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LICHTENFELS

Neues Konzept für Projekt Kirchgasse in Lichtenfels

Bevor die Bagger für das Projekt Kirchgasse rollen, untersuchen Archäologen den Untergrund. Freigelegt wurden die Fundamente der abgebrochenen Häuser. Darunter wurden auch Relikte aus dem Mittelalter gefunden. Foto: Gerhard Herrmann

Bewegung kommt in das Projekt Kirchgasse, mit dem die Dr. Rießner GmbH Seniorenwohnungen und Praxisräume in der Lichtenfelser Innenstadt errichten will. Zusammen mit dem Roten Kreuz und der Caritas will Geschäftsführer Hans-Georg Rießner das neue Altstadt-Quartier mit leicht geändertem Konzept verwirklichen. Ausgeschrieben werden sollen die Arbeiten im Herbst, der Baubeginn ist für Frühjahr geplant. Bezugsfertig könnten die Räume Ende 2023 sein. Die Planung stellten Hans-Georg Rießner, Sabine Rießner und Bürgermeister Andreas Hügerich am Freitag vor.

Einen langen Atem hat der Bauherr bewiesen, wie der Bürgermeister lobte. Seit 2015 arbeiten die Stadt und der Investor an dem Vorhaben und nach einem Architektenwettbewerb, den das Nürnberger Büro raum3 im Jahr 2018 gewonnen hatte, schien die Verwirklichung in greifbare Nähe gerückt, doch dann sagte der Hauptmieter für die vorgesehenen 30 Wohnungen mit Betreuungsangeboten, der Pflegedienst Cura, wegen gestiegener Baukosten und entsprechend hoher Mieten ab.

„Wir wollen eine neue Wohnform in Lichtenfels anbieten, um älteren Menschen ein selbstständiges Leben zu ermöglichen.“
Hans-Georg Rießner, Geschäftsführer
Der 2018 im Architektenwettbewerb prämierte Entwurf des Nürnberger Büros „Raum 3 Architekten“ in der Ansicht aus Richtung Bahnlinie, rechts führt die Kirchgasse Richtung Stadtmitte. Der Entwurf greift die Giebelform der ehemaligen Bebauung auf. Foto: Grafik: Raum 3

Jetzt werde die Dr. Rießner GmbH nicht nur den Bau des rund sechs bis sieben Millionen Euro teuren Projekts schultern, sondern auch als Vermieter fungieren, sagte Hans-Georg Rießner. Der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs sei nur leicht überarbeitet worden. Er sieht auf dem rund 1500 Quadratmeter großen Gelände zum Dr.-Hauptmann-Ring hin einen Querriegel mit moderner Fassade und Dachgiebeln, die an die ursprüngliche Bebauung erinnern, und je einen Gebäudeflügel an Mauergasse und Kirchgasse vor. Ein großer Innenhof könne als Garten von den Senioren genutzt werden.

Vorgesehen ist im Erdgeschoss eine „ambulante betreute Seniorengemeinschaft“ mit zwölf Plätzen, die vom BRK in Zusammenarbeit mit dem Mehrgenerationenhaus in Michelau betreut werde, erläuterte Rießner. Im ersten Stock soll eine Wohngruppe der Caritas für Menschen mit Behinderung (zwölf Appartements und Sozialräume) untergebracht werden und im zweiten Stock Büroräume der Caritas. Beide Einrichtungen sind bisher in der Gabelsberger Straße untergebracht, benötigen jedoch neue Räume, weil das Landratsamt die Gebäude braucht.

Barrierefreie Wohnungen und eine Praxis für Physio- und Sportherapie

Mit einem Sondierungschnitt prüfen die Archäologen auf dem Grundstück zwischen Mauergasse und Kirchgasse, ob sich mittelalterliche Überreste unter den Grundmauern der abgebrochenen Häuser verbergen. Foto: Gerhard Herrmann

Im zweiten Obergeschoss sind außerdem zwei bis vier barrierefreie Wohnungen vorgesehen. In einem Nebengebäude auf der gegenüberliegenden Seite der Mauergasse will Patrick Pensel, der aus Lichtenfels stammt, eine Praxis für Physiotherapie und Sporttherapie auf drei Etagen einrichten.

Erschwert worden seien die Planungen auch durch allein im vergangenen Jahr um zehn Prozent gestiegenen Baupreise. „Wenn die Baupreise sich weiterhin so entwickeln, sind derartige Projekte künftig nicht mehr möglich“, sagte Rießner. Die Mieten würden daher zwar etwas höher ausfallen, aber aufgrund der auf zehn Jahre angelegten Verträge durchaus attraktiv bleiben. Zusagen habe er noch nicht, aber eine Liste mit Interessenten. Außerdem sehe das Konzept vor, dass die Senioren von ihren Familien mitversorgt werden können, was die Kosten senke.

„Wir wollen eine neue Wohnform in Lichtenfels anbieten, um älteren Menschen ein selbstständiges Leben zu ermöglichen“, betonte Rießner. Dafür sei die Lage in der Innenstadt ideal. Als er gehört habe, dass für das Projekt ein Architektenwettbewerb erforderlich ist, sei er erst einmal blass geworden, doch angesichts des gelungenen Siegerentwurfs sei er froh, dass es so gekommen ist. Bedauerlich nur, dass es trotz mehrjähriger Bemühungen nicht gelungen sei, einen Arzt für die Praxis-Räume zu gewinnen. Das Projekt sieht der Unternehmer auch als Bekenntnis zum Standort Lichtenfels: "In Bamberg hätte ich das nicht gebaut."

„Das ist ein Glücksfall für Lichtenfels“, lobt Bürgermeister Andreas Hügerich. Mit dem Projekt werde nicht nur ein komplettes Altstadt-Quartier städtebaulich aufgewertet, sondern auch durch die Wohnungen für Senioren und Menschen mit Behinderung das soziale Miteinander in der Stadt gestärkt. Aufgrund der Lage werde den Bewohnern die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglicht. Somit sei das Vorhaben ein „Leuchtturmprojekt“ und wichtiger Baustein im Sinne der städtischen Vision 2030.

Vorbereitende Grabungen von Archäologen

Zur Vorbereitung untersuchen Archäologen zurzeit das Gelände. Die Ausgrabungsfirma ReVe hat die Grundmauern der abgebrochenen Gebäude freigelegt und eine Sondierungsgrabung in die darunter liegende mittelalterliche Bodenschicht vorgenommen. Festgestellt wurde, dass offenbar Steine von der Stadtmauer für die Fundamente verwendet wurden, sagte Hans-Georg Rießner. Keramik-Funde müssten noch genauer untersucht werden, um festzustellen, aus welcher Zeit sie stammen. Tiefer gegraben werden solle nur in dem Bereich, der später unterkellert werde. Das restliche Gelände werde belassen wie es ist, um mögliche Bodendenkmäler nicht zu zerstören. Alle Funde werden dokumentiert und den Denkmalbehörden übergeben.

Von Gerhard Herrmann

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