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LICHTENFELS

Moderner Bankraub ist scheinbar unpersönlich

Moderner Bankraub ist scheinbar unpersönlich
Auch, wenn sich seit sieben Jahren kein Banküberfall mehr in der Sparkasse Coburg-Lichtenfels ereignet hat, werden immer wieder neue Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Foto: Corinna Tübel

Geld abheben, Überweisungen tätigen, einen Kredit beantragen: Der Großteil der Bevölkerung nutzt die Banken im Landkreis Lichtenfels für diese Geschäfte. Vermummte Täter mit vorgehaltener Waffe scheinen nur noch in Krimis zu existieren. Tatsächlich?

Banküberfälle in der Region kommen nicht täglich, aber leider bisweilen vor. Zuletzt sorgte die Sprengung der beiden Geldautomaten der Raiffeisen-Volksbank Ebensfeld für Schlagzeilen. Am 17. Juni öffneten die Täter dort gewaltsam durch Einleiten eines Gasgemisches zwei Geldautomaten und konnten entkommen. Das Videomaterial, das ein Anwohner von der Tat bereitstellte, floss als Beweismittel in das Ermittlungsverfahren der Kriminalpolizei Bamberg ein. Die Ermittlungen zu diesem Fall laufen derzeit noch. Aus ermittlungstaktischen Gründen können zum momentanen Zeitpunkt noch keine Informationen hierzu veröffentlicht werden.

Am 6. Oktober wurden in Sulzbach am Main ebenfalls Geldautomaten gesprengt. Die Täter: ebenfalls auf der Flucht. Ob es dieselben Täter sind, die in der Main-Region unterwegs sind, ist unklar.

Wie ist es also um die Sicherheit der Banken im Obermain bestellt?

Banken betreiben Sicherheitsmaßnahmen in eigener Zuständigkeit und werden dabei durch die Polizei beraten. Die Sicherung obliegt jedoch letztlich den jeweiligen Geldinstituten selbst. Der Grat zwischen einer Aufklärung der Kunden und einem Sicherheitsrisiko ist bei diesen Informationen enorm groß. Daher verweisen die Kreditinstitute auf die Maßnahmen der Deutschen Kreditwirtschaft – insbesondere für die Thematik der Geldautomaten-Sprengungen.

Banken und Sparkassen haben bereits eine Vielzahl verschiedener Maßnahmen zum Schutz ihrer Geldautomaten-Infrastruktur ergriffen. So zum Bespiel die Schließung von besonders gefährdeten Geldautomaten-Standorten in den Nachtstunden, Einbruchmeldeanlagen, Anti-Gas-Systeme, die Aufschaltung auf Service-Leitstellen oder der Einbau von Vernebelungssystemen.

Darüber hinaus werden Maßnahmen für einen stärkeren Schutz der Automaten vorgenommen. Dazu gehören eine höhere Widerstandsklasse der Tresore, ein erhöhter mechanischer Schutz gegen Aufhebeln. Wirkungsvoll kann nur eine zum jeweiligen Geldautomaten-Standort passende Kombination geeigneter Maßnahmen sein.

Internationaler Markt für Bank-, Bankeinrichtung und Schwerbauer

Auch seitens der zuständigen Versicherungen gelten Bestimmungen sowie Auflagen. Die R+V Versicherung AG unterstützt die Volks- und Raiffeisenbanken beispielsweise mit einem Team ausgebildeter Sicherheitstechniker. Diese beraten die Banken vor Ort zu allen Fragen der mechanischen Sicherheitstechnik und Sicherheitsvorkehrungen, wie zum Beispiel Alarmanlagen und Videotechnik.

