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OT-Reporter Werner Diefenthal und der digitale Impfpass

OT-Reporter Werner Diefenthal und der digitale Impfpass
Geschafft. Die Daten sind im Smartphone. Foto: red

Fast jeder hat ihn. Irgendwo. In einer Schublade ganz unten. In einer Kommode, in einem Buch. Schon zu Kinderzeiten bekommt man ihn und vergisst oft, dass man ihn hat. Die Rede ist vom gelben Impfausweis. Die älteren Semester werden sich erinnern, früher war er mal weiß und wurde ausgeklappt. In ihm werden alle Impfungen eingetragen, die man so im Laufe eines Lebens erhält. Man hat ihn irgendwie aber vergessen, außer der Arzt fragt nach, ob man nicht mal wieder seine Impfungen auffrischen lassen möchte. Oder man reist in ein Land, in dem bestimmte Impfungen zur Einreise Pflicht sind.

Dann kam Corona. Und auf einmal suchte man ihn. In allen Schubladen, Fächern, Büchern. Und mit viel Glück fand man ihn sogar wieder. Man brauchte ihn plötzlich. Impfung eintragen lassen, denn auf einmal hieß es, dass einige Länder auf den Nachweis einer Corona-Impfung bestehen.

Digitaler Nachweis in der Corona-Warn-App oder in der App „CovPass“

Aber halt! Leben wir nicht im 21. Jahrhundert? Sollte dieses Relikt aus vergangenen Tagen nicht längst ausgedient haben? So dauerte es dann eine Weile, bis man beschloss, diese Impfung auch digital einzuspeichern, im Smartphone. Und so entwickelte man eine App, in der man über einen QR-Code den Nachweis über die erfolgte Corona-Impfung einspeichern kann. CovPass heißt sie. Zusätzlich implementierte man die Funktion auch in die Corona-Warn-App.

OT-Reporter Werner Diefenthal und der digitale Impfpass
Das Zertifikat ist erstellt. Foto: Werner Diefenthal

Die Impfzentren, so heißt es, drucken jetzt ein Zertifikat aus, mit einem QR-Code, der sich einscannen lässt und damit die Dokumentation der Impfung abschließt. Bei einer möglichen Nachweispflicht reicht dann das Vorzeigen über die App.

„Was wir bei der Erstellung der Zertifikate überprüfen ist: Wer hat geimpft? Wann wurde geimpft? Sind die Daten dort logisch und nachvollziehbar?“
Olga Wolf, Vitale-Apotheke

So weit die Theorie. Doch wie funktioniert es in der Praxis? Eine Spurensuche.

Einige Tage vor dem geplanten Start sah es so aus, als ob es überhaupt nicht funktionieren würde. „Wir würden gerne, aber uns fehlen noch die gesamten Tools“, so Apotheker Hartmut Pensel von der Rats-Apotheke in der vergangenen Woche. „Und dann müssen wir erst einmal testen, ob alles läuft, also wird es wohl erst die Woche danach so richtig losgehen.“

Zu viele ungeklärte Fragen und fehlende Tools

In anderen Apotheken sah es ähnlich aus. Zu viele ungeklärte Fragen, fehlende Tools. Dazu noch die Frage: Welche Apotheken machen mit? Der Montag kam und es zeigte sich, dass man auf den Ansturm nicht vorbereitet war. Der Server, über den die Suche nach teilnehmenden Apotheken möglich war, versagte den Dienst. Zu viele wollten in zu kurzer Zeit wissen, wo sie denn das Zertifikat erhalten können. Dennoch, es schien im Laufe des Tages besser zu werden.

Dienstag, 15. Juni, erneuter Versuch. Dieses Mal im Fachmarktzentrum. „Im Grunde genommen ist es einfach“, erklärt Olga Wolf von der Vitale-Apotheke. „Sie kommen, das geht ohne Termin, legen den Impfpass und Ihren Ausweis vor, dann lassen wir das Zertifikat raus – theoretisch.“ Denn wieder einmal macht die Technik dem Vorhaben den Garaus. „Heute Morgen haben wir so ein paar geschafft, jetzt ist wieder alles zusammengebrochen.“ Doch wie sieht es aus mit Datenschutz?

