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MISTELFELD

Mistelfeld: Einst im Besitz der Grafen von Andechs

Hoch über Mistelfeld thront die Pfarrkirche, die das Patronat des heiligen Apostel Andreas trägt. Die Aufnahme entstand um das Jahr 1920. Foto: Fabian Brand

Wer von Lichtenfels kommend in Richtung Klosterlangheim fährt, den begrüßt sie schon von weitem: Die auf der Anhöhe gelegene Mistelfelder Pfarrkirche, die dem heiligen Andreas als Patron geweiht ist. Die Kirche hat eine lange Geschichte, die fast 1000 Jahre zurückreicht.

Eine erste schriftliche Erwähnung der Mistelfelder Kirche findet sich vom 13. März 1142: Von diesem Tag ist eine Urkunde erhalten, in der erwähnt wird, dass Cuniza, die vormalige Gattin des Grafen Poppo von Andechs-Plassenberg, Mistelfeld dem Bamberger Domkapitel übertragen habe. Freilich hat das Grafengeschlecht diese Schenkung nicht unwidersprochen hingenommen: Vermutlich war es Graf Berthold von Andechs, der vielleicht schon 1149 Mistelfeld wieder aus der Hand des Domkapitels entriss. Jedenfalls unterstand Mistelfeld im weiteren Verlauf der Herrschaft der Grafen von Andechs.

Streit der Andechser mit dem Bamberger Domkapitel um das Dorf

Es ist unsicher, was zu dieser Zeit in Mistelfeld bestanden hat. Naheliegend ist, dass die Herzöge von Andechs eine Burg an der Stelle der heutigen Pfarrkirche errichtet hatten. Jedenfalls klingt das sehr plausibel, betrachtet man die exponierte Lage der Kirche auf dem Bergrücken über dem Leuchsental.

Gut 100 Jahre später, im Jahr 1249, wird Mistelfeld an das Kloster Langheim übertragen. Seitdem gehörten alle Anwesen des Dorfes und sämtlicher Grundbesitz zum Zisterzienserkloster. Wann es in Mistelfeld eine erste Kirche gegeben hat, liegt im Dunkeln. Möglich, dass schon die Burg – falls es sie denn gegeben hat – eine Kapelle besaß. Vielleicht wurde eine erste Kirche 1233 im Auftrag von Otto VII. von Meranien und seiner Frau Beatrix erbaut.

Sicheren Boden betreten wird zumindest erst mit einer Weihenotiz aus dem 14. Jahrhundert: Am 8. Juli, dem Festtag des Frankenheiligen Kilian, des Jahres 1346 weihte der Bamberger Weihbischof die Kirche von Mistelfeld. Von dieser mittelalterlichen Kirche sind heute noch der Chorraum, Teile des Langhauses sowie die drei Stockwerke des Turms, die aus Sandsteinquadern errichtet wurden, vorhanden.

Erweiterung und neugotische Einrichtung im 19. Jahrhundert

Erst im 19. Jahrhundert erfolgen neuere Bauarbeiten an der Pfarrkirche. Wahrscheinlich war die Einwohnerzahl Mistelfelds in der Zwischenzeit so angestiegen, dass die mittelalterliche Kirche keinen Platz mehr für die zahlreichen Gemeindemitglieder bot. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entschied sich die Kirchenverwaltung für eine Erweiterung des Gotteshauses. Nicht nur, dass die Kirche um einige Meter verlängert wurde, auch die Innenausstattung wurde zu dieser Zeit völlig erneuert. Die alte Einrichtung musste weichen und man bestellte bei einem Bayreuther Bildhauer drei Altäre: Den Hochaltar mit einer Darstellung des Kirchenpatrons Andreas, sowie zwei Seitenaltäre, welche den gekreuzigten Heiland bzw. die Jungfrau Maria zeigten. Auch die Kanzel, die Kommunionbank und das Taufbecken stammten aus der Werkstatt des Künstlers. 1868 wurde eine Orgel mit zehn klingenden Registern angeschafft, die ebenfalls ein Gehäuse im neugotischen Stil erhielt.

Die Zeiten änderten sich und mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) zog ein neuer Wind durch die Kirche. Für die Mistelfelder Pfarrkirche hatte dies enorme Auswirkungen: Da die Altäre wohl nicht mehr in bestem Zustand waren, ließ sie der damalige Pfarrer Leo Veth kurzerhand entfernen. Bis in die 1990-er Jahre blieb das Innere der Pfarrkirche im Vergleich zur früheren Ausstattung relativ kahl. Erst im Zuge von umfangreichen Renovierungsarbeiten wurden seinerzeit zwei Altäre erworben, die zumindest stilistisch an die ursprüngliche neugotische Einrichtung erinnern. Die beiden Figuren des heiligen Benedikt von Nursia und des heiligen Bernhard von Clairvaux, die sich heute über dem Taufstein befinden, weisen auf die Zugehörigkeit Mistelfelds zum Kloster Langheim hin. Der Zisterzienserorden, der von Bernhard gegründet wurde, lebt nach der Regel des heiligen Benedikt.

Früher wurden die Gottesdienste von Langheimer Mönchen gehalten

Die Pfarrkirche in Mistelfeld besitzt eine wechselvolle Geschichte. Wurden die Gottesdienste früher von Mönchen des Langheimer Klosters gehalten, ist heute der Pfarrer von Isling für die Pfarrei zuständig. Schaffte man im 19. Jahrhundert mühsam eine kostspielige Innenausstattung an, wurde diese kaum 100 Jahre später achtlos entsorgt. Dominierte in den 1960-er Jahren das Verständnis einer schlichten Kircheneinrichtung, kehrte man knapp 30 Jahre später zu einem ursprünglicheren Zustand zurück.

Innenaufnahme der Pfarrkirche Mistelfeld um 1900. Die Einrichtung zeigt den Zustand nach der Kirchenerweiterung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Foto: Fabian Brand

Von FABIAN BRAND

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