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Nordgauerstraße Lichtenfels: Vom Pflegeheim zur Kinderkrippe

Nordgauerstraße Lichtenfels: Vom Pflegeheim zur Kinderkrippe
Dem leerstehenden Pflegeheim in der Nordgauer Straße wird mit der Einrichtung von zwei provisorischen Krippengruppen im Erdgeschoss neues Leben eingehaucht. Foto: Marion Nikol

Eine qualitätsvolle und vielfältige Kinderbetreuung im gesamten Stadtgebiet anzubieten – das hat sich die Stadt Lichtenfels im Zuge der „Vision 2030“ vorgenommen. Besonderes Augenmerk wird beim Projekt „Kita-Konzept“ auf den Krippen- und Hortbereich gelegt, da hier die Nachfrage am größten ist. Immerhin stehen aktuell 24 Kinder auf der Warteliste für einen Krippenplatz.

Ein erster Schritt wird von Seiten der Stadt gerade genommen: Im Erdgeschoss des ehemaligen Pflegeheims in der Nordgauerstraße 2 laufen bereits Vorbereitungsarbeiten für die Einrichtung von zwei provisorischen Krippengruppen. Dort sollen voraussichtlich ab April 2021 bis zu 30 Kinder betreut werden.

Wenn der Stadtrat zustimmt: Baumaßnahmen ab Herbst geplant

Während der Hauptausschuss bereits Ende Juli grünes Licht für die Vorbereitungsarbeiten erteilte, soll nun am Montag in der Stadtratssitzung die Bauausführung beschlossen werden, so dass die eigentlichen Baumaßnahmen zeitnah starten können. Es ist geplant, in den bestehenden Räumen des Südflügels jeweils zwei Gruppen-, Schlaf- und Wickelräume mit WC und Duschen sowie einen Intensivraum, einen Personalraum und eine Personaltoilette einzurichten. Damit auch die Außenanlagen des ehemaligen Pflegeheims von den Kindern genutzt werden können, soll außerdem ein eingrenzender Zaun installiert werden.

Wie Stadtkämmerer Dominik Först bei der Hauptausschusssitzung erläuterte, sei es ein großer Vorteil, dass alles ebenerdig verlaufe und an der Grundstruktur der Räume nichts gemacht werden müsse. Lediglich kleinere Umbauten und Renovierungsmaßnahmen wären notwendig. Dazu gehören unter anderem die Erneuerung der Fenster und Fußbodenbeläge, die Verlegung neuer Kaltwasserleitungen und Heizungsrohre.

Gemäß einer Kostenschätzung, die am Montag dem Stadtrat vorgelegt wird, sollen sich die Umbaumaßnahmen inklusive Möbel und Brandmeldeanlage auf etwa 267 000 Euro belaufen.

Nordgauerstraße Lichtenfels: Vom Pflegeheim zur Kinderkrippe
Damit im Herbst die Umbaumaßnahmen starten können, hat der Bauhof Lichtenfels im August bereits erste Vorbereitungsarbeiten ausgeführt. Foto: Marion Nikol

Für qualitätvolle Betreuung: Herausforderung Personalakquise

Mit der Bereitstellung passender Räume allein ist es aber noch nicht getan. Denn für eine qualitätsvolle Kinderbetreuung braucht es geeignetes Personal – eine Ressource, die auch im Raum Lichtenfels knapp ist. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass sich der Bedarf in Bayern nach den Stunden richtet, die Eltern für ihre Kinder gebucht haben. Wenn für 30 Kinder die Buchungszeiten zwischen sieben und acht Stunden liegen, sind sechs Vollzeitstellen für die beiden neuen Krippengruppen nötig. Davon wiederum müssen mindestens 50 Prozent sogenannte „Fachkräfte“, zum Beispiel Erzieher oder Sozialpädagogen, sein.

„Natürlich wird die Personalakquise – wie bei allen sozialen und pflegerischen Berufen – eine besondere Herausforderung darstellen“, erklärt Thomas Petrak, Geschäftsführer des Kreisverbands Lichtenfels des Bayerischen Roten Kreuzes. Der Kreisverband wird als Träger des Krippenprovisoriums fungieren. „Wir meinen aber, dass der BRK hier gut aufgestellt ist. Wir haben ordentliche Tarifverträge, die unseren Beschäftigten gute Gehälter und attraktive Rahmenbedingungen garantieren“, so Petrak weiter. Zudem will der BRK-Kreisverband die Personalakquise rechtzeitig in Angriff nehmen und dabei auf bewährte und transparente Instrumente wie öffentliche und soziale Medien zurückgreifen.

Um ein schlagkräftiges Team zu bekommen

Wie der Kreisgeschäftsführer ebenfalls betont, wird sich die Personalsuche auf alle Berufe beziehen, die für eine Kinderbetreuungseinrichtung anerkannt sind: „Während Erzieher und Sozialpädagogen ganz stark den gesetzlich normierten Bildungsauftrag im Fokus haben, garantieren Kindepflegerinnen als Ergänzungskräfte die Abdeckung der kinderpflegerischen Aspekte. Alle Kräfte bilden dabei ein Team, das sich gemeinsam an den Bedürfnissen der Kinder orientiert.“

Lichtenfelser Modell und die Vision 2030

Vorerst als Provisorium angedacht, stellen die zwei neuen Krippengruppen in der Nordgauerstraße eine Übergangslösung „für geschätzte drei bis sechs Jahre“ dar, wie Sebastian Müller, Pressesprecher der Stadt Lichtenfels auf Nachfrage erklärt. Wie es danach weitergehen soll, ist noch nicht klar. Bereits in der Sitzung des Hauptausschusses Ende Juli war in diesem Zusammenhang von Monika Faber (SPD) das Stichwort „Lichtenfelser Modell“ eingebracht worden. Ob dieses Modell für zukünftiges altersgerechtes Wohnen mit der Errichtung der neuen Krippengruppen nun platzen würde? Bürgermeister Andreas Hügerich jedenfalls vereinte dies und bestätigte zudem, dass das neue Vorhaben mit dem Stifterwillen konform gehe.

Hoffnung auf eine dauerhafte soziale Nutzung des Gebäudes

Das bereits vor der Vision 2030 von der Stadt und dem BRK-Kreisverband gemeinsam entwickelte „Lichtenfelser Modell“ fügt sich für Geschäftsführer Thomas Petrak nahtlos in die Zukunftsstrategie ein. Er hofft, dass es der Stadt gelingt, ihre Immobilie dauerhaft für eine soziale Nutzung unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Senioren und Menschen mit Handicap zu sichern: „Der Standort hat sowohl Geschichte als auch Zukunft.“

Im Bereich Kinderbetreuung wiederum geht die Stadt mit dem Provisorium nun einen ersten konkreten Schritt zur Erreichung des Projektziels „Kita-Konzept“ der Vision 2030. Ergänzt wird das Ganze von einem weiteren Vorhaben: In Klosterlangheim plant die Stadt im unteren Stockwerk der ehemaligen Schule zusätzlich Räume für die Hortbetreuung bereit zu stellen. Die Baumaßnahmen sind ebenfalls für Herbst geplant, so dass voraussichtlich im November 2020 mehr Platz für Hortkinder in Klosterlangheim zur Verfügung stehen wird.

 

Von Marion Nikol

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