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MICHELAU / MARKTGRAITZ

Osterpredigten aus Michelau und Marktgraitz

Dekan Lars Rebhan. Foto: OT-Archiv

Zum zweiten Mal konnten die Christen in diesem Jahr aufgrund der Pandemie das Osterfest nicht so feiern, wie sie es sich gewünscht und erhofft hätten. Dass aber gerade die Botschaft des Osterfests in diesem Jahr den Menschen Hoffnung und Trost spenden kann, wird in den Predigten der evangelischen Dekanin Stefanie Ott-Frühwald aus Michelau und des Marktgraitzer Dekans Lars Rebhan deutlich.

Die Osterpredigt von Dekanin Stefanie Ott-Frühwald:

„Liebe Gemeinde, Ostern macht singen und tanzen. Die Liebe hat den Tod bezwungen. Das Dunkel hat seine Macht verloren. Gott schenkt neues Leben. Das bringt in Bewegung - außen und innen. Ostern ist der neue Anfang, der alles verändert. Nichts muss so bleiben, wie es war - oder wie es ist. Ich darf hoffen. Ich darf vertrauen. Ich darf aller Trauer und aller Einschränkung zum Trotz das Leben feiern.

Anfangs sind die Frauen am Ostermorgen entsetzt: Das Grab ist leer. Der, den sie salben wollen, ist verschwunden. Nach dem Schrecken des Karfreitags ist das für sie ein neuer Schock. Doch sie werden nicht stumm bleiben. Auf ihrem Weg vom Grab weg kann Ostern für sie werden: Jesus lebt. Diese Neuigkeit vertreibt ihre Furcht. Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

Osterpredigten aus Michelau und Marktgraitz
Dekanin Stefanie Ott-Frühwald bei der Osterpredigt. Foto: Frühwald

Oft erlebe ich derzeit das Gegenteil: Menschen murren. Weil die Zukunft ungewiss ist, sehnen sie sich nach einer angeblich guten Vergangenheit. „Früher war alles besser.“ Wie gebannt starren wir auf Regeln und Einschränkungen, die uns die Pandemie beschert. „Wie war doch alles gut davor - ohne Abstand, ohne Maske... Da war Leben.“

Natürlich bin ich traurig, weil ich mich zurzeit nicht mit Freunden treffen kann. Es gefällt mir überhaupt nicht, dass wir im Gottesdienst keine fröhlichen Osterlieder singen können. Ich erahne, wie einsam und verloren sich viele derzeit fühlen. Ich weiß, dass trotz aller staatlichen Hilfen viele ihre wirtschaftliche Zukunft umtreibt.

Jesus ist für uns in diese Tiefe gegangen, in die absolute Verlorenheit, in den Tod - aber er hat Gott nicht aus dem Spiel gelassen. Er glaubt an den Befreiergott. Ihm vertraut er sich an. Er weiß: Gott lässt mich nicht allein. Dieses Vertrauen vertreibt die Angst. Ja, Einsamkeit und Sorgen sind da - doch Gott lässt mich darin nicht verloren gehen. Ich muss nicht untergehen in meiner Angst. Ich darf meinen Blick heben - zu dem Befreiergott, der uns liebt.

Christen sind Protestleute gegen den Tod

Liebe Gemeinde, als Christen sind wir Protestleute gegen den Tod. Auch wenn es noch dunkel ist, auch wenn wir noch in der Pandemie leben - wir treten ein für das Leben. Es sind nicht die Beschränkungen, die unser Leben bedrohen. Es ist das Virus, das Menschen in den Tod reißt.

Inmitten dieser Pandemie sind wir nicht allein. Christus zieht mit uns. Seine Nähe gibt Trost und Halt. Sie schenkt Kraft und Mut, auch diese dritte Welle durchzustehen. Als Christen dürfen wir wissen: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes in Jesus Christus - nicht Krankheit, nicht Tod - auch nicht ein neuerlicher „harten Lockdown“, sollte er vonnöten sein.

Ja, es ist anstrengend. Ja, es dauert lange. Und: Wir haben vieles, das uns durch diese Zeit hindurch trägt. Nicht zuletzt die Gottesdienste, die wir - mit Auflagen - gemeinsam feiern können, sind ein Zeichen der Hoffnung. Die vielen Impulse, die über Fernsehen und Internet nach Hause kommen. Osterlicht und Ostertüten zum Mitnehmen.

Gebt diese Osterfreude weiter. Vergesst das Singen, Klatschen und Tanzen nicht! Genießt die Ostereier, die uns erinnern: So wie ein Küken aus dem Ei schlüpft, so ist Christus ist aus dem Grab erstanden. Auch nach dem härtesten Lockdown bricht sich das Leben Bahn. Noch sitzen wir hier auf Abstand, mit FFP2-Masken und feiern ohne Gesang. Doch wir werden wieder feiern - dichtgedrängt auf unseren Bänken, und aus voller Kehle singen: Christ ist erstanden!