Moderner Bankraub ist scheinbar unpersönlich
Geldautomaten sprengen statt räuberische Erpressung: Das Vorgehen von Bankräubern änderte sich in den vergangenen Jahren. Foto: Corinna Tübel

„Unsere Sicherheitstechniker stehen in engem Austausch mit den Landeskriminalämtern, den Errichterfirmen (Einbau von Alarmanlagen und sonstiger Sicherheitstechnik) und den Herstellern von Banktechnik“, so Brigitte Römstedt, Pressesprecherin der R+V Versicherung AG. Entwickelt werden diese Maßnahmen international. „Es gibt einen internationalen Markt für Banktechnik, Bankeinrichtung und Schwerbauer (Safes).“

Bargeldbestände und -auszahlung reduziert

Der letzte Überfall auf eine Filiale der Sparkasse Coburg - Lichtenfels liegt über sieben Jahre zurück, berichtet beispielsweise Stefan Schneyer aus dem Vorstandsstab. Trotzdem hat sich für deren Kunden in den letzten Jahren etwas verändert: „Die Umsetzung mancher Entscheidungen erfordern dabei auch ein Umdenken bei den Kundinnen und Kunden, da manche Bankgeschäfte unter Sicherheitsaspekten nicht mehr in gewohnter Weise abgewickelt werden können. So wurden beispielsweise die Bargeldbestände oder die maximale Bargeld-Auszahlung ohne Vorankündigung deutlich reduziert und einige Standorte in komplett bargeldlose Filialen umgewandelt“, so Stefan Schneyer.

Bundesweit 349 Sprengungen im Jahr 2019

Die Polizeibeamten werden in Einsatzkonzeptionen für derartige Phänomenbereiche geschult. Dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge wurden allein 2019 bundesweit 349 Geldautomaten gesprengt. Das waren zwar 5,4 Prozent weniger als 2018, aber mehr als doppelt so viele wie noch 2015.

Im Raum Oberfranken verzeichnete das Polizeipräsidium Oberfranken für die Jahre 2017 bis 2019 nur einen Banküberfall im „klassischen“ Stil: Räuberische Erpressung im Sinne §255 StGB, wobei aber kein Geld erbeutet wurde, so Tobias Dörfler von der Pressestelle. Im gleichen Zeitraum sei es zu fünf Fällen von Geldautomaten-Sprengungen in Oberfranken gekommen. Vor dem Hintergrund der geringen Fallzahlen ist eine valide Bezifferung der Aufklärungsquote statistisch leider nicht möglich.

Das Vorgehen der Täter habe sich in den vergangenen Jahren verändert. Tobias Dörfler fasst zusammen: „Der klassische Bankraub im Sinne einer räuberischen Erpressung gemäß §255 StGB – zum Beispiel Vorhalt einer Waffe verbunden mit einer Geldforderung - stellt mittlerweile eine klare Ausnahme dar. Derzeit überwiegen sehr deutlich sogenannte Geldautomaten-Sprengungen, bei welchen die Täter Geldautomaten mittels Sprengmitteln zur Explosion bringen, um an die enthaltenen Bargeldbestände zu gelangen.“

Standorte werden in regelmäßigen Abständen bewertet

Das ist auch den Geldinstituten bewusst. Deshalb wird die Weiterentwicklung beziehungsweise Anpassungen der Maßnahmen zur Sicherung von Geldautomaten beziehungsweise Filialen wird stetig forciert, verrät Stefan Schneyer. „Die Sparkasse Coburg - Lichtenfels nimmt Themen wie Bankraub, Banküberfall oder Geldautomaten-Sprengungen sehr ernst. Wir bewerten unsere Standorte in regelmäßigen Abständen. Dabei werden verschiedene Aspekte wie beispielsweise Modernisierung, Umgestaltung aufgrund geänderter Arbeitsabläufe sowie Sicherheitsmaßnahmen einbezogen. Auf dieser Basis treffen wir vorbeugende Maßnahmen, um Risiken zu minimieren und Personen zu schützen.“ Die Investitionen hierfür seien nicht unerheblich.

 

Von Corinna Tübel

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