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LICHTENFELS

Pandemie verzögert Bauprojekte der Kirchen am Obermain

Pandemie verzögert Bauprojekte der Kirchen am Obermain
Am Georg-Herpich-Platz in Bad Staffelstein entsteht bald eine neue Kindertagesstätte, der entsprechende Haushalt der Evangelischen Kirche ist bereits gesichert. Foto: red

Bagger und schwere Maschinen waren vor kurzem am Georg-Herpich-Platz in Bad Staffelstein im Einsatz, wo eine neue Kindertagesstätte entstehen soll. Noch nicht begonnen wurde mit dem Umbau des Gemeindezentrums Kreuzbergkirche in Altenkunstadt. Hier steht die Finanzierung noch auf „wackeligen Füßen“, erklärt Pfarrerin Bettina Beck, evangelische Kirchengemeinde Strössendorf und Altenkunstadt. „Schuld“ daran ist wohl die Pandemie – in vielerlei Hinsicht.

Die katholischen und evangelischen Gemeinden müssen mit niedrigeren Kirchensteuerbeträgen zurechtkommen. Zudem fehlen Einnahmen etwa aus den Kollekten bei Gottesdiensten, die lange Zeit reduziert beziehungsweise in Online-Form stattgefunden haben.

„Viele Gläubige spenden, das muss man wirklich sagen, das, was ihnen möglich ist.“
Lars Rebhan, Dekan

Im Seelsorgebereich Lichtenfels-Obermain sei die Zahl der Gottesdienstbesucher während der Pandemie im Durchschnitt fast um die Hälfte zurückgegangen. „Viele Gläubige spenden, das muss man wirklich sagen, das, was ihnen möglich ist. Aber ein Teil der bisherigen Gottesdienstbesucher ist eben einfach nicht da“, sagt Dekan Lars Rebhan, Leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Lichtenfels-Obermain.

Pandemie verzögert Bauprojekte der Kirchen am Obermain
Das Gemeindezentrums Kreuzbergkirche Altenkunstadt, das barrierefrei umgebaut werden soll, leidet unter den fehlenden Einnahmen der Kirche. Foto: red

Aber auch Feste, im Rahmen derer für größere Projekte Spenden gesammelt wurde, mussten ausfallen. „Das ist deutlich weniger als vor zwei Jahren, aber es ist auch so, dass es Menschen gibt, die sagen: Wir unterstützen euch nun erst recht und mit größeren Beträgen“, erlebt Stefanie Ott-Frühwald, Dekanin im evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirk Michelau.

Acht bis zehn Prozent weniger Kirchensteuer durch die Pandemie

Auch in Altenkunstadt waren Veranstaltungen kaum möglich: „Eigentlich wollten wir im Kirchweihjahr 2021 – 50 Jahre Kreuzbergkirche – über das Jahr verteilt Benefiz-Veranstaltungen machen, wie Konzerte und Basare, und Spenden für den Umbau sammeln. Das ging natürlich nicht und ist auch jetzt noch sehr eingeschränkt“, erklärt Pfarrerin Bettina Beck.

Pandemie verzögert Bauprojekte der Kirchen am Obermain
Nur die notwendigsten Repaturen sind demnächst für die Pfarrei „Zur heiligsten Dreifaltigkeit“ Marktgraitz möglich. Foto: Corinna Tübel

Hinzu kommen weggebrochene Steuereinnahmen für die Kirchen: Der Leiter der Finanzabteilung der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), Carsten Simmer, geht von acht bis elf Prozent Rückgang der Kirchensteuer-Einnahmen aus. Auch die Mehrzahl der katholischen Bistümer rechnet mit Mindereinnahmen von acht bis zehn Prozent. Als Gründe sind vor allem der hohe Anteil an Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit zu nennen.

Umbau für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung

Für den Umbau des Gemeindezentrums Kreuzbergkirche sollen nun Anträge bei der Aktion Mensch, der Landeskirche in München sowie der Kommune Altenkunstadt zur Unterstützung gestellt werden: Die Eingänge ins Gemeindezentrum und in die Bücherei sollen so verändert werden, dass zum Beispiel ein Rollstuhlfahrer oder ein Mensch mit Sehbehinderung ohne fremde Hilfe kommen und am Geschehen teilhaben könne. Außerdem sollen die Toiletten behindertengerecht werden.

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In der Marktgraitzer Kirche kann nur das Nötigste getan werden. Foto: Corinna Tübel

Für die Planung hat die Kirchengemeinde eine AG Inklusion gegründet, um die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung besser wahrnehmen und umsetzen zu können. Pandemie-bedingt ausgefallene Zusammenkünfte sowie hohe Hygienevorschriften verzögerten den Fortschritt des Projekts. Die Kirchengemeinde versucht nun, ihren Eigenanteil unter anderem über den Verkauf eines Grundstücks zu erwirtschaften.

Teurere Baustoffe werden zu Kostensteigerungen führen

Glück gehabt – könnte man dagegen zur Kirchengemeinde Bad Staffelstein und Herreth sagen. Die Abrissarbeiten an der ehemaligen evangelischen Kindertagesstätte Bad Staffelstein am Georg-Herpich-Platz sind bereits im Frühjahr erfolgt. „Wir sind mitten drin“, informiert Pfarrer Matthias Hagen. Im Haushalt sind rund vier Millionen Euro für den Neubau einplant. Lediglich in Form einer zeitlichen Verzögerung der Bauarbeiten sei die Pandemie zu spüren. Der Rückstand von rund 17 Wochen liege aber auch an unvorhergesehenen Prozessen beim Abriss sowie Betriebsferien beteiligter Unternehmen.

