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SCHNEY

Mit dem DGB Schney auf den Spuren der Juden durch Prag

Mit dem DGB Schney auf den Spuren der Juden durch Prag
Viel Wissen über die Geschichte und Kultur Prags vermittelte Dr. Renata Blazkova (Mi.) den Gästen vom Obermain. Foto: red

„Prag bot in verschiedenen historischen Epochen Juden, die aus benachbarten Ländern vertrieben worden waren, häufig Asyl und wurde so eines der ältesten sowie bedeutendsten jüdischen Zentren in Mitteleuropa“, so Dr. Renata Blazkova. Die ausgewiesene Pragkennerin begleitete drei Tage Gäste vom Obermain durch ihre Heimatstadt. Das Schneyer DGB-Ortskartell lud zu diesem Ausflug in die Goldene Stadt ein.

Die Anreise erfolgte umweltgerecht mit der Bahn. Die Teilnehmer konnten während ihres Aufenthalts ein Bilderbuchwetter genießen. Dr. Renata Blazkova führte die Besucher durch die Geschichte und Kultur der faszinierenden Metropole an der Moldau.

Zunächst leitete sie die Gruppe zum Vysehrad, einem Burgwall, errichtet in der Mitte des zehnten Jahrhunderts mit einem herrlichen Blick auf die Metropole. Die ersten böhmischen Könige hatten dort ihren Sitz.

Auf dem alten jüdischen Friedhof liegt Rabbi Löw begraben

Ein Spaziergang durch die Josefstadt gab Einblicke in das einstige rege jüdische Leben. Das Viertel wurde ab 1850 nach dem Habsburger Kaiser Josef II in Josefov unbenannt, darauf wies Dr. Renata Blazkova hin. Zeugnisse der Vergangenheit geben der alte jüdische Friedhof, der der älteste erhaltene in Europa ist. Dort ist auch der Rabbi Löw begraben, der den sagenhaften Golem zum Schutz der Bewohner geschaffen haben soll. Der Friedhof beherbergt etwa 12 000 Gräber und wurde im 15. Jahrhundert angelegt.

Die berühmte Altneu-Synagoge war die Hauptsynagoge und ist das älteste erhaltene jüdische Gotteshaus in Europa, erläuterte Dr. Renata Blazkova. Vier weitere Synagogen sowie das jüdische Rathaus mit seiner hebräischen Uhr sind weitere Sehenswürdigkeiten in diesem Stadtteil.

Der abartige Plan der Nationalsozialisten

Der abartige Plan der Nationalsozialisten war es, im jüdischen Viertel ein Museum einer ausgestorbenen Rasse zu installieren, informierte Dr. Renata Blazkova. Von Oktober 1941 bis März 1945 wurden über 45 000 jüdische Bürger aus Prag nach Theresienstadt und in weitere Konzentrations- sowie Vernichtungslager deportiert, wo die meisten von ihnen umkamen. Heute leben noch etwa 1600 Bürger jüdischen Glaubens in der Stadt.

Die Jerusalem-Synagoge, ein weiterer Höhepunkt des Pragausflugs, wurde laut Dr. Renata Blazkova im Jahr 1906 eingeweiht und ist der jüngste sowie der größte Synagogenbau der jüdischen Gemeinde in Prag. Innen ist die Synagoge malerisch im Wiener Jugendstil eingerichtet. Eine Dauerausstellung beinhaltet die Entwicklung der jüdischen Gemeinde von 1945 bis heute. Regelmäßig finden dort Konzerte statt.

Die wichtigsten Stationen des Lebens und Wirkens von Frank Kafka

Bei einem Spaziergang erzählte Dr. Renata Blazkova aus dem Leben und dem Werk eines der wichtigsten Autoren der deutschen Sprache, Franz Kafka. Seine Lebensmittelpunkte befanden sich in der Nähe des Altstädter Rings in Prag. Blazkova zeigte die wichtigsten Stationen seines kurzen Lebens und Wirkens. In seinen Erzählungen und Romanen spiegele sich das Lebensgefühl von Menschen aus seiner Zeit wider.

Orientierungslosigkeit sowie eine Entfremdung in der modernen Zeit werde Ausdruck verliehen. Nach Kriegsende entstand das Eigenschaftswort kafkaesk. Dabei gehe es um Gefühle dunkler Unwissenheit, ein Ausgeliefertsein gegenüber dumpfen Mächten wie einer menschenfremden Bürokratie.

DGB-Ortskartellvorsitzender Heinz Gärtner bedankte sich bei Dr. Renata Blazkova für die an Informationen reichen und interessanten Tage in der Hauptstadt der tschechischen Republik mit einem Präsent. (red)

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