Am Ende werden wir mit Christus feiern - versammelt am großen Tisch zum himmlischen Abendmahl, an dem Platz ist für jeden und jede. Frohe Ostern! Amen.“

Eine Geschichte der Befreiung

Dekan Lars Rebhan bezeichnet in seiner Predigt das Osterfest als eine Geschichte der Befreiung:

„Ostern im Jahr zwei der Pandemie durfte wieder – in aller Vorsicht – mit gemeinsamen Gottesdiensten in den Kirchen gefeiert werden. Und doch spüren viele alles andere als „die große Freiheit“; wir spüren vielmehr eine Sehnsucht danach. Und die kommt manchmal mit einem gewissen Augenzwinkern in Karikaturen und Sprüchen daher. So hat in den Tagen vor Ostern ein Bild in den sozialen Medien die Runde gemacht. Darauf ist ein Felsengrab dargestellt mit einem großen Stein, der weggerollt ist, so dass man in die offene Grabhöhle schaut. Darunter steht: das mit der Ausgangssperre zu Ostern hat noch nie funktioniert!

Wir wissen aus zahlreichen Darstellungen aus der Kunst, dass mit dem leeren Grab der Glaube an die Auferstehung Jesu angedeutet wird. Doch liest man im Evangelium, war das für die Jünger noch nicht so glasklar: „Sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er auferstehen müsse.“ (Joh 20,9) Darauf hin ereignen, ja überschlagen sich einige Dinge nachdem Maria von Magdala das offene Grab entdeckt hatte: Die Spekulation „sie haben den Herrn aus den Grab weggenommen“, der hektische Wettlauf der Jünger zum Grab, und dann die Frage, was das denn bedeute, dieses leere Grab und die Leinenbinden, mit denen man Jesus umhüllt hatte und das Schweißtuch… ohne den Leichnam.

Osterpredigten aus Michelau und Marktgraitz
Das Motiv der Osterkerze aus Lettenreuth. Foto: Lars Rebhan

Auferstehung, wie geht das, was heißt das? – Nun, das Leben besiegt den Tod! In der Auferstehung Jesu ist die Botschaft enthalten, dass es weiter geht. Manchmal mit radikalen Veränderungen. Diese Veränderungen mussten auch die Jünger durchmachen und akzeptieren: Sie hatten nicht mehr mit dem Jesus der Geschichte zu tun, der mit ihnen durch Galiäa zieht, Kranke heilt und vom Reich Gottes spricht. Der Auferstandene vertraut seine Botschaft den Jüngern an, und sie werden - in seinem Geist - die Verkündigung des Reiches Gottes in der Welt übernehmen. Die Geschichte der Jünger nach Ostern war eine Phase intensiver Veränderung. Aus der Nachfolge Jesu im Sinne von „Hinterhergehen“ wurde ein eigenständiges Gestalten der jungen Kirche.

Und so brachte die „neue Freiheit“ eine gravierende Veränderung. Dargestellt ist dies auf der Osterkerze in Marktgraitz und Lettenreuth mit einem Bild, das viele nicht sofort mit Ostern assoziieren: Es ist das Bild eines Schmetterlings, der durch ein Netz, das an einer Stelle zerrissen ist, in die Freiheit kommt. Dieses Bild wird tatsächlich in der christlichen Kunst schon länger benutzt. So hat man in einem alten Kruzifix die Darstellung eines Schmetterlings im Haupt des Kreuzkorpus gefunden. Dieses Bild zeigt: Tod und Auferstehung Jesu ist Verwandlung – wie die träge Raupe sich in den zartgliedrigen Schmetterling verwandelt.

Der Schmetterling, der den Riss im Netz findet

Ein wenig erweitert ist dieses Symbol als Bild auf der Osterkerze zu sehen: Der Schmetterling, der den Riss im Netz findet und dadurch entkommt. Der dadurch seinem Wesen entsprechend leben kann – in Freiheit. Ostern ist also eine Geschichte der Befreiung aber auch der Veränderung. Und so gesehen stellt Ostern uns als Kirche und uns als Christen neu in Frage. Dass solche Veränderungsprozesse auch Ängste aufkommen lassen, ist nicht neu. Die Jünger „gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.“ (Mk 16,8)

Erst im Laufe der Zeit lernen die Jünger und Jüngerinnen Jesu mit der neuen Situation umzugehen. Ja, Jesus ist nicht mehr auf die altvertraute Weise bei ihnen – aber sie erfahren ihn auf andere Weise. Auch das Netz der Trauer der Jünger zerreißt mit der Zeit und sie trauen sich neu, sie trauen der Botschaft Jesu und erfahren sich schließlich als von ihm Gesandte. Die Auferstehung Jesu hat eine Veränderung gebracht nicht bloß für irgendwann, sondern für das Leben der Jünger, bereits auf dieser Welt!

Die Botschaft des Osterfestes will uns ermutigen, dem Leben zu trauen! Lassen wir uns von Veränderungen in unserem Leben nicht in unseren Grundfesten erschüttern! Sehen wir Veränderung und Verwandlung als wesentliche Kraft des Lebens! Trauen wir einer persönlichen Auferstehung in unserem Leben!“

 

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