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MICHELAU

Oliver Naumann ist Wasserwachtler mit Leib und Seele

Michelau: Oliver Naumann ist Wasserwachtler mit Leib und Seele
Während der Hauptbadesaison ist die Wachstation am Rudufersee mit Mitgliedern der Wasserwacht-Ortsgruppe Michelauer besetzt. Gern hilft hier Oliver Naumann seinen Kameraden. Foto: Klaus Gagel

„Im Ehrenamt gibt es immer wieder mal Ereignisse, die nicht so schön sind. Aber für mich überwiegt das Schöne, sonst würde ich diese Aufgabe nicht mehr übernehmen.“ Oliver Naumann ist Wasserwachtler mit Leib und Seele. Als Kreisvorsitzender im Landkreis Lichtenfels zeichnet er verantwortlich für die sechs Ortsgruppen: Burgkunstadt, Redwitz, Michelau, Lichtenfels, Staffelstein, Ebensfeld.

1600 Mitglieder, darunter 200 Aktive in sechs Ortsgruppen

„Obwohl wir einer der kleinsten Landkreise in Bayern sind, verfügen wir über eine der größte Kreiswasserwachten. Das liegt wohl auch daran, weil wir halt sehr viele Gewässer am Obermain haben“, sagt Oliver Naumann nicht ohne Stolz. Insgesamt 1600 Mitglieder zählt Wasserwacht im Landkreis. Darunter sind viele ehemalige Wasserretter, die auch noch in älteren Jahren der BRK-Abteilung die Treue halten. Die Zahl der aktiven Wasserwachtler, aus denen sich auch die schnellen Einsatzgruppe (SEG) rekrutiert, liegt bei rund 200 Mitgliedern.

Der ältere Bruder weckt die Begeisterung

Wie viele andere Mitglieder auch kommt Oliver Naumann schon in frühen Jahren zur Wasserwacht. Ausschlaggebend ist sein älterer Bruder, der bei der Michelauer Ortsgruppe trainiert. Der berichtet immer wieder begeistert von den verschiedensten Unternehmungen. Welches Kind geht nicht gerne ins Schwimmbad? Aber da gibt's ja auch Zeltlager und Umweltaktionen. Deshalb meldet sich Oliver Naumann an einem Montag beim damaligen Wasserwachtsleiter Heiner Jerrentrup und wird Mitglied in der Jugendgruppe.

„In der Gemeinschaft

ist immer was los.““

Oliver Naumann,

Kreisvorsitzender der BRK–Wasserwacht

Seit 38 Jahren gehört er nun schon zur Wasserwacht. „In der Gemeinschaft ist immer was los.“ Das gefiel ihm schon als Jugendlicher. Viel Sport, Schwimmen und Tauchen gehören dazu. Und man lernt, wie man anderen Menschen helfen kann. Schließlich ist ja die Wasserwacht eine Abteilung, die zum Roten Kreuz gehört. Eine Ausbildung in Erster Hilfe gehört also ebenso dazu wie auch das Engagement im Natur- und Umweltschutz. Deshalb veranstalten viele Ortsgruppen Säuberungsaktionen am Gewässer, an denen sich viele Kinder und Jugendliche freiwillig beteiligen.

An Einsatz und Engagement mangelt es ihm nie

Michelau: Oliver Naumann ist Wasserwachtler mit Leib und Seele
Während des Seefestes am Rudufersee ermöglicht Oliver Naumann als Bootsführer den kleinen Gästen einen kostenlose Bootsfahrt. Foto: Klaus Gagel

Einsatz und Engagement sind also gefragt, und daran mangelt es Oliver Naumann bisher nie. Er wird Jugendleiter in der Michelauer Ortsgruppe, später Kreisjugendleiter und sogar Bezirksjugend-leiter. Heute ist er Kreisvorsitzender der Wasserwacht. So gesehen hat er sogar eine Vorgesetztenfunktion gegenüber den einzelnen Ortsgruppen. Doch den Begriff will er lieber nicht verwenden.

„Ich versteh' die Kreiswasserwacht eher als Servicestelle, als Helfer. Weil inzwischen auch bei der Wasserwacht die Bürokratie immer mehr zugenommen hat.“ Jedes einzelne Mitglied muss erfasst werden. Dann müssen die ehrenamtlichen Aktiven geschult und ausgebildet werden. Es müssen Anträge gestellt werden für Boote, Fahrzeuge und Ausrüstung. In all diesen Angelegenheiten ist der Kreisvorsitzende behilflich.

