der Salamanderpest durch Verschleppung der Pilzsporen muss daher auch bei uns gerechnet werden.

Damit unsere heimischen Salamanderbestände möglichst nicht das gleiche Schicksal ereilt wie in den Niederlanden, muss alles Mögliche getan werden, um eine Ausbreitung von Bsal zu verhindern. Der BN ruft daher alle auf, die beruflich oder privat in Wäldern mit Quellen und Waldbächen zu tun haben, regelmäßig ihr Schuhwerk zu desinfizieren. Bloßes Reinigen reicht nicht aus, um die Pilzsporen abzutöten.

Zur Desinfektion eignen sich Virkon S (biologisch abbaubar) oder mindestens 70-prozentiges Ethanol. Die Vorsichtsmaßnahmen sind besonders dann wichtig, wenn mit demselben Schuhwerk, Arbeitsgeräten und so weiter mehrere Salamandergebiete hintereinander besucht werden. (red)

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