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LICHTENFELS

Müllgebühr im Landkreis Lichtenfels steigt um 9,5 Prozent

Müllgebühr  im Landkreis Lichtenfels steigt um 9,5 Prozent
Weil die Betriebskosten steigen, aber die Erlöse für Wertstoffe sinken, sollen die Müllgebühren im Landkreis Lichtenfels angehoben werden. Foto: Archiv-Marion Nikol

Die erste Hürde scheint genommen. Jetzt geht die Sache in den Kreisausschuss und kommt sehr wahrscheinlich am 5. Oktober zur Beschlussvorlage in den Kreistag. Die Rede ist von der Erhöhung der Müllgebühren im Landkreis. Am Montag war davon im Umweltausschuss des Kreistags die Rede – frei von Debatten und Hitzigkeit.

Zügig behandelten die Räte die Auflistung der Leistungen in der kommunalen Abfallwirtschaft des Landkreises ebenso wie die Änderung der Gebührensatzung für die öffentliche Abfallentsorgung. Grundlage war die Maßgabe, dass es auf kommunaler Ebene bei Abfallentsorgungsgebühren weder zu Rücklagenbildungen noch zu Schulden kommen soll. „Es herrscht bei den Müllgebühren das Prinzip der Wirtschaftlichkeit …, das Kostendeckungsprinzip. Es kostet so viel wie es kostet“, sagte Landrat Christian Meißner (CSU).

„Es herrscht bei den Müllgebühren das Prinzip der Wirtschaftlichkeit …, das Kostendeckungsprinzip. Es kostet so viel wie es kostet.“
Christian Meißner, Landrat

Das Prinzip der Kostendeckung erklärt, weshalb alle paar Jahre neue Kalkulationen vorgenommen werden. Was nun eine abermalige Neukalkulation für die Jahre 2021 bis 2024 nötig macht, hat mit dem Markt zu tun, und damit, wie er sich auf die Wertstoffhöfe des Kreises auswirkt. Es drohen Einbußen, weil der Verkaufserlös für die Verwertung von Papier und Pappe in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen ist. Habe der Erlös 2017 noch 125 Euro pro Tonne betragen, so sei er in den Folgejahren kontinuierlich gesunken und belief sich Ende 2019 nur noch auf 50 Euro pro Tonne. Trotz dieser Einbußen wurden immerhin noch 195 131 Euro eingenommen. Negativ wirkten sich steigende Kosten für den Betrieb des Wertstoffzentrums und der Wertstoffhöfe ab dem vergangenen Jahr aus. Zudem seien die Mengen beim Sperrmüll und der gesammelten Wertstoffe merkbar gestiegen. Auch wenn dies teilweise mit der Corona-Pandemie erklärbar sei, so rechnet man im Landratsamt mit einem Anhalten des Trends zu hohen Sammelzahlen.

Mit den derzeitigen Abfallentsorgungsgebühren sei eine Deckung für den Zeitraum 2021 bis 2024 nicht gegeben, erklärte der Landrat. Kreisrat Walter Mackert (CSU) äußerte Verständnis für eine Gebührenerhöhung für die Müllbeseitigung: „Es ist zwar Pflichtaufgabe (einer Kommune), aber ich sehe es auch als Dienstleistung an.“

Eine Einzelperson müsste monatlich 60 Cent mehr zahlen

Vorgesehen ist eine Anhebung der Abfallentsorgungsgebühren um 9,5 Prozent aufgrund eines Rechenmodells, das auch den bis 2024 schrittweisen Verbrauch der bei 500 000 Euro liegenden Rücklagen berücksichtigt. Doch was nach einer deutlichen Erhöhung klingt, stellt sich in absoluten Zahlen weniger dramatisch dar. Eine Einzelperson etwa würde im Landkreis pro Jahr 7,20 Euro mehr an Müllgebühren entrichten, also 60 Cent im Monat. Dass Müllgebühren nicht nur steigen, sondern auch sinken können, zeigte eine Grafik über die Entwicklung im Landkreis seit 1989. So liegen die Jahresgebühren für einen Vier-Personen-Haushalt derzeit bei 170 Euro pro Jahr, während sie 2005 noch 226 Euro betrugen.

Einstimmig wurde die Erhöhung befürwortet. „Wir leben gerade in verrückten Zeiten, wir können nur nach bestem Gewissen kalkulieren“, erklärte Meißner. Und mit Blick auf die Corona-Pandemie fügte er an: „Wenn was völlig Außergewöhnliches passieren sollte, müssen wir uns sowieso neu zusammensetzen.“

Von Markus Häggberg

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