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LICHTENFELS

Nationalkeeper Hans Jakob im Tor des FC Lichtenfels

Nationalkeeper Hans Jakob im Tor des FC Lichtenfels
Der vielfache Nationalspieler Hans Jakob, hier 1936 als Torwart seines langjährigen Heimatvereins SSV Jahn Regensburg, hütete von 1946 bis 47 das Tor des FC Lichtenfels. Foto: red

Der Kunsthistoriker Robert Schäfer hielt im Rahmen der Online-Vorträge des Geschichtsvereins Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW) bereits mehrere Referate über kunsthistorische Themen. In seiner Funktion als Sportjournalist widmete er sich diesmal unter dem Titel „Sportliche Höhenflüge zwischen Trümmern. Die Fußballhochburgen Bamberg und Lichtenfels und der Neuanfang des Fußballsports im westlichen Oberfranken 1945 - 1947“ aber einem sportgeschichtlichen Thema.

Nationalkeeper Hans Jakob im Tor des FC Lichtenfels
Robert Schäfer berichtete über den Neustart der Fußballvereine 1. FC Bamberg und 1. FC Lichtenfels nach dem Krieg. Foto: Alfred Thieret

Robert Schäfer begann seine Ausführungen mit einem kurzen Rückblick auf die 1930-er Jahre. So wurden mit der Saison 1933/34 in Deutschland 16 Gauligen als höchste Spielklassen eingeführt. In der Gauliga Bayern, die vom 1. FC Nürnberg, der SpVgg Fürth, den Münchner Teams FC Bayern, TSV 1860 und Wacker sowie Jahn Regensburg und FC Schweinfurt 05 dominiert wurde, konnten sich von den oberfränkischen Mannschaften nur der FC Bayreuth und der VfB Coburg jeweils zweimal für ein Jahr halten.

VfB Coburg im Pokal gegen Rapid Wien

Der VfB Coburg empfing im August 1939 in einem Pokalspiel die Mannschaft von Rapid Wien, die durch den Anschluss von Österreich an das Deutsche Reich in der Gauliga Ostmark spielte. Die Coburger unterlagen dem späteren deutschen Meister von 1940 mit 1:6. Rapid ist damit der einzige deutsche Meister, der außerhalb der heutigen Bundesrepublik ansässig ist.

Aus psychologischen Gründen hielten die Nationalsozialisten den Spielbetrieb auch während des Krieges aufrecht, betonte der Referent Schäfer. Aufgrund häufigen Spielermangels wurden auch Spielgemeinschaften zugelassen und waren Gastspieler erlaubt.

Hauptfeldwebel vermittelt Spitzenfußballer zum FC Bamberg

Spielte der FC Bamberg lange Zeit zweitklassig, so stieg er 1942 in die neu gebildete Gauliga Nordbayern auf. Die Bamberger profitierten dabei von der Einführung des Gastspielerstatuts, da in der Domstadt ein Panzerregiment stationiert war, dessen Hauptfeldwebel Karl Schmidt enge Kontakte zu den Bamberger Fußballern pflegte. Er spielte nicht nur zeitweise selbst, sondern vermittelte auch stationierte Spitzenfußballer an den FCB. Trainiert wurde die Mannschaft von Ferdinand Wesely, der in den 1920-er Jahren 40 Länderspiele für Österreich absolvierte.

Die Premierensaison in der Gauliga Nordbayern beendete der FC Bamberg als einziger oberfränkischer Verein auf Rang sechs, die zweite Spielzeit 1943/44 schloss der Verein als Vizemeister hinter dem FC Nürnberg ab, den er im Hinspiel sogar 3:1 besiegte, das Rückspiel verloren die „Violetten“ mit einer Rumpfmannschaft allerdings mit 1:12.

Nationalkeeper Hans Jakob im Tor des FC Lichtenfels
Im Oktober 1946 gewann der FC Bamberg als Oberligaaufsteiger 2:1 beim FC Bayern München, musste aber trotzdem am Saisonschluss wieder absteigen. Foto: red

Andere oberfränkische Mannschaften hatten zu diesem Zeitpunkt längst den Spielbetrieb eingestellt. So absolvierte der FC Lichtenfels im Juli 1941 mit einem 2:1-Sieg gegen Reichsbahn Weiden sein letztes Spiel während der Kriegszeit. Erst vier Jahre später jagten die Lichtenfelser wieder dem runden Leder nach und bestritten zwei Freundschaftsspiele gegen den benachbarten FC Michelau.