Ob die neue Kindertagesstätte tatsächlich im September 2022 eingeweiht werden könne, sei noch unsicher. Wovon Pfarrer Matthias Hagen jedoch ausgeht, ist eine Kostensteigerung bei den Baustoffen. „Aber die Einbußen, die unsere Gemeinde während der Pandemie hat, sind weitaus geringer als vermutet.“ Unter anderem zeige sich hier der Einfluss vieler Präsenzgottesdienste mit hervorragendem Hygienekonzept. Nach diesem Bauprojekt soll es zunächst einmal eine Konsolidierungsphase geben.

Innenraumsanierung der Johanneskirche dauert länger

Verzögerungen wegen längerer Lieferzeiten gibt es auch bei der Innenraumsanierung der Johanneskirche Michelau. Die notwendige Innenraumsperrung sowie reduzierte Möglichkeiten zur Gottesdienstgestaltung seien die Folge, erklärt Dekanin Stefanie Ott-Frühwald.

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Der katholische Dekan Lars Rebhan. Foto: red

Langfristig gesehen werden der Evangelischen Kirche finanzielle Mittel fehlen. Die Dekanin rechnet in den kommenden Jahren mit einer noch strengeren Begutachtung der Pfarrhäuser in der Region. Die Pandemie werde vermutlich – neben dem unvermeidlichen Rückgang an Pfarrstellen – zu einer noch schnelleren Reduzierung dieser Wohn- und Arbeitsräume beitragen. Diejenigen in den Dekanatsbezirken, die langfristig benötigt werden, sollen renoviert beziehungsweise gut erhalten werden, auch mit landeskirchlichen Geldern.

„In der Kirche geht es um Gottes Liebe und das Miteinander von Menschen. Um das zu leben, braucht es geeignete Räume.“
Stefanie Ott-Frühwald, Dekanin

„Ich habe für die kritische Prüfung im Bereich der Gebäude Verständnis: In der Kirche geht es um Gottes Liebe und das Miteinander von Menschen. Um das zu leben, braucht es geeignete Räume. Es gab aber auch Jahrzehnte, in denen in unseren Kirchengemeinden so viel gebaut wurde, dass es den augenblicklichen Bedarf übersteigt“, so die Dekanin.

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Die evangelische Dekanin Stefanie Ott-Frühwald. Foto: red

Probleme im Zusammenhang mit der Corona-Krise kennt auch Lars Rebhan, Leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Lichtenfels-Obermain. Über ein Jahr hinweg wurde die Herz-Jesu-Kirche Schwürbitz renoviert und schließlich an Pfingsten 2021 nach rund fünf Monaten Verzögerung wiedereröffnet. Zwar sei das Projekt finanziell gesichert gewesen, doch machte sich die Pandemie bei den Lieferzeiten und der Verfügbarkeit der Baufirmen bemerkbar.

Größere Sanierungsarbeiten sind momentan nicht drin

Für die nächsten Monate seien lediglich kleinere Reparaturarbeiten geplant. Zwar habe man für die Pfarrei „Zur heiligsten Dreifaltigkeit“ Marktgraitz eine größere Generalsanierung angedacht, aber, so der Dekan, „die Folgen der Pandemie und die gestiegenen Baupreise lassen das momentan nicht zu. Da müssen wir erstmal das Notwendigste machen, im Bereich der Entwässerung der Kirche und der Stabilität der Empore zum Beispiel.“ Eine Innenraumsanierung mit neuem Boden, eine Entlüftungsanlage und Instandsetzung des Daches sowie größere Reparaturen an der Orgel müssen warten.

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Am Georg-Herpich-Platz in Bad Staffelstein haben die Arbeiten begonnen. Foto: red

Auch die Bauzuschüsse des Erzbistums Bamberg werden in den nächsten Jahren wohl deutlich geringer ausfallen. „Wir werden Schwerpunkte setzen müssen, wo wir was und wie instand halten wollen“, so Lars Rebhan. Ein entsprechender Prozess für ein Gebäudekonzept des Erzbistums, das Notwendigkeiten und Prioritäten von Baukomplexen prüft, stehe in diesem Zusammenhang.

Feste sind gut fürs Gemüt, aber auch für die Einnahmen

Er hofft nun darauf, dass bald wieder kirchliche Veranstaltung in größerem Rahmen, selbstverständlich mit Hygienekonzept, stattfinden dürfen: Pfarrfeste, Patronatsfeste, Feste mit Senioren und vieles mehr. „Für das Gemüt der Menschen, aber auch für Einnahmen. Denn ein Teil der Einnahmen wird ja auch für die Finanzierung der Betriebsgebäude wie Pfarrheime und Pfarrzentren verwendet. Für die waren die Betriebskosten, zum Beispiel wegen weniger Heizbetrieb, zwar geringer, aber instand gehalten mussten sie ja trotzdem werden.“

Sein Ziel für die Zukunft formuliert er klar: Die Kirche muss Schwerpunkte setzen, welche Gebäude zu erhalten und zu fördern wichtig ist für ein lebendiges Gemeindeleben vor Ort!

 

Von Corinna Tübel

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