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LICHTENFELS

Pflegeheim Elisabeth: Landrat bezeichnet Kritik als haltlos

Von Covid-19 stark getroffen ist das Lichtenfelser Pflegeheim Elisabeth. Der Streit um die Ursache des Ausbruchs schaukelt sich immer höher auf. Foto: Gerhard Herrmann

„Das Impfteam ist nicht verantwortlich für das Ausbruchsgeschehen im Pflegeheim Elisabeth“, betont Landrat Christian Meißner in einer weiteren Stellungnahme zu Vorwürfen von Geschäftsführer Fabian Franke. Dieser hatte in einem offenen Brief an den Landrat erklärt, er wolle nicht Einzelpersonen beschuldigen, sondern auf ein „Systemversagen“ aufmerksam machen.

„Hier ging es nie um persönliche Schuldzuweisungen einzelner und sicher höchst engagierter Mitarbeiter des Impfteams, sondern eher um Systemversagen, welches im Interesse aller zu impfenden Menschen aufgeklärt werden muss“, erklärte Franke. Eine so deutlich verspätete PCR-Reihentestung der Mitarbeiter des Impfteams sei zudem im Nachhinein nicht aussagekräftig. Es gehe ihm vielmehr um die versäumten vorherigen Testungen aller Mitarbeiter des Impfteams, denn diese Testungen seien „offensichtlich nicht erfolgt.“

Franke: Keine Schuldzuweisung, sondern Forderung nach Verbesserungen

„Zum Glück ist seit diesem Vorfall die Testung der impfenden Mitarbeiter ja mittlerweile zur gängigen Praxis geworden. Dies ist zu begrüßen, kommt für uns aber zu spät“, betont Franke.

„Noch mehr zu begrüßen wäre gewesen, wenn Sie einfach bei uns angerufen und den Vorfall aufrichtig bedauert hätten, bzw. dieses Bedauern in Ihre öffentliche Stellungnahme hätten einfließen lassen. Wünschenswert wäre der Anfang einer Aufrichtigkeit gewesen, die den infizierten Klienten, den Angehörigen, den infizierten Mitarbeitern und mir entsprechenden Respekt eingebracht hätte.“

Landrat Christian Meißner teilt dazu mit, Geschäftsführer Franke habe ihn per E-Mail am 6. Januar aufgefordert, die Namen und die dazugehörigen Testergebnisse vorzulegen. Zudem habe er mitgeteilt, dass er die Staatsanwaltschaft einschalten werde. Das Landratsamt gebe jedoch grundsätzlich keine Auskünfte, wenn die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird. Auch würden grundsätzlich keinerlei Gesundheitsdaten an Dritte herausgeben.

Meißner: Impfteams müssen nicht getestet werden

„Die Impfteams müssen nicht getestet werden. Es gab und gibt keine Verpflichtung sich testen zu lassen“, betont der Landrat. Auch die Vorgaben des Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege für den Betrieb von Impfzentren sähen diese Tests nicht vor. Dennoch mache das Landratsamt seit 7. Januar Antigen-Schnelltests, „aber nur aus dem Grund, die Mitarbeiter sowie die Ärzte vor derartigen haltlosen Vorwürfen zu schützen.“ Die PCR-Tests vom 8. Januar vom Impfteam seien alle negativ.

Von Seiten des Pflegeheimes Elisabeth sei dieser Test im Vorfeld auch nicht verlangt oder in den Vorgesprächen kommuniziert worden. „Wäre dieser Wunsch geäußert worden, hätten wir selbstverständlich ein Testergebnis vor dem Betreten vorgelegt“, erklärt meißner.

Das Impfteam halte sich nur wenige Minuten bei den Bewohnern in den Zimmern auf und sei in Vollschutz vor Ort mit Dienstkleidung, Schutzkittel als auch FFP2-Masken. Auch der Rettungsdienst, der Ärztliche Bereitschaftsdienst oder Ärzte hätten bei Betreten des Heimes keine Verpflichtung, einen Schnelltest vorzulegen. Zudem seien 15 Personen vom Impfteam vor Ort gewesen, nicht 20 Personen, wie Franke behaupte.