OT-Reporter Werner Diefenthal und der digitale Impfpass
Der gelbe Impfpass wird in der Apotheke geprüft. Dann wird das Zertifikat erstellt. Foto: Werner Diefenthal

Die Zertifikate werden nur auf dem Smartphone gespeichert und verbleiben nur für die Dauer der Ausstellung des Zertifikates im Impfprotokolliersystem, danach werden sie sofort gelöscht. Damit sollte jeglichem Missbrauch ein Riegel vorgeschoben sein.

„Was wir bei der Erstellung der Zertifikate überprüfen ist: Wer hat geimpft? Wann wurde geimpft? Sind die Daten dort logisch und nachvollziehbar? Und ist der Impfpass-Inhaber auch derjenige, der da vor uns steht? Mehr können wir da nicht tun“, so Olga Wolf weiter. Eine absolute Sicherheit, dass man keinen gefälschten Impfausweis vorgelegt bekommt, gebe es leider nicht.

„Ich kann nur raten: Wenn Sie es nicht wirklich eilig haben, warten Sie am besten noch ein paar Tage, dann wird es sich normalisieren.“
Hartmut Pensel, Rats-Apotheke

Neuer Versuch am Mittwoch, 16. Juni. Leider ist es das gleiche Bild wie am Vortag. „Bis circa um 9 Uhr geht es, dann machen in den Großstädten wohl die Apotheken auf und das System wird langsamer, bis dann nichts mehr geht“, so Hartmut Pensel. „Ich kann nur raten: Wenn Sie es nicht wirklich eilig haben, warten Sie am besten noch ein paar Tage, dann wird es sich normalisieren.“

Muss man für das Zertifikat bezahlen? „Nein“, ergänzt Hartmut Pensel. „Wir erhalten eine Pauschale, für die Kunden ist es kostenlos.“ Allerdings zeichnet sich ab, dass diese Vergütung schon bald reduziert werden soll, von derzeit 18 Euro auf sechs Euro.

Erst den QR-Code der zweiten Impfung einscannen

Am Donnerstag, 17. Juni, dann der letzte Versuch. So oder so. Und siehe da, es klappt. Impfpass und Ausweis vorgelegt, nach fünf Minuten erhält man zwei Zertifikate, jeweils für die erste und die zweite Impfung. Darauf dann der QR-Code, den man über die App einscannt.

OT-Reporter Werner Diefenthal und der digitale Impfpass
Der gute alte Impfausweis behält natürlich ebenfalls seine Gültigkeit. Foto: Werner Diefenthal

Hierbei ist zu beachten, dass man mit der zweiten Impfung beginnt, denn so prüft die Software, ob beide Impfungen erfolgt sind. Das dauert in der Tat nur einige Augenblicke, schon ist der Impfstatus in der App abrufbar. Und es zeigt sogar an, ab welchem Zeitpunkt der Vollschutz besteht.

Fazit: Was bei Masken und Impfungen bereits der Fall war, scheint sich bei den Zertifikaten fortzusetzen. Man braucht viel Geduld und auch etwas Zeit, bis man die Nachweise in digitaler Form auf dem Smartphone hat. Wer keines besitzt oder die Zertifikate nicht benötigt, der kann trotzdem beruhigt sein. Der gute alte Impfpass behält seine Gültigkeit und wird auch international anerkannt. Der Service ist nur in den ortsansässigen Apotheken verfügbar, die Online-Apotheken können dies nicht anbieten.

Das Procedere

Die Zertifikate erhält man in teilnehmenden Apotheken. Über www.mein-apothekenmanager.de kann man sich diese anzeigen lassen. Die Impfzentren händigen bei Neuimpfungen das Zertifikat sofort mit aus. Bei den Hausärzten soll dies bald auch erfolgen.

Der Service ist kostenlos.

Mitzubringen sind: Der Impfausweis sowie Personalausweis – und vielleicht etwas Zeit.

Einscannen kann man über die Corona-Warn-App beziehungsweise die CovPass-App.

Die Zertifikate sollten aufbewahrt werden, sollte das Smartphone verloren gehen oder gewechselt werden, damit man sie bei Bedarf neu einscannen kann.

 

Von Werner Diefenthal

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