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LICHTENFELS

Mobilfunkstandard 5G: Viele Facetten einer neuen Technologie

Mobilfunkstandard 5G: Viele Facetten einer neuen Technologie
Ein schnelles Mobilfunknetz geht nicht ohne Mobilfunkmasten, die mitunter auch in Wohngebieten wie hier am Burgberg in Lichtenfels zu finden sind. Foto: Marion Nikol

Ein Kühlschrank, der fehlende Lebensmittel erkennt und diese automatisch nachbestellt. Autonome Fahrzeuge, die das Wetter und die Verkehrslage kennen und so die optimale Route zum jeweiligen Ziel auswählen. Eine Industrieanlage, bei der sämtliche Maschinen nicht nur miteinander vernetzt sind, sondern von überall in der Welt gesteuert und gewartet werden können.

All das mag nach Zukunftsmusik klingen, rückt aber mit Ausbau des Mobilfunkstandards 5G immer näher und ist im Hinblick auf industrielle Anwendungen mancherorts bereits Realität. Die neue Mobilfunkgeneration wird in Deutschland seit 2020 schrittweise eingeführt und hat im Zuge der 5G-Initiative der Telekom auch schon den Landkreis Lichtenfels erreicht, der hier als Modellregion fungiert.

Der Spielraum der Kommunen ist begrenzt

Angesichts dieser Entwicklungen liegt es nahe, sich sowohl mit den Stärken und Risiken der neuen Technologie als auch mit dem Einfluss der Kommunen in diesem Bereich zu befassen. Wie Susanne Hellmuth von der Bauverwaltung der Stadt Lichtenfels erklärt, ist der Handlungsspielraum hier nämlich eher gering: „Was den Gemeinden eingeräumt wurde, ist ein sogenanntes Mitwirkungsangebot. Das heißt, wir haben bei der Standortsuche neuer Mobilfunkmasten ein Mitspracherecht. Den Bau verhindern können wir jedoch in den wenigsten Fällen, da eine Mobilfunkanlage im Außenbereich laut Baugesetzbuch privilegiert ist.“

Mobilfunkstandard 5G: Viele Facetten einer neuen Technologie
Vernetzte Zukunft: Für Privathaushalte sind mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G unter anderem Vorteile im Bereich Smart Home verbunden. Foto: Pixabay

Was die Stadt Lichtenfels bereits vor über zehn Jahren auf den Weg gebracht hat, ist ein Standortkonzept einschließlich Mobilfunkgutachten, dass nun fortgeschrieben beziehungsweise erweitert werden soll. Dabei erfolgt eine Bestandsaufnahme, wie sich die Versorgung des Stadtgebietes derzeit darstellt und wie der Ausbau des Mobilfunknetzes so verträglich wie möglich für die Bevölkerung gestaltet werden kann.

Darüber zeigt sich auch Michael Kolb von der Bürgerinitiative Strahlungsarmer Mobilfunk erfreut: „Die Stadt Lichtenfels ist hier sehr aufgeschlossen. Wir sind sehr froh, dass das Gutachten nun vor dem Hintergrund des neuen Mobilfunkstandards 5G aktualisiert wird. Optimale Standorte für Sendemasten sind aus unserer Sicht dort, wo keine Wohngebiete sind.“

Strahlungsrisiken, Daten- und Klimaschutz berücksichtigen

Mobilfunkstandard 5G: Viele Facetten einer neuen Technologie
Auf dieser online abrufbaren Karte der Telekom ist anhand der lila Flächen ersichtlich, in welchen Gebieten im Landkreis Lichtenfels 5G bereits möglich ist. Foto: Telekom

Mit dem 5G-Netzausbau dürfte in Teilen der Bevölkerung auch die Sorge um eine Gesundheitsgefährdung durch die Mobilfunkstrahlung wachsen. Doch wie unter anderem die Verbraucherzentrale auf ihrer Website informiert, ändere sich mit 5G an der Strahlenbelastung zunächst wenig: „Die für 5G genutzten Mobilfunkfrequenzen sind größtenteils dieselben wie für 4G und wurden vorher bereits für andere Zwecke eingesetzt. Die Strahlungsleistung von Mobilfunkantennen wird von der hierfür zuständigen Bundesnetzagentur überwacht, gemessen und dokumentiert.“

Zudem geht laut Verbraucherzentrale die stärkste Strahlung von nah am Körper genutzten Smartphones aus: „Egal ob während der Nutzung am Ohr, in der Hand oder dem reinen Tragen in der Hosentasche – hier gilt der Grundsatz: Verdoppelt man den Abstand, so verringert sich die Strahlung auf ein Viertel. Deshalb sollten Sie alle Möglichkeiten nutzen, um dies zu verringern – zum Beispiel indem Sie auf möglichst viel Abstand zwischen Kopf und Smartphone achten.“

Ähnlich sieht das auch Michael Kolb von der Lichtenfelser Bürgerinitiative. Neben dem Thema Strahlung spricht er ab noch weitere Aspekte an, die in Zusammenhang mit 5G bedacht werden sollten. Einer davon sei der Datenschutz. „Überwachung für alle und überall – Smart City, Smart Country, Smart Mobility, Smart Home oder Smart School - alle Vorgänge der Gesellschaft sollen über Daten und Algorithmen gesteuert werden.

