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Misteln, nicht nur ein immergrüner Winterschmuck

Misteln, nicht nur ein immergrüner Winterschmuck
Die Mistel mit ihren immergrünen Blättern und den weißen Früchten im Winter, hat die Menschen schon immer fasziniert. Foto: Christa Schröder

Eine alte Sitte ist es, zu Weihnachten an der Zimmerdecke oder über der Tür, Mistelzweige aufzuhängen. Dahinter steckt der Aberglaube, das Mistelgrün andauerndes Glück bringt. Die immergrüne Farbe gilt als Symbol der Fruchtbarkeit und des Wachstums. Die Mistel gehört zu den Halbschmarotzern. Sie holt sich nur die Nährsalze wie Kalium und Magnesium aus der Wildpflanze. Organische Stoffe wie Zucker, Stärke und Eiweiß kann sie mit ihren immergrünen Blättern selbst herstellen. Inzwischen ist diese Pflanzenart immer mehr zu einem begehrten Weihnachtsschmuck geworden. Heute wünschen sich Naturschützer allerdings, dass die Mistelzweige nicht im Haus, sondern an ihrem Standort bewundert werden können.

Sicher konnte sich die Mistel allerdings nie fühlen, da sie schon lang als Heilpflanze bekannt ist. Schon Plinius der Ältere empfahl sie Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr. in seinen Büchern zur Naturgeschichte, als Mittel gegen Fallsucht. 1000 Jahre später erwähnte die heilige Hildegard von Bingen die Birnbaummistel als Medizin zur Behebung von Asthma. Noch heute wird aus der Mistel ein blutdrucksenkendes Mittel hergestellt.

Rosenkränze aus Mistelholz geschnitzt

In den kahlen Zweigen unserer Laubbäume, vor allem aber in Pappeln und Obstbäumen, bilden die Mistelbüsche über den ganzen Winter grüne Blickpunkte. Sie überstehen alle Stürme, da ihre am Grunde leicht gedrehten Blätter den Wind in einzelne Ströme zerlegen. Dabei kreuzen sich die Zweige in auffallender Weise. Man verglich sie früher deshalb mit dem Kreuz Christi. Als „Heiliges Kreuz“ schrieb man der Mistel übernatürliche Kräfte zu. Daraus erklärt sich dann auch, dass im Mittelalter die Rosenkränze aus Mistelholz geschnitzt wurden.

Auf die weißen Beeren der Mistel, die jetzt heranreifen, haben die Amseln, Drosseln und viele andere Vogelarten sehnlich gewartet. Beim Verzehr der Frucht bleibt das klebrige Samenkorn am Schnabel hängen. Wetzt der Vogel es dann an einem Zweig ab, klebte es dort fest. Die keimende junge Pflanze schickt ihre Wurzeln bis in das Innere des Holzgewebes ihres Wirtsbaumes. Ein neuer Mistelbusch ist damit entstanden.

Wer Misteln anbauen will, kann das jetzt mit den weißen Beeren, die meist an den gekauften Zweigen hängen, die als Weihnachtsschmuck verwendet werden. Da es bei Misteln männliche und weibliche Pflanzen gibt, sollte versucht werden gleich mehrere anzusiedeln, damit es zu einer Befruchtung kommt und Samen gebildet werden kann.

Schon Mitte März entfalten sich die unscheinbaren, aber angenehm duftenden Blüten der Mistel. Da sie Nektar enthalten, bilden sie eine der ersten Nahrungsquellen der Bienen und vielen anderen Insekten im zeitigen Frühjahr. Eine artenreiche Pflanzengesellschaft sorgt für einen Ausgleich in der Natur. Die Mistel ist ein wichtiger Nahrungsspender in einer sonst kargen Zeit. (chs)

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