FC Bamberg mit Ex-Nationalspieler Hans „Bumbes“ Schmidt

Der fußballerische Neubeginn nach dem Krieg wurde von einer grundlegenden Neuorganisation der Spielklassen begleitet, erläuterte Robert Schäfer. Zur Saison 1945/46 startete die neu gegründete Oberliga Süd als höchste Spielklasse mit 16 Mannschaften aus der amerikanischen Besatzungszone (Bayern, Hessen und weite Teile von Baden-Württemberg) und die Landesliga Bayern als zweithöchste mit neun Mannschaften aus ganz Bayern. Darunter folgten die Bezirksligen und Kreisklassen.

Der FC Bamberg, der in der Landesliga an den Start ging, verpflichtete mit dem ehemaligen Nationalspieler Hans „Bumbes“ Schmidt einen namhaften Trainer und verstärkte sich durch bekannte Spieler wie Hans Schäfer, Erich Herder, Ernst Luther (alle vom 1. FC Nürnberg) und Fritz Machate (vom Dresdner SC, dem deutschen Meister des Jahres 1944). Dank ihrer Spielstärke beendeten die Bamberger die Saison 1945/46 als Meister und stiegen in die Oberliga Süd auf.

FC Lichtenfels sorgt in der Bezirksliga für Furore

Eine Klasse tiefer, in der Bezirksliga, sorgte der FC Lichtenfels für Furore. Die Mannschaft deklassierte die meisten Gegner, erzielte in 22 Spielen 107 Tore und wurde Meister in der Saison 1945/46, hob Schäfer anerkennend hervor. 54 Tore schoss alleine Topstürmer Adam Werthmann. Auch der Vorsitzende Erich Böttner erwies sich als guter Torschütze.

Nationalkeeper Hans Jakob im Tor des FC Lichtenfels
Die Mannschaft des FC Lichtenfels als Meister der Bezirksliga-Saison 1945/46 und Aufsteiger in die Landesliga Nord. Foto: red

Die Lichtenfelser bereiteten sich mit dem kurzzeitigen Engagements des früheren Bamberger Trainers Ferdinand Wesely auf die Aufstiegsspiele vor. Ein Aufsehen erregender Coup gelang ihnen aber mit der Verpflichtung des bekannten Torhüters Hans Jakob, der in den 1930-er Jahren 38-mal das Tor der Nationalmannschaft hütete und lange Jahre für Jahn Regensburg und später für Bayern München spielte. Dank der Paraden von Hans Jakob gelang dem FC Lichtenfels der Aufstieg in die zweitklassige Landesliga, die in Nord und Süd aufgeteilt wurde.

Große Euphorie nach dem Aufstieg von FCL und FCB

Nach dem Aufstieg des FC Bamberg und des FC Lichtenfels in die jeweils nächst höhere Klasse herrschte natürlich zu Beginn der Saison 1946/47 große Euphorie. Nach anfänglich großen Erfolgen des FC Bamberg in der Oberliga folgte – bedingt durch einige Spielerabgänge – ein abrupter Leistungseinbruch, so dass die Domstädter sofort wieder absteigen mussten.

FCL-Gelände zu einem Stadion für 6000 Besucher ausgebaut

Der FC Lichtenfels sorgte dagegen in seinem Premierenjahr in der Landesliga-Saison 1946/47 für herausragende Leistungen und erkämpfte sich unter elf Mannschaften hinter dem Meister FC Bayern Hof einen hervorragenden zweiten Platz. Zudem baute der FC Lichtenfels sein Sportplatzgelände mit einer 50 Meter langen Steh- sowie einer Sitztribüne zu einem 6000 Zuschauer fassenden Stadion aus.

Der FC Lichtenfels konnte sich in seiner zweiten Landesliga-Saison hinter dem Meister FC Bamberg erneut über die Vizemeisterschaft freuen, was zur Teilnahme an der nun eingleisigen Bayernliga berechtigte, in der die Korbstädter am Schluss den dritten Platz einnahmen. Landesliga-Meister FC Bamberg scheiterte in der Qualifikationsrunde zur Oberliga am BC Augsburg. In der Saison 1950/51 wurde die Einführung einer neuen zweitklassigen Liga, einer Vertragsspieler-Liga unterhalb der Oberliga beschlossen. Der FC Lichtenfels verblieb in der nun drittklassigen Bayernliga 27 Jahre lang und erzielte dort über viele Jahre hinweg ausgezeichnete Ergebnisse.

Der CHW-Vorsitzende, Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold, dankte Robert Schäfer für den kenntnisreichen und kurzweiligen Vortrag, mit dem er den Zuhörern nicht nur sportliche Ereignisse, sondern auch ein Stück Zeit- und Sozialgeschichte nahebrachte.

 

Von Alfred Thieret

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