„Diese Digitalisierung ist

der Umbau der Kommunen von Orten der Demokratie

zu überwachten Zonen.

Für die Überwachung werden der Datenschutz und die Privatsphäre Stück für

Stück aufgehoben.“

Michael Kolb, Bürgerinitiative

Strahlungsarmer Mobilfunk, warnt

Das Ziel: In Echtzeit von jedem zu wissen, was er tut und wo er sich befindet. Dafür wird mit Reality Mining und Big Data von allen Bürgern ein digitales Profil erstellt. Überwachungskameras mit Gesichtserkennung, Mikrofonen und Software zur Erkennung des Verhaltens werden unter dem Deckmantel der Sicherheit installiert. Diese Digitalisierung ist der Umbau der Kommunen von Orten der Demokratie zu überwachten Zonen. Für die Überwachung werden der Datenschutz und die Privatsphäre Stück für Stück aufgehoben“, so Michael Kolb.

Auch das Thema Klimaschutz sei in der 5G-Debatte nicht zu vernachlässigen, wie Michael Kolb weiter ausführt: „Wir haben dann zwar ein wesentlich effizienteres und enger gestricktes Netzwerk, über das mehr Traffic laufen kann. Doch das kostet schon mal mehr Ressourcen. Viele Verbraucher benötigen womöglich ein neues Smartphone, um 5G überhaupt nutzen zu können, wofür wiederum neue Rohstoffe notwendig sind. Darüber hinaus müssen die Netze ja auch stetig gewartet und eine redundante Datenhaltung sichergestellt werden. Dafür ist ebenfalls Energie nötig. Je mehr Daten ich habe, desto mehr schade ich im Umkehrschluss eigentlich auch dem Klima.“

Zweischneidiges Schwert: Aber Entwicklung lässt sich nicht aufhalten

Genau wie viele andere Innovationen scheint auch die neue Mobilfunkgeneration ein zweischneidiges Schwert zu sein. Zum einen verspricht sie für Privatpersonen, Unternehmen und auch Kommunen viele Annehmlichkeiten. Sie kann beispielsweise dazu beitragen, den Verkehr sicherer zu machen, Streufahrzeuge im Winter optimal zu bestücken und damit Streusalz zu sparen, noch besser ortsunabhängig arbeiten zu können oder die Vorteile eines vernetzten Zuhauses inklusive intelligenter Rollos, Heizungen und Waschmaschinen auszukosten.

Zum anderen müssen dafür nicht nur erhebliche Ressourcen aufgewendet, sondern auch Funkmasten aufgerüstet beziehungsweise neue errichtet werden. Dies trifft in der Bevölkerung nicht überall auf Zustimmung, wie sich auch im Landkreis Lichtenfels vielerorts immer wieder gezeigt hat.

Aufhalten lassen wird sich die Entwicklung jedoch kaum. Sowohl die Bundesregierung als auch die bayerische Staatsregierung haben sich hier viel vorgenommen. Letztere will innerhalb der nächsten drei Jahre bayernweit die Verfügbarkeit und Übertragungsqualität der Mobilfunknetze nachhaltig verbessern und eine gute Versorgung auch in dünn besiedelten ländlichen Regionen schaffen.

Der Anfang soll entlang der Verkehrswege, sprich Bahntrassen und Autobahnen, gemacht werden, da Nutzerinnen und Nutzer gerade dort Defizite wahrnehmen würden. Wie ein Ministeriumssprecher auf Nachfrage erklärt, müsse man ja irgendwo ansetzen. Und man wolle dort zunächst die weißen Flecken eliminieren.

Im Bereich von Buch am Forst wird wohl noch ein Funkmast entstehen

Die Auswirkungen dieses Vorhabens zeigen sich in Lichtenfels bereits: Da es entlang der Autobahn Richtung Coburg einen Bereich gibt, der mobilfunktechnisch noch nicht ausreichend abgedeckt ist, wird wohl im Gebiet bei Buch am Forst noch ein weiterer Funkmast nötig, obwohl es dort in einem Radius von etwa fünfzehn Kilometern bereits zwei Masten gibt. Die Stadt Lichtenfels konnte hierzu lediglich Stellung nehmen und die Notwendigkeit eines dritten Mastes infrage stellen. Aufgrund der Vorgabe der bayerischen Staatsregierung, die Versorgung entlang der Verkehrswege flächendeckend sicherzustellen, wird sich das Bauvorhaben des verantwortlichen Mobilfunkbetreibers aber wohl nicht aufhalten lassen.

Weiterführende Infos

Wer sich ausführlicher zum Thema Mobilfunkstrahlung und 5G informieren möchte, erhält bei den folgenden Institutionen detaillierte Informationen sowie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse:

• Bundesamt für Strahlenschutz

www.bfs.de

Umweltbundesamt

www.umweltbundesamt.de

Hier gibt es unter anderem eine ausführliche und gut verständliche Publikation mit dem Titel „5G – Die neue Mobilfunkgeneration und ihre Auswirkungen auf den Menschen“.

• Bundesnetzagentur

www.bundesnetzagentur.de

Hier findet sich im Verbraucherportal unter Digitales und Kommunikation > Funktechnik > Funkanlagen und Elektromagentische Felder eine Übersichtskarte mit sämtlichen Funkmast-Standorten in Deutschland.

• Verbraucherzentrale Deutschland

www.verbraucherzentrale.de

 

Von Marion Nikol

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