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LICHTENFELS

Protest mit Kerzen vor dem Lichtenfelser Rathaus

Gegen die Corona-Bestimmungen protestierten rund 80 Personen am Montagabend auf dem Lichtenfelser Marktplatz. Foto: Gerhard Herrmann

Mit einer weiteren nicht angemeldeten Versammlung protestierten am Montagabend rund rund 80 Personen auf dem Lichtenfelser Marktplatz gegen die Corona-Bestimmungen. Nicht nur die Zahl der Teilnehmer hatte sich gegenüber vor Weihnachten deutlich reduziert, als am 23. Dezember rund 450 Personen aus der Region zusammengekommen waren, auch die Stimmung wirkte gedämpfter. In kleinen Gruppen standen die Demonstranten im Regen, manche mit Grablichtern oder Kerzen.

Die Polizei sorgte mit Streifenwagen und bei Rundgängen für die Einhaltung der Hygienebestimmungen. Beanstandungen gab es nicht, wie Jonas Krug mitteilte. Friedlich verlief auch die Versammlung von rund 60 Personen in Bad Staffelstein vor dem Rathaus, sagte Sonja Schneider, Leiterin der dortigen Polizeistation. Erstmals hatte Jens Backert, Vorsitzender des Vereins „Miteinander Füreinander“, auf Facebook unter der Überschrift „Auf in eine bessere Zukunft“ dazu eingeladen, sich an der Versammlung zu beteiligen – mit Angabe von Datum, Uhrzeit und Ort. Darauf angesprochen, warum er die Versammlung nicht anmelde, meinte er, sein Text sollte kein Aufruf sein: „Warum sollte ich es anmelden, wenn ich andere Leute auf dem Marktplatz treffe?“ Auffällig jedoch, dass er den Text postwendend abänderte – zu der Einladung „Es ist Zeit, dass auch du ein positives Zeichen setzt“ – ohne Datum, Uhrzeit und Ort.

Landrat bedauert, dass Organisatoren nicht zu ihrem Anliegen stehen

Das Landratsamt prüft, ob es sich um einen Aufruf zu einer Versammlung gehandelt hat. Dann würde Backert wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt.

Wie eine Mahnwache wirkte die Versammlung am Montagabend auf dem Lichtenfelser Marktplatz. Foto: Gerhard Herrmann

„In einer Zeit, wo es gilt, Kontakte zu vermeiden, sehe ich diese Ansammlungen durchaus kritisch“, sagte Landrat Christian Meißner auf Anfrage. „Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, keine Frage. Dass insbesondere in Lichtenfels niemand den Mut hat, diese Versammlung auch anzuzeigen und damit Verantwortung übernimmt, finde ich traurig. Immerhin sollten die Teilnehmer doch genau wissen, für was und für wen sie hier Farbe bekennen. Denn das ist auch ein wichtiger Pfeiler der Demokratie: Verantwortung zu übernehmen für sein Tun und Handeln.“

Unter den Teilnehmern waren auch einige AfD-Anhänger mit Kreisrat Theo Taubmann und Stadträtin Heike Kunzelmann. Nebenan stand Bernd Grau vom Verein „Miteinander Füreinander.“ Viele Teilnehmer wollten sich nicht äußern. Eine Gruppe von drei Frauen mit Grablichtern meinte, sie hätten einen Ausflug unternommen. Auf Nachfrage äußerten sie Kritik an der Corona-Politik, Sorgen wegen einer möglichen Impfpflicht für Kinder und vor einer Spaltung der Gesellschaft.

Unter den Teilnehmern der Versammlung gegen die Corona-Bestimmungen waren auch AfD-Kreisrat Theo Taubmann und die Stadträtin Heike Kunzelmann. Foto: Gerhard Herrmann

Auffällig viele Teilnehmerinnen aus Gesundheitsberufen äußerten Kritik an der geplanten Impfpflicht und Sorgen wegen möglicher Nebenwirkungen. Eine 52-Jährige Frau, die in einer medizinischen Einrichtung tätig ist, kritisierte, dass sie zur Impfung gezwungen werden solle, während sie und ihre Kollegen zu Beginn der Pandemie noch nicht einmal regelmäßig getestet worden seien. Eine Impfung könne sie sich allenfalls mit dem neuen Totimpfstoff vorstellen.

Ungeimpfte Pflegerinnen beklagen Ausgrenzung

„Ich gehe für die Kinder auf die Straße“, sagte eine Frau aus einer Gruppe von Mitarbeiterinnen im medizinischen Bereich. Sie sprach sich gegen die Impfung von Jugendlichen aus, da sie mögliche Nebenwirkungen befürchte. Jugendliche würden unter Druck gesetzt, findet eine Kollegin und berichtet von ihrem 17-jährigen Sohn, der als Ungeimpfter nicht zu Silvesterfeiern eingeladen worden sei. Alle lehnen eine Impfpflicht ab: „Lieber kündigen wir!“ Ungeimpfte würden von der Politik ausgegrenzt und unter Druck gesetzt. „Das ist Diktatur!“, protestiert ihr Begleiter.

Von Gerhard Herrmann

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