Kontakt halten im umfangreichen Rettungsnetzwerk

Die überregionale Organisation des Wasserrettungsdienstes im Landkreis, die Koordination der Schnellen Einsatzgruppen (SEG) gehört zu Aufgaben des Michelauers. Es gilt, den Kontakt zu halten innerhalb des umfangreichen Rettungsnetzwerks mit der Polizei, dem BRK-Sanitätsdienst, der DLRG bis hin zu Besuchen in den Kindergärten, um schon die Kleinen aufmerksam zu machen auf die Gefahren, die am Wasser lauern. Unterstützt wird er bei der umfangreichen Arbeit von der Servicestelle „Ehrenamt“ im BRK-Kreisverband.

All das hindert Oliver Naumann nicht daran, auch den ganz normalen Wachdienst zusammen mit seinen Kameraden zu leisten. Zu den Stoßzeiten im Sommer, wenn ein regelrechter Massenbetrieb am Rudufersee herrscht, beobachtet die Truppe aufmerksam die Menschen im Wasser. „Wir sind zwar gut besetzt, aber leider sind es fast immer die gleichen, die diesen Dienst leisten.“

„Das macht einen schon

nachdenklich, wie schlimm

die Situation für jemanden sein muss, dass er den

Freitod im Wasser sucht.“

Oliver Naumann zu

Kapitel Leichenbergungen

Michelau: Oliver Naumann ist Wasserwachtler mit Leib und Seele
Hochsommerliches Wetter herrschte während der Michelauer Kirchweihtage am Rudufersee. Da war es für die Aktiven der Wasserwacht gar nicht so leicht den Überblick zu behalten. Foto: Klaus Gagel

Kleine Hilfeleistungen, wie etwa die Versorgung von Verletzungen, gehören ebenso dazu wie die Suche nach einem Kind, das plötzlich verschwunden ist. Glücklicherweise erweisen sich ja die meisten Fälle als harmlos. Das ganze Können ist jedoch gefordert, wenn ein Mensch plötzlich zu ertrinken droht. Dann heißt es rasch und überlegt handeln, dabei aber auch auf die Eigensicherung achten. Gute bis sehr gute Schwimmkenntnisse sind erforderlich. Der Umgang mit dem Rettungsbrett muss ebenso beherrscht werden wie die Maßnahmen zur Wiederbelebung. Immer stehen der Wasserwachtler am Anfang einer Rettungskette.

Deutlich unangenehmer sind Vermisstensuche nach einem vermuteten Suizid und die damit eventuell verbundene Leichenbergung. „Das macht einen schon nachdenklich, wie schlimm die Situation für jemanden sein muss, dass er den Freitod im Wasser sucht“, sinniert Oliver Naumann, der solche Lei-chenbergungen schon miterlebt hat. Das sind die negativsten Erlebnisse im Ehrenamt, aber glücklicherweise kommt so etwas ja nicht alle Tage vor. Doch es zeigt auch, mit Baywatch-Romantik hat der ehrenamtliche Dienst bei der Wasserwacht nichts zu tun.

Hoher finanzieller Aufwand: Seefest hilft als tolle Gemeinschaftsleistung

Michelau: Oliver Naumann ist Wasserwachtler mit Leib und Seele
Während der Hauptbadesaison ist die Wachstation am Rudufersee mit Mitgliedern der Wasserwacht-Ortsgruppe Michelauer besetzt. Gern hilft hier Oliver Naumann seinen Kameraden. Foto: Klaus Gagel

Aber es gibt ja noch die andere Seite. Dazu gehören auch die Seefeste, die am Rudufersee oder in Lichtenfels am Baggersee für die Öffentlichkeit veranstaltet werden. Es ist eine beeindruckende Gemeinschaftsleistung, die den Ortsgruppen hilft, ihren hohen finanziellen Aufwand zu decken. „Die Mitgliedsbeiträge würden nie ausreichen. Wir brauchen dringend Spenden und die Einnahmen aus dem Seefest“, verrät Oliver Naumann. So sind etwa die Ansprüche an die Ausrüstung der Taucher in den vergangenen Jahren sehr gestiegen.

Leider musste das Seefest „Holiday am Baggersee“ in diesem Jahr Corona bedingt ausfallen. Umso mehr muss man den Wasserrettern Respekt zollen, dass sie unverdrossen ihren ehrenamtlichen Dienst leisten.

Ehrenamtlich ist auch der Einsatz von Oliver Naumann als Kreisvorsitzender, denn hauptberuflich ist er bei der Sparkasse Lichtenfels-Coburg angestellt.

Von Klaus Gagel

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