Auf Verlangen der Einrichtung müsse ein Testergebnis vorgezeigt werden. Ein Antigen-Schnelltest dürfe bis zu 48 Stunden alt sein und ein PCR-Test bis zu 72 Stunden.

„Ich habe am 12. Januar mit Herrn Franke telefoniert. In dem Gespräch waren Testungen und Testergebnisse kein Thema“, betont der Landrat. Vielmehr sei es der Tenor des Gesprächs gewesen, das Ausbruchsgeschehen gemeinsam zu bewältigen. Hier habe er ihm seine volle Unterstützung zugesagt.

Das Paul-Ehrlich-Institut habe unmissverständlich klargestellt, dass es nicht möglich ist, nur aufgrund der Impfung, positiv auf Corona getestet zu werden. Weder per PCR-Test noch per Antigen-Schnelltest. „Daher ist auszuschließen, dass die Impfung für das Ausbruchsgeschehen verantwortlich ist, was auch ein Vorwurf von Herrn Franke in seiner Mail vom 6. Januar war“, so Meißner.

Er erläutert, dass sowohl Antigenschnelltests als auch PCR-Tests auf SARS-CoV-2 nur eine Momentaufnahme liefern und nichts über den tatsächlichen Infektionsstatus eines Getesteten aussagen. So könne sich eine Person trotz negativem Testergebnis bereits in der Inkubationsphase befinden: „In diesem Fall wird das Ergebnis eines erneuten Tests zu einem späteren Zeitpunkt positiv ausfallen.“ Daher entbinde ein negativer Test nicht von der konsequenten Einhaltung der AHA-L-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, Lüften).

„Es wäre das Gleiche, wenn ein auf Covid-19 positiv getesteter Bürger die Mitarbeiter beim Testzentrum verantwortlich macht mit der Begründung: Diese haben sich ja vor seinem Abstrich nicht testen lassen!“
Christian Meißner, Landrat

Seit 28. Dezember habe das Landratsamt mit den Mobilen Teams in 15 Heimen und Einrichtungen geimpft: „Hier ist uns kein einziger positiver Fall bekannt.“

Mittlerweile würden die Mitarbeiter des Impfteams von Dritten sogar beschimpft. Das sei nicht tragbar. Franke habe vom Landratsamt für sein Pflegeheim sofort und fortwährend stets Unterstützung bekommen: Gesundheitsamt, Heimaufsicht, Materiallieferungen. Den Antrag auf Bundeswehrunterstützung habe das Landratsamt umgehend gestellt. Die Soldaten waren am Freitag bereits mit einem Vorauskommando vor Ort.

Vorauskommando der Bundeswehr bereits vor Ort

„Die Vorwürfe des Geschäftsführers sind völlig aus der Luft gegriffen und haltlos“, betont Meißner. „Es wäre das Gleiche, wenn ein auf Covid-19 positiv getesteter Bürger die Mitarbeiter beim Bayerischen Testzentrum für seinen positiven Test verantwortlich macht mit der Begründung: Diese haben sich ja vor seinem Abstrich nicht testen lassen!“ Die Vorwürfe binde bei den Mitarbeitern, die Franke bei der Bewältigung seines Ausbruchsgeschehen helfen wollen, nur unnötige Kräfte.

Abschließend erklärt der Landrat: „Seit März 2020 haben wir im Landkreis Lichtenfels 45 Todesopfer zu beklagen, die mit und an Corona verstorben sind. Jeder Tote und auch jeder, der durch das Virus einen schweren Krankheitsverlauf hatte, belastet mich. Ich nehme diese Zahl nicht auf die leichte Schulter, denn viele Familien haben durch das Virus einen geliebten Menschen verloren.“ Deshalb sei er dankbar, dass viele Mitarbeiter im Landkreis, im Gesundheitswesen, im Gesundheitsamt, im Testzentrum und im Impfteam seit vielen Wochen und Monaten an der Belastungsgrenze und teilweise auch darüber hinaus arbeiten. „Mein größter Wunsch ist, dass sie auch weiterhin den Kopf frei haben und man ihnen für ihre wichtige Arbeit den Rücken stärkt.“ (red)

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