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LICHTENFELS / COBURG

Regiomed: Verstorbene waren im Schnitt 72 Jahre alt

Covid-19: Rätsel um höhere Sterberisiko für Männer
Rund 20 Prozent der an Covid-19 Erkrankten mussten im Krankenhaus behandelt werden. Foto: dpa/Andre Lucas

„Wir sind Profis und wir haben bewiesen, dass wir die Sachen in den Griff bekommen.“ Mit diesen Worten verwehrte sich der Ärztliche Direktor des Regiomed-Klinikums Coburg, Prof. Stefan Piltz, bei einem Pressegespräch gegen Kritik, die vor allem in den Sozialen Medien ihre Kreise zieht. Mit Worten wie „Seuchenpfuhl“ wird dort über den Umgang des Klinikverbunds im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie geurteilt. Derartige Aussagen seien vielen Mitarbeitern, die in den vergangenen Wochen und Monaten bis zur Erschöpfung gearbeitet hätten, mehr als sauer aufgestoßen.

20 Prozent müssen ins Krankenhaus

„Regiomed ist und war nicht das Problem bei der Pandemie, sondern Teil der Lösung“, machte er deutlich und untermauerte seine Aussage mit Zahlen. Demzufolge habe es seit Beginn der Corana-Pandemie bis zum 30. Juni 1169 Infizierte in den vier Landkreisen gegeben, in denen der Klinikverbund ansässig ist. Davon hätten 20 Prozent in Krankenhäusern behandelt werden müssen, bei Regiomed insgesamt seien es 234 gewesen, im Klinikum Lichtenfels 46. 49 der Infizierten hätten intensivmedizinisch versorgt werden müssen, 30 davon mit künstlicher Beatmung, zwei davon hätten sogar an die künstliche Lunge angeschlossen werden müssen. Die Sterblichkeit hätte bei 25 Prozent gelegen. Dies sei ein sehr geringer Wert. Piltz machte darauf aufmerksam, dass in China rund 80 Prozent und in Italien 40 bis 60 Prozent der intensivmedizinisch versorgten Covid-19-Patienten verstorben sind. „Dies zeugt von der hohen intensivmedizinishen Kompetenz in den Regiomed-Kliniken“, unterstrich Piltz. Er verwies außerdem darauf, dass es in keiner der Regiomed-Pflegeeinrichtungen einen größeren Covid-19-Ausbruch - das heißt mehr als zwei infizierte Personen- gegeben habe, hingegen seien viele Patienten aus anderen Pflegeeinrichtungen behandelt worden. Der Altersdurchschnitt der an Covid-19 Verstorbenen habe bei 72 Jahren gelegen, wobei Piltz zu bedenken gab, dass viele von ihnen mittels einer Patientenverfügung eine intensivmedizinische Versorgung abgelehnt hätten.

Er hob außerdem hervor, dass beim Klinikverbund im Gegensatz zu anderen Häusern bereits seit April alle Mitarbeiter der Pflegeeinrichtungen regelmäßig getestet worden seien. Er bestätigte allen Mitarbeitern, dass sie einen hervorragenden Job gemacht hätten.

Besucherregelung bleibt bestehen

Der Geschäftsführer der bayerischen Regiomed-Kliniken, Robert Wieland, wies darauf hin, dass die bestehenden Besuchsregelungen im Klinikverbund trotz möglicher Lockerungen seitens des Gesetzgebers bestehen bleiben. Dies diene der Sicherheit von Patienten, Besuchern und Personal. Die genauen Regelungen sind unter regiomed-kliniken.de einsehbar.

Endlich Tariflohn für den Pflegedienst

Eine freudige Nachricht gab es für die Mitarbeiter in den thüringischen Kliniken. Die Pflegekräfte und Mitarbeiter des Funktionsdienstes der Medinos-Kliniken Sonneberg und Neuhaus am Rennweg des Klinikverbunds erhalten eine Anpassung des Lohnniveaus auf den Tarifvertrag des öffentlichen Dinestes (TVöD). Seit über einem Jahrzehnt arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Medinos-Kliniken etwa 20 bis 25 Prozent unter dem TVöD – das soll sich nun ändern. Für die Beschäftigten in den Regiomed-Seniorenzentren war diese Umstellung bereits im letzten Jahr erfolgt. Nun folgen die Klinikstandorte Sonneberg und Neuhaus.

Deren Gehälter sollen nun rückwirkend zum 1. Januar 2020 auf den im öffentlichen Dienst gültigen Tarif angehoben werden, sagte Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke und hob hervor: „Dies ist ein Zeichen der Wertschätzung auch wenn die wirtschaftliche Situation schwierig ist.“ Mit durchschnittlich 17 Prozent mehr Gehalt könnten die Mitarbeiter rechnen, die Mehrkosten würden rund drei Millionen Euro betragen und seien von den Gesellschaftern bereits abgesegnet worden. Auch in den anderen Häusern sollen noch in diesem Jahr die Löhne an den Tarif angeglichen werden, dort betreffe dies aber nur noch die Sonderzahlungen.

Von Stefan Lommatzsch

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